Sonntag, 26. Mai 2019

Chantal Grundig Die "eiskalte Witwe"

2. Teil: Verweserin der Grundig-Interessen?

Verweserin der Grundig-Interessen?

Für ihr Engagement zahlten die Philips-Manager einen hohen Preis. Im Gegenzug für das erste Aktienpaket überließen sie einer 1970 von Max Grundig ins Leben gerufenen gleichnamigen Stiftung rund 6 Prozent der Philips-Papiere. Ihr Wert: etwa 600 Millionen Mark.

 Unternehmerlegende: Firmenpatriarch Max Grundig, kurz vor seinem Tod im Jahr 1989
DPA
Unternehmerlegende: Firmenpatriarch Max Grundig, kurz vor seinem Tod im Jahr 1989
Ferner verpflichteten sich die Niederländer, der Familienstiftung 20 Jahre lang eine Garantiedividende in Höhe von 45 Millionen Mark per anno zu überweisen, ganz gleich, ob bei Grundig Gewinne oder Verluste anfallen würden. Und schließlich vereinbarten sie, die restlichen Grundig-Anteile gegen Zahlung von 540 Millionen Mark übernehmen zu dürfen.

Nutznießerin all dieser lukrativen Abreden ist die Max-Grundig-Stiftung. Deren Satzung versucht erst gar nicht, den Anschein von Gemeinnützigkeit zu erwecken. Klipp und klar ist festgelegt, dass Stiftungszweck "die Wahrung und Förderung gemeinsamer Interessen der Angehörigen der Familie Grundig" ist. Über die Einhaltung dieser Vorschrift wacht seit Max Grundigs Tod niemand anders als seine Witwe Chantal.

Eine Gewerkschaft beißt auf Granit

Als der Grundig-Konzern auch Mitte der 90er Jahre seine Talfahrt ungebremst fortsetzte, Maßnahmen zur Sanierung partout nicht greifen wollten, Arbeitsplätze in Nürnberg und Fürth dahin schmolzen wie Butter an der Sonne, rechnete es die Stiftungsvorsitzende nicht zum Familieninteresse, einen finanziellen Beitrag zu leisten.

 1945 begann es mit dem Röhrenmessgerät Novatest bei Grundig. Mit der Einführung der Ultrakurzwelle in Deutschland bringt Grundig 1950 den Radioempfänger 380 W auf den Markt.  1953 kommt mit dem 998 Mark teuren Fernsehempfänger 610 erstmals ein erschwingliches Gerät auf den Markt.  1955: Der Musikschrank 7080 W3 D , wegen seiner Füße "schräger Max" genannt, vereinigt Radio und Plattenspieler. Der Tonbandkoffer TK830 wird 1958 der "Hit des Jahres". Er kostete 965 Mark.
Für den Urlaub 1963 : Der Weltempfänger Ocean Boy mit drei Kurzwellenbereichen  1964: Mit Einlochbandmagazin und Folien-Tonträger hat das neue elektronische Notizbuch EN 3 insgesamt 44 Minuten Aufnahmekapazität.
 1967 startet des Farbfernsehen in Deutschland. Passend dazu präsentiert Grundig unter anderem den T 1000 Color .  1968 kommt von Grundig der HiFi-Stereo-Verstärker SV 140 mit eingebauten Equalizer auf den Markt. Er kostet damals 1245 Mark.
 1972: Die Kompaktanlage Studio 2000 Hi-Fi 4D-Stereo erscheint in einer Slimline-Optik.  1976 wird der Begriff Receiver (für Radio und Verstärker in einem Gerät) eingeführt. Bei Grundig trägt der HiFi-Receiver 50 als erster diesen Namen.
Die HiFi-Aktiv-Box 50 Professional erscheint 1978 . Sie hat einen integrierten Verstärker und schafft 120 Watt Nennleistung. Mit Video 2000 kommt 1981 ein neuer Standard bei Heimvideorecordern heraus. Die Wendekassette löst schnell die SVC-Kassetten ab. Das System war nach verschiedenen Tests dem gleichzeitig erscheinendem VHS-System überlegen - das sich aufgrund der Marktmacht der Anbieter aber trotzdem durchsetzte.  1983 noch Telefonbeantworter genannt: Der Teleboy 1000 für den Privatmann.  1995 als revolutionäres Sound-System gefeiert: Space Fidelity "erzeugt Raumklang unabhängig von Standort des Zuhörers", versprach Grundig. Seit 1999 kann man bei Grundig MP3 auch mobil hören: Der MPaxx -Walkman.

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Wiederholte Bitten von Arbeitnehmervertretern, Frau Grundig möge vielleicht einmal auf ihre jährliche Apanage verzichten und so dem galoppierenden Stellenabbau entgegenwirken, ignorierte sie geflissentlich. Alle Vorstöße, "die eiskalte Witwe", so der Nürnberger IG- Metall-Bevollmächtigte Gerd Lobodda, dazu zu bewegen, ihre Tantiemen "investiv bei Grundig einzusetzen", blieben erfolglos.

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