Rewe Entschlackungskur

Intransparente Struktur, selbstherrlicher Führungsstil: Der genossenschaftlich organisierte Händler geriet zuletzt stark in die Kritik. Nun räumt Ernst Dieter Berninghaus, der neue Rewe-Vormann, auf. Sieger und Verlierer stehen fest.

Köln - Zwei Monate ist es her, dass "Mister Rewe" Hans Reischl beim Kölner Lebensmittelhändler vorzeitig gegangen ist, nun stellt sein Ziehsohn und Nachfolger Ernst Dieter Berninghaus weit reichende Änderungen in der Struktur der Handelsgruppe vor. Damit hat er für Klarheit bei den Besitzverhältnissen gesorgt.

Gewinner der Umstrukturierungen, die auf der Hauptversammlung in Baden-Baden beschlossen wurden, sind die Genossen. Vorstandssprecher Berninghaus sagte, das Gremium habe die Eigentümerstruktur zu Gunsten der selbstständigen Kaufleute neu geordnet.

Die Zahl der Stimmen im Aufsichtsrat ist demnach von 30 auf 17 verringert worden. Von diesen 17 Mandaten erhalten die Einzel-Genossenschaften die Mehrheit von elf. Der Rest entfällt auf die vier Rewe-Vorstände und je einen Abgesandten der Rewe Zentral AG und des Rewe-Prüfungsverbands.

Zu viel Macht des Vorstands im Aufsichtsrat

Mit der abgeschlossen Strukturreform zieht der Handelskonzern einen Schlussstrich unter die langjährige Amtszeit von Ex-Chef Reischl. Ihm wird vorgeworfen, sich über die verschachtelte Unternehmensorganisation immer mehr Macht im Unternehmen gesichert zu haben. Rewe-Aufsichtsratschef Klaus Burghard hatte zuletzt sogar Rechtsbeistand eingeschaltet, um zu klären, wer in der Generalversammlung tatsächlich die Mehrheit besitzt. Der Jurist hatte ein hohes Maß an Intransparenz im Unternehmen festgestellt.

Konkret hatte der Prüfer vor allem das hohe Stimmengewicht des Vorstands moniert, das unter Corporate-Governance-Gesichtspunkten bedenklich sei. Die Streitigkeiten zwischen dem ehemaligen Rewe-Chef Reischl und seinem Aufsichtsrat eskalierten nach der Bekanntgabe des Dokuments endgültig, nachdem sie Monate zuvor schon schwelten. Reischl zog sich Ende April vorzeitig zurück. Auch das Vorstandsmitglied Gisela Schmitt, die als Vertraute von Reischl gilt, gab ihren Posten bei der Rewe auf.

Dass Reischl und Berninghaus im Streit auseinander gehen, ist nicht ohne Pikanterie: Schließlich hatte "Mister Rewe" den ehemaligen Metro-Manager Berninghaus vor fünf Jahren geholt. Zuvor hatte der gebürtige Kölner Berninghaus seine Karriere 1992 im Vorstandsstab der Metro  gestartet; er war unter anderem als Hauptabteilungsleiter für die internationale Expansion der Metro-Großhandelsmärkte zuständig.

Bei der Rewe hatte sich Berningshaus ebenfalls verstärkt um die Internationalisierung der Gruppe gekümmert. Der promovierte Diplom-Kaufmann erledigte die Aufgabe zur höchsten Zufriedenheit. Das Österreich-Geschäft gilt heute als Ertragsperle. Die 2001 gekaufte Supermarktkette Strada (Italien) befindet sich nach harten Kostenschnitten auf gutem Weg.

Mit dem Kauf des Schweizer Lebensmittelhändlers Bon appetit ist die Rewe seit gut einem halben Jahr auch in der Schweiz vertreten. Als nun vorrangige Aufgabe verkündete Berninghaus die Konzentration auf Kerngeschäfte, zu denen der Lebensmittelhandel, die Fachmärkte und die Touristik zählen.

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