Montag, 17. Juni 2019

Familie Müller Droge Drogerie

3. Teil: "Da hat mir keiner reingeredet"

Förderlich für den Geschäftserfolg war dabei die Struktur der Branche. Die Drogerie-Mogule hatten Deutschland - wie in kaum einer anderen Branche vergleichbar - in kleine Fürstentümer aufgeteilt. Abgesehen von Schlecker, der seine Krake von Flensburg bis Passau und Aachen bis Berlin ausstreckte, regierte Rossmann weitestgehend in Niedersachsen. Budnikowsky in Hamburg, DM in Hessen und der Rhein-Main-Region und Müller in Süddeutschland. Freilich, der ungeschriebene Nichtangriffspakt ist mittlerweile aufgehoben, die Gegner fallen in die feindlichen Gebiete ein.

Filiale von Müller in Augsburg: 400 gibt es davon, vor allem in Süddeutschland
Rossmann drängt durch Kauf von Teilen der KD-Märkte von Tengelmann nach Osten und Norden, und möchte bald auch im Süden und Südwesten vertreten sein. DM, der zweitgrößte Player drängt in das angestammte Land von Rossmann, Niedersachsen. Die Hamburger Kette Budnikowsky will über die Stadtgrenzen hinweg nach Nord-Niedersachsen expandieren - und Müller? Müller sieht das mit Unbehagen und expandiert nur relativ zaghaft außerhalb seiner Grenzen. Seine nördlichste Filiale steht in Wolfsburg. Dafür hat er sein Kleeblatt-Logo nach Österreich, Slowenien, Kroatien und Mallorca exportiert.

Andererseits kann Müller den Expansionsdrang der Konkurrenten relativ gelassen sehen - schließlich ist Müller mehr als nur Drogist, sondern eher Kaufhausbetreiber. Sein Sortiment umfasst sage und schreibe 190.000 Artikel, seine Märkte haben Verkaufsflächen von weit über 3000 Quadratmetern. Neben Deos, Shampoos und Toilettenpapier finden sich auch recht ungewöhnliche Dinge wie Alaunstein (Rasier-Zubehör), Puppenhäuser oder überhaupt Holzspielzeug. Und wer auf der Suche nach einer großen Auswahl an Tonträgern ist, der ist bei Müller ebenfalls gut aufgehoben.

Einkaufskooperation mit Rossmann aufgekündigt

Zeitweise wird aber Müllers Geschäftserfolg von seinen Streitigkeiten in den Hintergrund gerückt. Überregionale Bekanntheit erfuhr dabei seine so genannte "Fischerhütte", an einem Baggersee vor den Toren von Neu-Ulm gelegen. 1988 hatte Müller das kleine Häuschen inklusive idyllisch gelegenem Seegrundstück gekauft und alsbald saniert. Ganzjährig bewohnbar machte es Müller, indem er Sonnenkollektoren auf dem Dach und eine in die Hangböschung eingebaute Notstromanlage installierte.

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Das Wasser kam aus einem nahen Pumpbrunnen und im Inneren sorgte ein Kachelofen für angenehme Temperaturen. 1999 verfügte dann die Stadt Ulm, dass die Hütte abgerissen werden muss, weil sie schwarz gebaut war. Das anschließend angerufene Augsburger Verwaltungsgericht verhalf den beiden streitenden Parteien zu einem Vergleich. Der besagt, dass Müller das in der Nähe befindliche verrottete Kieswerk abreißt - gleichzeitig darf er seine Fischerhütte behalten.

Während dieser Streit geklärt ist, führte der Zwist mit seinem Sohn zu weiteren Folgen. So annulierte der Patriarch auch gleich die Einkaufskooperation mit Rossmann, die der Sohn eingefädelt hatte. Nach Einschätzung der "Lebensmittel-Zeitung" hatte der Schulterschluss der Hannoveraner mit der Tengelmann-Tochter KD das Fass zum Überlaufen gebracht. Müller senior habe es Rossmann übel genommen, so die Zeitung, plötzlich in seinem Stammgebiet mit Rossmann-Filialen konfrontiert zu werden. Den Kleinkrieg wollte Müller-Einkaufschef Gerhard Kramer offenbar nicht länger mit anschauen, er zog entnervt von dannen.

Vor dem Hintergrund der familieninternen Streitigkeiten erscheinen Reinhard Müllers Aussagen von Ende 1998 heute in einem ganz neuen Licht. Warum, so wurde er von der "Lebensmittel-Zeitung" gefragt, verschrieb er sich ausgerechnet der unternehmenseigenen EDV. "Das war ein Bereich, der noch nicht besetzt war", begründete der Junior und weiter: "Da hat mir keiner reingeredet". Das lässt tief schließen.

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