Trainer-Suche Hitzfeld-Absage bringt DFB in Nöte

Überraschung bei der Bundestrainersuche: Ottmar Hitzfeld erteilt dem DFB eine Absage. Der Ex-Bayern-Coach fühlt sich derzeit nicht in der Lage, dem deutschen Nationalteam weiterzuhelfen. DFB-Chef Mayer-Vorfelder hat derweil den Kreis der Aspiranten durch eine Äußerung arg eingeschränkt.

Frankfurt am Main - Der deutsche Fußball steht zwei Jahre vor der WM im eigenen Land vor einem Scherbenhaufen. Nach dem blamablen EM-Aus und dem anschließenden Völler-Rücktritt hat nun nach tagelangen Diskussionen am Donnerstag auch Wunschkandidat Ottmar Hitzfeld überraschend abgesagt und damit für noch mehr Unruhe im Verband gesorgt.

Vor allem DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder könnte durch die Entscheidung bei einer außerordentlichen Präsidiumssitzung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am kommenden Montag noch stärker unter Druck geraten.

"Ich bedauere die Entscheidung von Ottmar Hitzfeld, aber ich habe sie zu respektieren. Über die neue Situation und die Namen möglicher Kandidaten für das Bundestrainer-Amt wird im DFB-Präsidium am Montag zu beraten sein", sagte Mayer-Vorfelder zur Absage von Hitzfeld. Der ehemalige Coach von Bayern München und Borussia Dortmund hatte am Donnerstag nach mehreren Verhandlungsrunden und knapp einwöchiger Bedenkzeit "MV" telefonisch mitgeteilt, dass er für das Amt des Bundestrainers nicht zur Verfügung stehen werde.

"Diese Entscheidung ist mir sehr, sehr schwer gefallen. Das Amt des Bundestrainers ist eine Auszeichnung, die Weltmeisterschaft im eigenen Land ein Traum. Aber ich bin derzeit nicht in der Verfassung, die nötig ist, der deutschen Nationalmannschaft bis zur WM 2006 weiterzuhelfen - so, wie ich das unbedingt für nötig halte", sagte Hitzfeld, obwohl er nach eigener Aussage mit dem DFB-Präsidenten "Einigkeit in allen wesentlichen Punkten" erzielt hatte.

Mayer-Vorfelder, der durch sein eigenwilliges Krisenmanagement und seinen Alleingang in Sachen Bundestrainer bereits erheblich in die Kritik geraten war und inzwischen sogar um seine Wiederwahl am 23. Oktober auf dem DFB-Bundestag in Osnabrück fürchten muss, fängt nun bei der Suche wieder bei Null an. Erst am Mittwoch hatte er erklärt, dass er bisher nur mit Hitzfeld gesprochen habe.

Kommt der Völler-Nachfolger aus dem Ausland?

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Mayer-Vorfelder hat unterdessen mitgeteilt, dass der neue Fußball-Bundestrainer kein Deutscher sein muss. Es gibt aber andere Voraussetzungen. "Ich bin der Meinung, dass es eine Grundvoraussetzung ist, dass der Trainer fließend Deutsch sprechen muss", sagte Mayer-Vorfelder am Donnerstag in Lissabon. Namen wollte der 71-Jährige nach der überraschenden Absage von Wunschkandidat Ottmar Hitzfeld nicht nennen.

Franz Beckenbauer hatte bereits erklärt, dass es "genug Alternativen" gebe. Der Präsident des WM-OK 2006 hatte dabei die Namen Lothar Matthäus, Otto Rehhagel, Guus Hiddink und auch Christoph Daum genannt. Der Meister-Coach von Fenerbahce Istanbul hatte allerdings erklärt, nicht zur Verfügung zu stehen und wird nach seiner Kokain-Affäre vor allem von der Liga abgelehnt. Auch Rehhagel hatte schon abgewinkt.

Vielleicht greift der Verband aus Mangel an Alternativen interimsmäßig aber auch auf eine Doppellösung zurück: Erfolgreiche Trainer aus der Bundesliga wie Felix Magath, Thomas Schaaf oder Jupp Heynckes würden ihren Verein und die Nationalmannschaft dann in Personalunion trainieren. Nicht abwegig ist auch die erstmalige Verpflichtung eines ausländischen Fußballlehrers vom Schlage eines Hiddink (PSV Eindhoven), Arsene Wenger (FC Arsenal), Dick Advocaat (noch niederländischer Bondscoach) oder eines Giovanni Trapattoni (zuletzt italienischer Nationaltrainer) wäre eine Möglichkeit.

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