Metabox "Sprache kneten"

Vor vier Jahren lancierte Metabox eine offensichtlich falsche Ad-hoc-Mitteilung. Jetzt soll Stefan Domeyer, Ex-Chef des einstigen Börsenstars, nach dem Willen der Staatsanwaltschaft wegen Kursmanipulation verurteilt werden.

Hildesheim - Außerdem müsse der 42-Jährige eine Bewährungsauflage von 10.000 Euro leisten, verlangte der Staatsanwalt am Donnerstag vor dem Hildesheimer Landgericht.

Domeyer soll mit einer falschen Ad-hoc-Mitteilung den Kurs der damals am Neuen Markt notierten Aktie in die Höhe getrieben haben. Die Verteidigung plädierte auf Freispruch. Metabox  vermarktete so genannte Set-Top-Boxen für Internet-Nutzung per Fernseher.

Der Vorwurf der Anklage bezieht sich auf eine Ad-hoc-Mitteilung vom 10. April 2000. Darin kündigte Metabox einen Vertrag mit einer nicht näher bezeichneten Firma über den Kauf von 500 000 Set-Top-Boxen an. Laut Staatsanwaltschaft gab es jedoch nur einen unverbindlichen Vorvertrag mit einem israelischen Kabelnetzbetreiber. "Die Meldung ist also einfach falsch", sagte Staatsanwalt Andreas Henze.

"Nach bestem Wissen und Gewissen"?

Er forderte das Gericht auf, mit dem Urteil "ein ganz klares Signal" zu setzen. "Es kann nicht sein, dass ein Individuum die Sprache so lange kneten darf, bis aus einem Vorvertrag ein Vertrag wird", sagte Henze. "Man sollte nicht jedes Wort auf die juristische Goldwaage legen", konterte Verteidigerin Claudia Riedel. Ihr Mandant habe die Ad-hoc-Mitteilung "nach bestem Wissen und Gewissen" verfasst.

Domeyer beteuerte erneut seine Unschuld: "Die mir vorgeworfenen Taten gab es nicht." Er räumte zwar ein, dass er bei der Leitung der Metabox AG nicht alles richtig gemacht habe. "Für meine Management- Fehler bin ich aber schon genug bestraft worden." Ende 2002 wurde das Insolvenzverfahren gegen das Unternehmen eröffnet.

Ursprünglich ging es in dem Prozess noch um eine weitere Ad-hoc-Meldung. Das Verfahren wurde jedoch in diesem Punkt wegen geringer Schulderwartung eingestellt. Das Urteil wird voraussichtlich am kommenden Donnerstag gesprochen. Die Metabox-Aktie hatte auf ihrem Höhepunkt Mitte 2000 gut 40 Euro gekostet, bevor der Kurs praktisch auf Null fiel.

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