Brau und Brunnen Oetker räumt auf

Pünktlich zur Präsentation der Quartalszahlen installiert Großaktionär Oetker seine Getreuen in den Schaltzentralen des Getränkekonzerns. Die Besetzung von Vorstand und Aufsichtsrat wird neu gemischt, fast alle Schlüsselpositionen werden in Zukunft von Oetker-Managern besetzt.

Dortmund/Radeberg - Zum 1. Juli soll der bislang zweiköpfige Vorstand der Brau und Brunnen AG  um weitere drei Manager erweitert werden.

Edgar Groneick, bisher Geschäftsführer bei Brau und Brunnen Brauereien, wird für die Bereiche Technik und Logistik zuständig sein. Neuer Finanzvorstand wird Albert Christmann, der in dieser Funktion schon bei der Radeberger-Gruppe tätig ist. Das Ressort Personal übernimmt der ehemalige Personalchef der zur Oetker-Gruppe gehörenden Henkell & Söhnlein Sektkellerei, Werner Ludwig. Der bisherige Personalvorstand Werner Freund geht zum 1. Oktober in den Ruhestand.

Auch im Aufsichtsrat gibt es Veränderungen. Der Vorstandsvorsitzende des Getränkeunternehmens Radeberger, Ulrich Kallmeyer, wurde zum neuen Aufsichtsratschef der Brau und Brunnen AG (BuB) gewählt. Er löst den Vorstandsvorsitzenden des früheren BuB- Mehrheitseigners HypoVereinsbank , Dieter Rampl, ab.

Enttäuschende Zahlen für das erste Quartal

Die Radeberger-Gruppe (Frankfurt am Main) und Brau und Brunnen gehören zur Oetker-Gruppe. Kallmeyer ist bei Oetker Generalbevollmächtigter für die Biersparte. Am Mittwoch wurden neben Rampl auch die anderen sieben bisherigen HypoVereinsbank-Mitglieder des Aufsichtsrates bei BuB durch Vertreter der Oetker-Gruppe ersetzt.

Die Zahlen für das erste Quartal enttäuschen allerdings. Der Verlust hat sich Unternehmensangaben zufolge gegenüber dem Jahr 2003 um 4,4 Millionen Euro auf 18,8 Millionen Euro vergrößert. Vorstandschef Michael Hollmann bekräftigte dennoch seine Prognose, 2004 im Konzern operativ ein zweistelliges positives Ergebnis zu erreichen.

Mehrheitsaktionär von Brau und Brunnen (Jever, Tucher, Sinziger, Vita Cola) ist seit dem Frühjahr mit einem Anteil von knapp 97 Prozent die Oetker-Gruppe. Oetker ist mit der Radeberger Gruppe  (Radeberger, Schöfferhofer, Binding) und Brau und Brunnen der größte deutsche Bierbrauer.

Verschwindet Brau und Brunnen vom Kurszettel?

Der Bierabsatz von Brau und Brunnen sank bis Ende Mai im Jahresvergleich um 5,7 Prozent. Der Gesamtmarkt schrumpfte im gleichen Zeitraum um rund 4,8 Prozent.

Zugleich wuchs der bundesweite Absatz von Billigbieren im zweistelligen Prozentbereich. Einem Einstieg von Brau und Brunnen in dieses Segment erteilte Hollmann dennoch eine Absage. "Wir setzen voll auf unsere Marken", meinte er vor rund 200 Aktionären. Mit Billigbier könne man kein Geld verdienen.

Der Absatz alkoholfreier Getränke ging bei Brau und Brunnen im Gleichschritt mit der Branche bis Ende Mai um 5,3 Prozent zurück. Auch hier gebe es bei den Verbrauchern eine stark zunehmende Tendenz, Billigwässer zu kaufen. Brau und Brunnen ist wie beim Bier in diesem Segment jedoch nicht vertreten. Absolute Zahlen zum Absatz bei Bier und den alkoholfreien Getränken nannte das Unternehmen nicht.

Verschwindet Brau und Brunnen vom Kurszettel?

Hollmann betonte, dass es durch die Übernahme durch Oetker nicht zur generellen Zerschlagung der Gruppe komme. Mit der Oetker-Gruppe und dem Schwesterkonzern Radeberger-Gruppe gebe es Gespräche über die zukünftige Strategie. Dabei würden auch die Strukturen beider Gruppen im Hinblick auf Optimierungsmöglichkeiten geprüft. "Dass dabei vor allem auch die Belange der Mitarbeiter im Focus stehen, ist für uns selbstverständliche Voraussetzung." Ein möglicher Personalabbau werde nicht drastisch ausfallen. Nähere Angaben machte er dazu nicht.

Aktionärsvertreter bedauerten ein möglicherweise bevorstehendes Squeeze-out, bei dem die verbliebenen freien Aktionäre gegen eine Entschädigung zwangsweise ihre Aktien verkaufen müssen. "Damit würde wieder eine interessante Gesellschaft vom Markt genommen", so der Vertreter der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz. Der Brau-und-Brunnen-Konzern hatte 2003 einen Überschuss von 7,5 Millionen Euro erwirtschaftet. Der Umsatz lag bei 648 Millionen Euro. Zum Jahresende waren knapp 3100 Menschen beschäftigt.