DBA Frankens König der Lüfte

Vor einem Jahr kaufte Hans Rudolf Wöhrl die marode Fluggesellschaft DBA zum symbolischen Preis von einem Euro. Von einer Entscheidung aus Leidenschaft aber will Wöhrl heute nichts wissen. "Ich hätte auch ein Hotel betreiben oder Rosen züchten können", betont er. "Hauptsache, die Sache ist kommerziell."

München - Den symbolischen Übernahmepreis von einem Euro musste sich der Nürnberger Unternehmer beim Notartermin in der Schweiz tatsächlich von seiner Dolmetscherin ausleihen, weil er gerade kein Kleingeld in der Tasche hatte.

"Die besten Geschichten schreibt einfach das Leben", kommentiert der Nürnberger Unternehmer den kuriosen Vorgang. Seit 1. Juli 2003 ist der 56-jährige Eigentümer der Airline DBA.

"Ich bin zu der DBA eigentlich gekommen, wie die Jungfrau zum Kind", erzählt Wöhrl. Seine Beratungsgesellschaft war von British Airways (BA)  gebeten worden, die DBA-Schließung zu begleiten.

Als die Abwicklung geplant wurde, habe er dann "eher in einem Nebensatz" gesagt, dass er es eigentlich schade finde, so viel Geld auszugeben, um den Laden kaputt zu machen. Als der BA-Chef ihm daraufhin anbot, die Airline für einen symbolischen Preis zu kaufen, sagte er einfach "locker-flockig" zu. "Wie das halt so ist, mit der fränkischen Klappe", erklärt der Unternehmer.

Kartonmanufaktur auf dem Dachboden

Hans Rudolf Wöhrl wurden die Geschäftsgene mit in die Wiege gelegt. 1947 wurde er als zweiter Sohn des Textilkaufmanns Rudolf Wöhrl in Nürnberg geboren. Bereits in der Schule ließ er seine Klassenkameraden für das elterliche Modeunternehmen Pappkartons falten. Er zahlte den Freunden einen Pfennig pro Stück, seinem Vater verkaufte er sie für zwei Pfennige weiter. Am Ende habe er "eine richtig kleine Kartonmanufaktur" auf dem Dachboden gehabt.

Noch während seiner Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann gründete Wöhrl gemeinsam mit seinem Bruder Gerhard 1966 die Carnaby-Shops, Geschäfte nach dem Vorbild der Londoner Carnaby Street, die sich im Laufe von 25 Jahren zur größten Modeboutique Deutschlands entwickelten. 1970 übernahm der Unternehmer schließlich zusammen mit seinem Bruder die Wöhrl-Modehäuser von seinem Vater, die er bis zum Jahr 2002 führte.

Wöhrl ist ein wahrer Unternehmensjunkie. Als er vor zwei Jahren die Geschäftsführung der Modehäuser abgab und Vorsitzender des Aufsichtsrats der neu gegründeten Wöhrl AG wurde, dachte er nicht daran, einen Gang zurück zu schalten.

"Finanzamt zumauern"

"Finanzamt zumauern"

Schon ein Jahr später stürzte er sich mit der DBA-Übernahme in das nächste unternehmerische Abenteuer.

Dabei habe der Airline-Deal nichts mit seiner Begeisterung fürs Fliegen zu tun, versichert der Hobbypilot, der 1974 die regionale Fluggesellschaft Nürnberger Flugdienst (NFD) gründete. "Ich hätte auch ein Hotel betreiben oder Rosen züchten können", betont Wöhrl. "Hauptsache, die Sache ist kommerziell."

Nach anfänglichen Startschwierigkeiten scheint die DBA aus dem Gröbsten heraus zu sein. "Die DBA kann die Auslastung ihrer Linienmaschinen weiter steigern", jubelte DBA-Geschäftsführer Martin Gauss Mitte Juni in München. Dienstreisende des Bundes und seiner Institutionen würden künftig verstärkt mit der Gesellschaft fliegen.

Die Fluggesellschaft bedient bereits seit Jahren den Beamten-Shuttle zwischen dem Rheinland und Berlin. Monatlich sind hier rund 5000 Reisende mit der DBA unterwegs. Von der neuen Rahmenvereinbarung verspricht sich die Airline ein zusätzliches Passagieraufkommen.

Mittagessen mit Dagmar Wöhrl

Wöhrl selbst registriert den Erfolg eher am Rande. Von Freizeit hält der Unternehmer nicht viel. "Ich wüsste ehrlich gesagt gar nicht, was ich mit meiner Zeit bei einer 40-Stunden-Woche anfangen sollte", sagt der Familienvater. Sein Körper brauche keinen Sport, beteuert er, und Urlaube möge er sowieso nicht. Viel lieber fliege er an seinen freien Tagen Rettungseinsätze für den ADAC.

Heilig sei ihm dagegen das gemeinsame sonntägliche Mittagessen mit seiner zweiten Ehefrau, der CSU-Bundestagsabgeordneten und ehemaligen Miss Germany (1977) Dagmar Wöhrl.

"Sehr interessant" sei das, wenn sie gemeinsam Zeit zum Diskutieren hätten. "Sehr gute Themen" kämen da auf, und manchmal werde auch richtig "gekabbelt". "Rambazamba" gebe es vor allem, wenn er "mit ganz radikalen Reformen wie 'Finanzamt zumauern'" komme. Wöhrl betont: "Da finde ich nicht unbedingt breite Zustimmung."

Antje Pöhner, ddp.vwd

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