NordLB Vize Rehm nimmt auf dem Chefsessel Platz

Bei der Norddeutschen Landesbank findet wie erwartet ein Führungswechsel statt. Manfred Bodin übergibt den Chefposten an seinen bisherigen Stellvertreter. Gleichzeitig droht Mecklenburg-Vorpommern, wegen der geplanten Kapitalerhöhung bei der Landesbank auszusteigen.

Hannover/Magdeburg - Der langjährige Vorstandschef Manfred Bodin übergibt sein Amt an diesem Donnerstag an seinen bisherigen Stellvertreter Hannes Rehm. Bodin stand seit 1991 an der Spitze der Landesbank. Der 64-Jährige geht in den Ruhestand. Der 61 Jahre alte Rehm ist seit 1997 Vize-Vorstandschef der NordLB.

Eine Dauerlösung wäre die Wahl Rehms nicht. Mit seinem Alter von 61 Jahren steht er selbst kurz vor der Pensionierung. Rehm kennt die Landesbankenszene sehr gut. Der gebürtige Berliner ging nach Volkswirtschaftsstudium und Promotion 1974 zur WestLB, wo er 1982 Leiter des Vorstandssekretariats von Friedel Neuber wurde. Nach Stationen als Geschäftsführer beim Verband öffentlicher Banken und beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband wechselte Rehm 1993 in den Vorstand der NordLB.

Rehm übernimmt den Posten des Vorstandschefs in einer Phase des Wandels: Im Juli 2005 werden die Haftungsverpflichtungen des Staates für die öffentlich-rechtlichen Landesbanken und Sparkassen in Deutschland eingeschränkt. So fällt die so genannte Gewährträgerhaftung weg. Das bedeutet, dass der Staat künftig nicht mehr im Falle einer Pleite einspringen darf.

Mecklenburg-Vorpommern erwägt den Ausstieg

Die NordLB reagiert darauf mit einem neuen Geschäftsmodell, soll aber eine Anstalt öffentlichen Rechts bleiben. Künftig will die Bank enger mit den Sparkassen zusammenarbeiten. Sie will zudem profitabler werden.

2003 war der Jahresüberschuss der NordLB im Vergleich zum Vorjahr um fast die Hälfte auf 13,9 Millionen Euro gesunken. Als Hauptgründe für den Rückgang nannte die Bank drastisch erhöhte Wertberichtigungen im Kreditgeschäft und Abschreibungen von 642,5 (Vorjahr: 262,9) Millionen Euro. Vor allem die anhaltende Konjunkturschwäche, der Irak-Krieg und Veränderungen bei der Gesundheitsvorsorge hätten eine stärkere Risikoabsicherung nötig gemacht.

Mecklenburg-Vorpommern erwägt unterdessen wegen der geplanten Kapitalerhöhung bei der Norddeutschen Landesbank den Ausstieg aus der Drei-Länder-Anstalt.

"Das Land sieht sich außer Stande, zusätzliche Lasten zu tragen"

"Das Land sieht sich außer Stande, zusätzliche Lasten zu tragen. Das gibt der Etat in der gegenwärtigen Situation nicht her", sagte Julius Geise, Sprecher des Finanzministeriums, am Mittwoch in Schwerin.

Das Land ist neben Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und den Sparkassenverbänden der Länder Träger der NordLB. Die Norddeutsche Landesbank mit Sitz in Hannover ist die viertgrößte Landesbank in Deutschland. "Wir prüfen, ob es nicht auch anders geht", sagte Geise unter Hinweis auf laufende Gespräche mit dem Bankenmanagement.

Unklar blieb, wie hoch die Zusatzlasten für Mecklenburg-Vorpommern ausfallen würden. Wie die "Mitteldeutsche Zeitung" (MZ/Halle) aber am Mittwoch berichtete, kommen etwa auf Sachsen-Anhalt zusätzliche Kosten in Höhe von 225 Millionen Euro zu. Laut Zeitung will die NordLB ihr Kernkapital um 600 Millionen Euro erhöhen. Nur dann würde sie die Voraussetzungen erfüllen, um weiter das A-Rating - die höchste Stufe der Kreditwürdigkeit - zu erhalten.

Der Sprecher der NordLB, Sonning Bredemeier, wollte sich dazu nicht näher äußern. "Es ist Sache der Träger, über mögliche Veränderungen zu beraten und darüber zu informieren", sagte er. Die Überlegungen zu einer Kapitalerhöhung stehen offenbar im Zusammenhang mit den von Juli 2005 an nur noch eingeschränkt geltenden Haftungsverpflichtungen des Staates für die öffentlich-rechtlichen Landesbanken und Sparkassen.

Mecklenburg-Vorpommern hatte sich der NordLB, die als ein Kreditgeber des Landes fungiert und auch den Mittelfluss in der Wirtschaftsförderung mit organisiert, 1993 angeschlossen und ist mit zehn Prozent beteiligt. Niedersachsen hält 40, der niedersächsische Sparkassen- und Giroverband 26,6 Prozent. Die Sparkassen Mecklenburg- Vorpommerns sind mit 6,66 Prozent beteiligt.