Adecco Ein Herz und eine Seele

Beide sind alte Hasen im Geschäft, und beide haben kürzlich eine schwere Schlappe einstecken müssen: Die Großaktionäre Klaus Jacobs und Philippe Foriel-Destezet verloren durch den Adecco-Bilanzskandal Millionen. Als neues Führungsduo des Verwaltungsrats demonstrierten sie auf der Hauptversammlung ungewohnte Harmonie.

Hamburg - Neben ihrer Nase für gute Geschäfte und niedrige Steuersätze verbindet Jacobs und Foriel-Destezet ihr Engagement beim Schweizer Personalkonzern Adecco .

Foriel-Destezet, Gründer und Ex-Chef des französichen Personaldienstleisters Ecco, der 1996 mit dem Zeitarbeitsunternehmen Adia zu Adecco fusionierte, besitzt über 18 Prozent der Adecco-Aktien, die Familie Jacobs über ihre Jacobs-Stiftung knapp 17 Prozent der Anteilsscheine.

Nach dem Debakel um undurchsichtige Bilanzen verlor die Adecco-Aktie in den vergangenen Monaten bis zur Hälfte ihres Wertes - für Jacobs und Foriel-Destezet ein empfindlicher Schlag ins Kontor.

Jacobs, der 2001 in den Ruhestand ging und seitdem im Verwaltungsrat durch seinen Sohn Christian vertreten wird, meldete sich eindrucksvoll zurück. Er sparte nicht mit Kritik am Adecco-Chef Jerome Caille, dem Patensohn von Foriel-Destezet. "Bei schönem Wetter", schrieb er Destezets Ziehkind Caille ins Stammbuch, "kann jeder segeln. Erst im Sturm zeigt sich der wahre Kapitän."

Jacobs junior macht wieder Platz für seinen Vater

Jetzt löst Jacobs seinen Sohn im Verwaltungsrat wider ab. Zusammen mit Foriel-Destezet wird er das Kontrollgremium leiten - erst einmal befristet für ein Jahr. Adecco-Chef Caille darf im Amt bleiben - mit Argusaugen bewacht sowohl von seinem Gönner als auch seinem schärfsten Kritiker.

Auf der gestrigen Hauptversammlung demonstrierten Jacobs und Foriel-Destezet Geschlossenheit. Vorbei die beiden Jahre als Funkstille herrschte und die Interessengruppen der beiden Großaktionäre der "Neuen Zürcher Zeitung" zufolge wichtige Entscheidungen bei Adecco blockierten. Mit der Wahl des neuen Verwaltungsrats haben die Adecco-Großaktionäre einen Schlussstrich unter die Bilanzaffäre des Schweizer Personaldienstleisters gezogen.

Der Verwaltungsrat von Adecco wurde bis auf zwei Mitglieder völlig neu zusammengesetzt. Damit soll unter anderem dem Vorwurf vorgebeugt werden, einer der Großaktionäre würde über ihm genehme Aufsichtsratsmitglieder Entscheidungen im Unternehmen beeinflussen.

Rückt Jürgen Dormann auf?

Rückt Jürgen Dormann auf?

Auch ABB-Chef Jürgen Dormann gehört dem Gremium an. Nach Ansicht von Beobachtern könnte das neu gewählte Co-Präsidium eine Zwischenlösung sein und Dormann später Verwaltungsratschef werden. Dormann selbst wollte zur Präsidiumsfrage keine Stellung nehmen.

Neben Dormann und Jacobs wurde auch der französische Ex-Finanzminister Francis Mer neu in den Verwaltungsrat gewählt. Neue Mitglieder sind Jakob Baer (KPMG Schweiz), Thomas O'Neill (PricewaterhouseCoopers), David Prince (Cable & Wireless ) sowie Peter Ueberroth (Coca-Cola ).

"Unser Unternehmen blickt auf das schwierigste Jahr seiner Geschichte zurück", sagte der scheidende Adecco-Verwaltungsratspräsident John Bowmer auf der Hauptversammlung. Adecco habe jedoch seine Lektion jetzt gelernt.

Die Bilanzprüfung wird 100 Millionen Euro kosten

Die notwendig gewordene Prüfung der Bilanzen werde insgesamt mit rund 100 Millionen Euro zu Buche schlagen, wovon der größte Teil im laufenden Jahr anfallen werde. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte Adecco einen Gewinn von 360 Millionen Euro erwirtschaftet. Im ersten Quartal beliefen sich die entsprechenden Kosten auf 36 Millionen Euro. Sie würden im zweiten Quartal 58 Millionen Euro erreichen.

Die Zweifel an der Qualität der Adecco-Buchführung sind inzwischen entkräftet. Allerdings laufen in den USA noch acht Sammelklagen gegen das Unternehmen und einige leitende Manager und Ex-Manager. Zudem ermitteln die US-Börsenaufsicht SEC, das US-Justizministerium, die Schweizer Börse SWX und die Eidgenössische Bankenkommission im Zusammenhang mit der verzögerten Vorlage der Jahresbilanz 2003 gegen den Konzern.

Zu den noch laufenden Klagen und Untersuchungen wollte sich der Konzern nicht näher äußern. Allerdings sei es möglich, dass sich diese negativ auf das operative Ergebnis und den Cashflow auswirken könnten.