WestLB "Eine Düpierung ersten Grades"

Der Aufsichtsrat der WestLB hat am Dienstag den westfälischen Sparkassenpräsidenten Rolf Gerlach zum neuen Chefkontrolleur gewählt. Er setzte sich damit gegen seinen ärgsten Konkurrent vom rheinischen Schwesterverband durch.

Düsseldorf - Im Aufsichtsrat der WestLB haben künftig die Sparkassen das Sagen. In den kommenden vier Jahren soll Rolf Gerlach, Präsident des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe (WLSGV), den Vorsitz des Gremiums übernehmen. Dann löst ihn ein Vertreter des Rheinischen Sparkassenverbandes (RSGV) ab, teilten die Westfalen am Dienstag. Die WestLB bestätigte die Berufung Gerlachs.

Gerlach sei mit deutlicher Mehrheit gewählt worden, sagte ein Sprecher des westfälischen Verbandes. Wie die Nachrichtenagentur DPA unter Berufung auf Eigentümerkreise berichtet, setzte er sich in einer Kampfabstimmung mit den Stimmen der Arbeitnehmervertreter gegen den Kölner Sparkassen-Chef Gustav Adolf Schröder durch, den die Rheinländer ins Rennen geschickt hatten.

Auf Seite der rheinischen Sparkassen war die Enttäuschung daher groß: Mit Schröder wollten sie einen Mann aus dem operativen Bankgeschäft auf den Sitz des Chefkontrolleurs hieven. Auch für Schröder, der sich als Chef der Stadtsparkasse Köln für die Kapitalerhöhung stark gemacht habe, muss diese Abstimmungsniederlage schmerzlich sein. "Das ist eine Düpierung ersten Grades", hieß es.

Für Schröder soll unter anderem das Land Nordrhein-Westfalen votiert haben. Die Kampfabstimmung gilt als Beleg dafür, dass es in absehbarer Zeit nicht zu einer Fusion der beiden Sparkassenverbände in Nordrhein-Westfalen kommen wird.

Auflösung des Mutter-Tochter-Modells

Der neue WestLB-Chef Thomas Fischer, der Anfang des Jahres an die Spitze des Instituts gerückt war, hatte bereits eine engere Zusammenarbeit mit den Sparkassen angekündigt. Der bisherige Aufsichtsratschef des Instituts, Bernd Lüthje, hatte erklärt, er werde sein Mandat an diesem Dienstag nach der Hauptversammlung der Bank niederlegen.

Grund für das Ausscheiden Lüthjes, der Vorstandschef der NRW.Bank ist, ist das beschlossene Ende des Mutter-Tochter-Modells zwischen der NRW.Bank und der WestLB AG. Die NRW.Bank hält derzeit noch 100 Prozent der WestLB und gehört zur Zeit zu 43,2 Prozent dem Land Nordrhein-Westfalen, zu jeweils 16,7 Prozent den beiden Sparkassenverbänden und zu je 11,7 Prozent den beiden Landschaftsverbänden des Landes.

Im Zuge einer Kapitalerhöhung der WestLB um insgesamt 1,5 Milliarden Euro, die allein von den beiden Sparkassenverbänden getragen wird, hatten die Eigentümer das Ende des bisherigen Mutter-Tochter-Modells beschlossen. Die beiden Sparkassenverbände werden zum 30. Juni aus dem Eigentümerkreis der NRW.Bank ausscheiden und sich mit jeweils 30,6 Prozent direkt an der WestLB beteiligen.

Weitere Wechsel in Aufsichtsrat und Vorstand

Diese neue Konstellation hat weitere Auswirkungen auf den Aufsichtsrat der Bank. Neu gewählt wurden der Landrat des Kreises Coesfeld, Hans Pixa, Hans-Georg Vogt, Vorstandschef der Sparkasse Bielefeld, der Kölner Sparkassen-Vormann Gustav Adolf Schröder sowie Dietrich Rümker, der pensionierte Vorstandschef der Landesbank Kiel.

Dafür scheiden die Industrievertreter aus. Nicht mehr im Aufsichtsrat vertreten sind der Lufthansa-Vorstand Karl-Ludwig Kley, Alcatel-Finanzchef Jean-Pascal Beaufret und Bertelsmann-Vizechef Siegfried Luther. Der neue Aufsichtsrat billigte auch den Abschluss einer Rahmenvereinbarung für die künftig engere Zusammenarbeit mit den Sparkassen in NRW.

Zudem verstärkte die WestLB auch ihren Vorstand durch zwei neue Mitglieder: Hans-Jürgen Niehaus (46) wird spätestens zum 1. Januar 2005 neuer Finanzchef. Robert M. Stein (43) zeichnet sich ab dem 1. Juli 2004 für den neuen Geschäftsbereich "Vermögende Privatkunden" verantwortlich.