Gründer-Kolumne Was einen guten Jockey ausmacht

Ein Gründer sucht Geld - für Kapitalgeber ist es dabei mit entscheidend, wie sich der Neu-Unternehmer gibt und welche Charakterzüge er aufweist. Doch welche Eigenschaften sollte ein angehender Unternehmer haben, um als Gründerpersönlichkeit zu gelten?

Kiel - "I invest in people not in ideas", so der Ausspruch eines nicht näher bekannten Venture-Capital-Gebers, der jedoch immer wieder Anwendung findet. Der Erfolg eines Unternehmens wird zumeist mit den Fähigkeiten der handelnden Akteure in Verbindung gebracht. Entsprechend findet man bei den erfolgreichen Gründungsgeschichten immer auch die zugehörigen Gründerpersönlichkeiten, die für den Erfolg verantwortlich gemacht werden.

Bekannte Beispiele sind Adolf Würth, Klaus Fischer, Bill Gates oder Ferdinand Porsche. Doch auch diese Persönlichkeiten haben einmal klein angefangen und mussten am Anfang Überzeugungsarbeit leisten. Dies gilt nicht zuletzt, wenn man auf externe Kapitalgeber angewiesen ist.

Investoren wollen den Gründer im Rahmen von Beteiligungsgesprächen daher besonders gründlich kennen lernen und seine Qualifikationen beziehungsweise sein Potenzial für das Gründungsvorhaben bewerten.

Ziel ist es herauszufinden, ob am anderen Ende des Tisches die viel gesuchte Gründerpersönlichkeit sitzt, die das neue Unternehmen zum Erfolg führen kann. Schließlich lautet ein anderes Zitat aus der Venture Capital-Szene: "An a-class founder with a b-class idea will be more successful than a b-class founder with an a-class idea".

Die Chrakteristika

Die Charakteristika

Der "Jockey" steht somit ebenso hoch im Kurs wie das Pferd. Bei den Gründern werden dabei die Eigenschaften gesucht, die auch bei bereits erfolgreichen Unternehmern zu beobachten sind. Zahlreiche empirische Studien zeigen vor diesem Hintergrund, dass Personen, die als Unternehmer erfolgreich aktiv sind, durch eine Reihe von bestimmten Charakteristika beschrieben werden können. Zu diesen Charakteristika zählen

  • Leistungsmotiv - der Wille, Leistung zu erbringen und sich mit beruflichen Aufgaben auseinander zu setzen, die sowohl herausfordernd als auch realistisch umsetzbar sind,
  • Kontrollüberzeugung (Selbstwirksamkeit beziehungsweise Machbarkeitsüberzeugung) - der Glaube, für sein eigenes Schicksal und die Ergebnisse seines Handelns selbst verantwortlich zu sein und dies aktiv beeinflussen zu können,
  • Unabhängigkeitsstreben - der Drang danach, sich von Autoritäten unabhängig zu machen sowie sich selbst zu verwirklichen,
  • Problemorientierung - die klare Fokussierung auf die primären Einflussfaktoren eines Projektes, um sowohl analytisch als auch intuitiv mit Nicht-Routine-Aufgaben umgehen zu können,
  • Risikoneigung - die Tendenz, sich Umweltsituationen mit ungewissem Ausgang freiwillig auszusetzen, wenn die kleinere Eintrittswahrscheinlichkeit einer Alternative den größeren Gewinn verspricht,
  • Ungewissheitstoleranz - die Fähigkeit, Situationen mit ungewissem Ausgang angemessen zu bewältigen,
  • Belastbarkeit - insbesondere die physische Widerstandsfähigkeit, um auch unter Druck weiter leistungsfähig zu sein,
  • emotionale Stabilität - die psychische Widerstandsfähigkeit sowie die Anlage, Frustrationen schneller zu verarbeiten,
  • Durchsetzungsbereitschaft (Dominanzbedürfnis) - der Wille dazu, andere zu führen sowie
  • soziale Anpassungsfähigkeit - nicht nur als Führungspersönlichkeit, sondern gerade auch Kunden und Lieferanten gegenüber.
Eine derartige Aufzählung kann selbstverständlich auf keinen Fall den Anspruch haben, sich durch Vollständigkeit der Charakteristika auszuzeichnen. Es ist allerdings festzustellen, dass insbesondere die nachstehenden Eigenschaften und Überzeugungen der Gründerpersönlichkeit stark mit der Erfolgswahrscheinlichkeit eines Unternehmensgründers korrelieren.

Der extrovertierte Gründer

Der extrovertierte Gründer

Ein hohes Selbstwertgefühl erlaubt es dem Gründer, besser mit Kritik und beunruhigenden Sachverhalten umzugehen. Selbstwirksamkeit und Kontrollüberzeugung sind stark miteinander verbunden und haben direkt Einfluss auf das Gelingen der Gründung, denn die Überzeugung, Ergebnisse selbständig erzielen zu können und diese unter der eigenen Kontrolle behalten zu können, beeinflusst stark das Handeln des Unternehmers.

Erfolgreiche Unternehmer sind folglich bereit, kalkulierte Risiken zu tragen und ängstigen sich nicht davor, Fehler zu begehen; sie sind bereit zu führen und anzuleiten und stehen Neuerungen aufgeschlossen gegenüber.

Vielfach wird der unternehmerische Charakter auch mit starker Extrovertiertheit assoziiert. Da der Gründer stets erster Verkäufer seiner Ideen und Visionen gegenüber Mitarbeitern, Kunden, Investoren oder auch Lieferanten sein muss, ist die Nützlichkeit eines solchen Charakterzuges augenfällig. Jede dieser Eigenschaften steht in einem entsprechenden Zusammenhang mit dem Gründungserfolg.

Wenn das Team besser ist ...

Die Anforderungen an eine Gründerpersönlichkeit sind hoch und nur selten lassen sich alle Eigenschaften bei einer Person auch tatsächlich feststellen. Aus diesem Grund werden von Investoren auch die Teamgründungen als besonders vorteilhaft gesehen, bei denen die Stärken verschiedener Personen bestimmte Schwächen einzelner Mitglieder ausgleichen können.

Ob Team oder Einzelgründer - entscheidend bleibt die Qualifikation des "Jockey", um die Geschicke des Unternehmens positiv zu lenken und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Und so lautet ein abschließendes Zitat von Shaver und Scott: "Economic circumstances are important; marketing is important; finance is important; even public agency assistance is important. But none of these will, alone, create a new venture. For that we need a person."

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