Montag, 18. November 2019

Familie Brenninkmeyer Nadel verpflichtet

Hohe Verluste, ein lädiertes Image: In den neunziger Jahren drohte dem Textilhändler C&A Schiffbruch. Dann kam Dominic Brenninkmeyer. Der Gründerenkel sanierte den Traditionskonzern und verpasste ihm eine Frischzellenkur.

Hamburg - Dass ein neuer Konzernchef am ersten Arbeitstag ehrgeizige Prognosen abgibt, ist nichts Ungewöhnliches. Vollmundige Ankündigungen sind an der Tagesordnung, und oft genug heißt es später bei Nichterfüllung des Versprechens in bester Adenauer-Manier: "Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern ..." Umso erstaunlicher, wenn die Prognose nicht nur erfüllt, sondern auch noch übertroffen wird, und das in Zeiten, in denen weltweit Krisenstimmung herrscht.

 Erfolgreicher Sanierer: Dominic Brenninkmeyer, Chef des C&A-Geschäfts in Deutschland
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Erfolgreicher Sanierer: Dominic Brenninkmeyer, Chef des C&A-Geschäfts in Deutschland
Dominic Brenninkmeyer ist dieses Kunststück gelungen - nur ein Jahr nach Amtseinführung. Der Deutschland-Chef von C&A schaffte 2001 den Turnaround, nachdem sein Vorgänger vier Jahre lang Verluste angehäuft hatte. Im zurückliegenden Geschäftsjahr 2003/2004 erwirtschaftete der Textilhändler gar einen Überschuss von 109 Millionen Euro.

Damit hatte das Kürzel C&A eine neue Bedeutung bekommen. Wurde es früher bisweilen herablassend mit "Cheap & Awful" (billig und hässlich) übersetzt, stand es nun plötzlich für "Couragiert & Aggressiv", wie das "Handelsblatt" Anfang 2003 titelte. Dem könnte man noch heute zustimmen.

Tumultartige Szenen vor Münchener Filiale

Den Unternehmensgründern und Namensgebern Clemens und August Brenninkmeyer hätte das gefallen. 20 Jahre hatte es gedauert, bis 1861 aus dem bescheidenen Lager der westfälischen Brüder das erste C&A-Geschäft geworden war. Dies befand sich allerdings nicht in ihrem Heimatort Mettingen, einer Kleinstadt nahe Osnabrück, sondern im holländischen Sneek, in das die beiden 1841 ausgewandert waren.

[M] DDP; DPA; mm.de
Von Siegern und Verlierern

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Ob es nun aber am Standort lag, dass die Geschäftsidee wie eine Bombe einschlug, muss bezweifelt werden. Der Grundgedanke jedenfalls war bestechend: Man verkaufte serienmäßig industriell gefertigte Bekleidung für ein breites Publikum, und das zu Preisen, die sich wirklich jeder leisten konnte.

Unkonventionelle Ideen liegen der streng katholischen Familie offenbar im Blut, denn auch die Nachfahren der altehrwürdigen Gründerväter fallen des Öfteren durch eigenwilliges Verhalten auf. So kommt es im März 1953 zu tumultartigen Szenen vor der Münchner C&A-Filiale, weil der Textilhändler sich geweigert hatte, die vom Stadtrat verfügte Samstagsschließung um 14 Uhr anzuerkennen. Als erboste Einzelhändler und Gewerkschafter bedrohlich näher rücken, eskaliert die Situation und nur dem Einsatz der berittenen Polizei ist es zu verdanken, dass Schlimmeres verhindert wird.

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