Freitag, 21. Juni 2019

Management Stell dir vor, es ist Krise und keiner geht hin

2. Teil: "Unternehmen werden zu spät aktiv"

"Unternehmen werden erst aktiv, wenn es fast zu spät ist"

"Das Bewusstsein für Krisen hat zugenommen", sagt er. "Aber es wird noch mehr geredet als gehandelt." Nur ein gutes Drittel der Großunternehmen in Deutschland mit mehr als 50 Millionen Euro Jahresumsatz habe Krisenpläne oder Notfallstäbe. Noch düsterer sehe es beim Mittelstand aus: Nur zehn Prozent bereiteten sich auf Krisen vor.

Krisen sind Bestandteil menschlicher Schwäche: "Unternehmen neigen dazu, die Warnzeichen einer Krise zu spät zu erkennen"
Experten der Frankfurter KfW-Bankengruppe bestätigen dies. "Unternehmen neigen dazu, die Warnzeichen einer Krise - etwa Umsatzrückgang oder Kostenexplosion - zu spät zu erkennen und werden meist erst dann aktiv, wenn es fast zu spät ist", sagt Margarita Tchouvakhina, KfW-Abteilungsdirektorin für Volkswirtschaft.

Das spezielle Beratungsprogramm der KfW-Mittelstandsbank - so genannte Runde Tische - hätten im vergangenen Jahr 3500 meist kleinere Firmen zur Problembewältigung genutzt.

"Ein Krisenplan muss erprobt werden"

"Die Vorstände wissen sehr wohl, dass ihr Unternehmen täglich Krisen ausgesetzt ist", meint Petra Sammer, Beraterin für Krisen-PR bei der Kommunikationsagentur Ketchum in München. "Man nimmt sich dann viel vor, vernachlässigt das aber im Tagesgeschäft." Sammer betont zudem: "Es nutzt nichts, einen Krisenplan in der Schublade zu haben, das muss auch in der Praxis erprobt werden."

Die Coca-Cola-Strategen sind sicher, im Fall von "Dasani" richtig gehandelt zu haben. "Was Deutschland angeht sind wir glimpflich davon gekommen: Ich sehe weder das Desaster, das immer wieder behauptet wird, noch eine langfristige Schädigung der Marke Coca-Cola", sagt die Sprecherin der Coca-Cola GmbH in Berlin, Christina Jacob. Sie ist überzeugt: "Es bleibt sicher etwas in der Erinnerung hängen, aber einen Imageschaden bei unseren Verbrauchern gab es nicht."

Jörn Bender, dpa

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