Sonntag, 21. April 2019

Alumni Uni-Netzwerke für die Karriere

In der Vergangenheit genossen studentische Verbindungen oftmals einen zweifelhaften Ruf. Unterdessen organisieren viele Universitäten in Alumnis die Kontaktpflege unter den Absolventen selbst - zum eigenen Nutzen und als Karrieresprungbrett für die Examinierten

Mannheim/Karlsruhe - Der Abgang von einer deutschen Universität war in der Vergangenheit denkbar unspektakulär. Keine Feier, keine warmen Wünsche für die Zukunft - man zog sein Zeugnis aus dem Briefkasten, exmatrikulierte sich und verschwand auf Nimmerwiedersehen.

Kontaktpflege mit Karrierehintergrund: Alumnis helfen Uni-Absolventen
Doch in Zeiten knapper Mittel und eines wachsenden Wettbewerbs um die klugen Köpfe haben die Hochschulen erkannt, dass sie das Potenzial ihrer Ehemaligen nicht brachliegen lassen dürfen: Die "Alumni" sollen möglichst lebenslang an ihre alte Ausbildungsstätte gebunden werden - eine Kontaktpflege in beiderseitigem Interesse.

Alumnus - in der Mehrzahl Alumni - kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Zögling. Vereinigungen ehemaliger Studenten sind in den USA und einigen europäischen Ländern zum Teil schon lange bekannt. In Deutschland begann man vor etwa 20 Jahren, sich der Absolventen zu besinnen. "Inzwischen kann sich auch hier zu Lande eigentlich keine Hochschule mehr leisten, ohne Alumni-Netzwerk auszukommen", sagt Volker Meyer-Guckel vom Stifterverband für die Deutsche Wirtschaft in Essen. Das Niveau der entsprechenden Programme sei aber immer noch sehr unterschiedlich.

"Namhafte Trainer aus der Wirtschaft"

Vor drei Jahren lobte der Stifterverband zusammen mit dem Centrum für Hochschulentwicklung einen Wettbewerb für das beste Alumni-Programm aus. Als Sieger gingen daraus die Universitäten von Mannheim und Karlsruhe hervor. Beide haben eigene Organisationen gegründet, die sich ausschließlich um die Pflege der Ehemaligen kümmern. "Absolvent UM" in Mannheim zählt inzwischen rund 4000, "Alumnika TH" in Karlsruhe 10.000 Mitglieder.

Mitglieder professionell aufgezogener Alumni-Netzwerke kommen - teils kostenlos, teils gegen einen Jahresbeitrag - in den Genuss vielfältiger Leistungen. Das Spektrum reicht vom Bezug der Uni-Zeitschrift über die Nutzung der Bibliothek bis hin zur Aufnahme in einen Newsletter und die Teilnahme an regionalen Stammtischen und zentralen Alumni-Treffen.

So erwartet etwa Mitglieder von Alumnika TH vom 17. bis 20. Juni ein buntes Programm aus Fachvorträgen und Weiterbildungskursen. "Dazu haben wir namhafte Trainer aus der Wirtschaft engagiert", sagt Koordinator Venio Piero Quinque.

Das Interesse der Hochschulen an der Alumni-Pflege liegt auf der Hand: Sie spekulieren darauf, dass sich die Verbundenheit der Ehemaligen auch eines Tages in klingender Münze auszahlt. "Spenden werden künftig eine wichtigere Rolle spielen", sagt Quinque. "Der Bill Gates von morgen läuft vielleicht schon heute auf unserem Campus herum. Aber man muss erst geben, bevor man nehmen kann."

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