Alumni Uni-Netzwerke für die Karriere

In der Vergangenheit genossen studentische Verbindungen oftmals einen zweifelhaften Ruf. Unterdessen organisieren viele Universitäten in Alumnis die Kontaktpflege unter den Absolventen selbst - zum eigenen Nutzen und als Karrieresprungbrett für die Examinierten

Mannheim/Karlsruhe - Der Abgang von einer deutschen Universität war in der Vergangenheit denkbar unspektakulär. Keine Feier, keine warmen Wünsche für die Zukunft - man zog sein Zeugnis aus dem Briefkasten, exmatrikulierte sich und verschwand auf Nimmerwiedersehen.

Doch in Zeiten knapper Mittel und eines wachsenden Wettbewerbs um die klugen Köpfe haben die Hochschulen erkannt, dass sie das Potenzial ihrer Ehemaligen nicht brachliegen lassen dürfen: Die "Alumni" sollen möglichst lebenslang an ihre alte Ausbildungsstätte gebunden werden - eine Kontaktpflege in beiderseitigem Interesse.

Alumnus - in der Mehrzahl Alumni - kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Zögling. Vereinigungen ehemaliger Studenten sind in den USA und einigen europäischen Ländern zum Teil schon lange bekannt. In Deutschland begann man vor etwa 20 Jahren, sich der Absolventen zu besinnen. "Inzwischen kann sich auch hier zu Lande eigentlich keine Hochschule mehr leisten, ohne Alumni-Netzwerk auszukommen", sagt Volker Meyer-Guckel vom Stifterverband für die Deutsche Wirtschaft in Essen. Das Niveau der entsprechenden Programme sei aber immer noch sehr unterschiedlich.

"Namhafte Trainer aus der Wirtschaft"

Vor drei Jahren lobte der Stifterverband zusammen mit dem Centrum für Hochschulentwicklung einen Wettbewerb für das beste Alumni-Programm aus. Als Sieger gingen daraus die Universitäten von Mannheim und Karlsruhe hervor. Beide haben eigene Organisationen gegründet, die sich ausschließlich um die Pflege der Ehemaligen kümmern. "Absolvent UM" in Mannheim zählt inzwischen rund 4000, "Alumnika TH" in Karlsruhe 10.000 Mitglieder.

Mitglieder professionell aufgezogener Alumni-Netzwerke kommen - teils kostenlos, teils gegen einen Jahresbeitrag - in den Genuss vielfältiger Leistungen. Das Spektrum reicht vom Bezug der Uni-Zeitschrift über die Nutzung der Bibliothek bis hin zur Aufnahme in einen Newsletter und die Teilnahme an regionalen Stammtischen und zentralen Alumni-Treffen.

So erwartet etwa Mitglieder von Alumnika TH vom 17. bis 20. Juni ein buntes Programm aus Fachvorträgen und Weiterbildungskursen. "Dazu haben wir namhafte Trainer aus der Wirtschaft engagiert", sagt Koordinator Venio Piero Quinque.

Das Interesse der Hochschulen an der Alumni-Pflege liegt auf der Hand: Sie spekulieren darauf, dass sich die Verbundenheit der Ehemaligen auch eines Tages in klingender Münze auszahlt. "Spenden werden künftig eine wichtigere Rolle spielen", sagt Quinque. "Der Bill Gates von morgen läuft vielleicht schon heute auf unserem Campus herum. Aber man muss erst geben, bevor man nehmen kann."

"Die Programme dienen als Karrierenetzwerk"

Auch die Studenten und Absolventen schließen sich den Netzwerken zunächst nicht aus purem Idealismus an. Sie verbinden damit die Hoffnung auf eine Extra-Dosis "Vitamin B", auf Hilfestellung beim beruflichen Ein- und Aufstieg.

"Natürlich dienen diese Programme auch als Karrierenetzwerk", sagt Christian Kramberg, Absolvent in Mannheim. Das gilt nicht nur für die karrierebewussten Studenten der Wirtschaftswissenschaften. "Gerade Geisteswissenschaftler tun sich ja nach dem Studium schwer, untereinander in Kontakt zu bleiben", weiß Kramberg.

Einen wichtigen Schlüssel zum Erfolg bildet das Verzeichnis der Mitglieder. Entscheider in der Wirtschaft neigen dazu, Mitarbeiter einzustellen, die den gleichen Werdegang vorweisen wie sie selbst. "Da kann man schon einmal bei einem älteren Semester anklopfen und um ein Gespräch bitten. Die gemeinsame Basis hilft enorm", so Peter Schmidt-Dahlberg von der privaten European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel (Hessen), die ihr Alumni-Programm als deutscher Vorreiter bereits 1980 gestartet hat. Allerdings senke es die Hemmschwelle erheblich, wenn man bei einem Alumni-Treffen bereits erste Fühlung aufgenommen hat.

Spenden fließen reichlich

Doch die Hochschulen schalten sich zunehmend auch aktiv in die Karriereplanung ihrer Alumni ein. In Karlsruhe werden Stellenangebote exklusiv im Alumni-Newsletter veröffentlicht. "Unternehmen treten immer wieder mit entsprechenden Anfragen an uns heran", sagt Koordinator Quinque. Auch die Mannheimer Universität betätigt sich als Vermittler beim Headhunting - gegen eine Provision, die in die Kassen der kommerziellen Absolvent GmbH fließt.

Wenn die Alumni beruflich aus dem Gröbsten heraus sind, beginnt sich ihre Einstellung zur alten Ausbildungsstätte zu wandeln: Dann tritt Nostalgie an die Stelle des Nutzgedankens. Die Alumni-Vereinigungen helfen, Jahrgangstreffen und Campusführungen zu organisieren. Um Spenden müssen sie bei solchen Dienstleistungen selten ausdrücklich bitten.

Seit 2001 gibt es auch einen Verband der Alumni-Organisationen im deutschsprachigen Raum, der unter www.alumni-clubs.de über eine eigene Plattform im Internet verfügt. Nach Ansicht von Verbandsgründer Christian Kramberg zahlen sich Alumni-Netzwerke nicht nur für private und öffentliche Hochschulen mit elitärem Anspruch aus. Gerade jenen Universitäten, die in Rankings eher die hinteren Plätze belegen, böten sie die Chance, eine Identität aufzubauen und sich auf den beruflichen Erfolg ihrer Ehemaligen zu berufen. "Vitamin B" kann auch in diesem Fall sicher nicht schaden.

Tobias Wiethoff, dpa

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