Siemens Razzia beim Industriegiganten

Heinrich von Pierer hat es dieser Tage nicht leicht. Erst stritt sich der Siemens-Chef mit den Gewerkschaften, dann ging er beim Alstom-Deal leer aus und nun wurden auch noch Firmenräume in Offenbach und Erlangen durchsucht. Gegen ehemalige Siemens-Angestellte ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Bestechung.

Frankfurt- Im Zusammenhang mit Schmiergeldzahlungen in Italien ermitteln die Behörden in Frankfurt gegen drei frühere Siemens-Angestellte wegen Bestechung.

Die Eingreif-Reserve der Generalstaatsanwaltschaft habe Firmenräume von Siemens  in Offenbach und Erlangen sowie die Konzernzentrale in München und mehrere Privatwohnungen durchsucht, sagte am Donnerstagabend die Sprecherin der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft, Hildegard Becker-Toussaint.

Die drei Ex-Manager würden verdächtigt, zwischen 1999 und 2002 mindestens sechs Millionen Euro Bestechungsgelder im Zusammenhang mit Auftragsvergaben an damalige Manager des italienischen Stromkonzerns Enel gezahlt zu haben. Ziel der Bestechung solle die bevorzugte Vergabe von Aufträgen für die Lieferung von Gasturbinen im Volumen von etwa 336 Millionen Euro sowie von lukrativen Wartungsverträgen gewesen sein.

"Mehrere hundert Millionen Euro Gesamtschaden"

"Der durch die manipulierte Auftragsvergabe entstandene Gesamtschaden lässt sich zurzeit noch nicht beziffern, könnte aber im Bereich von mehreren hundert Millionen Euro liegen", erklärte die Staatsanwaltschaft.

Die Sprecherin gab dagegen keine Stellungnahme zu der Frage ab, ob es im Rahmen der Ermittlungen auch zu Festnahmen gekommen ist. Bei den Verdächtigen handelt es sich nach den Angaben um ehemalige Beschäftigte des Bereichs Power Generation von Siemens mit Sitz in Offenbach.

Die Ermittlungen in Deutschland seien durch Geständnisse von früheren Enel-Managern angestoßen worden, die in Italien in Untersuchungshaft säßen, erklärte die Staatsanwaltschaft. Die Beschuldigten in Italien hätten ausgesagt, dass die Initiative für die Bestechung von den Siemens-Mitarbeitern ausgegangen sei.

Rote Karte in Italien

Rote Karte in Italien

Die Gelder sollen über Auslandskonten in Liechtenstein und den Vereinigten Arabischen Emiraten an einen eigens eingeschalteten Mittelsmann aus Abu Dhabi und von dort auf die Konten der italienischen Beschuldigten geflossen sein.

Ein Siemens-Sprecher hatte die Durchsuchungen bereits am Donnerstagabend bestätigt und betont, Siemens selbst sei an Aufklärung interessiert und arbeite mit der Staatsanwaltschaft zusammen. Weitere Angaben machte er unter Hinweis auf das laufende Ermittlungsverfahren nicht.

Im April hatte ein Mailänder Gericht den Siemens im Zusammenhang mit den Korruptionsermittlungen für ein Jahr von öffentlichen Ausschreibungen ausgeschlossen. Der Ausschluss wurde später nach Firmenangaben auf den Bereich Gasturbinen beschränkt.

Siemens hat der italienischen Regierung bereits Ende des vergangenen Jahres Entschädigungsleistungen im Gesamtwert von 160 Millionen Euro in einem Zeitraum von mehreren Jahren angeboten, die beispielsweise auch ermäßigte Wartungsleistungen vorsehen.

Die gegenwärtigen Ermittlungen drehen sich um von der Enel-Tochter Enelpower vergebene Aufträge zur Modernisierung von Kraftwerken in Italien. Die Ermittler untersuchten angebliche Provisionen in Millionenhöhe für damalige Enel-Mitarbeiter bei Aufträgen zwischen 1999 und 2001. Auch die Rolle des französischen Alstom-Konzerns wurde untersucht.