Dienstag, 23. Juli 2019

Malik-Kolumne Abkehr vom US-Paradigma

Auf den US-Aktienmärkten setzen sich die Bären durch, und die Heerscharen von MBA-Absolventen werden schmerzhafte Erfahrungen machen: Ein guter Manager muss nicht Fallstudien lösen, sondern Gefahren und Möglichkeiten frühzeitig erkennen. Der Schwanengesang wird seine Zeit dauern, meint Fredmund Malik.

Im Februar schrieb ich in dieser Kolumne, dass ein Alternativszenario zur Mainstream-Meinung nötig sei, das von fallenden Aktienkursen, Immobilien und Edelmetallen ausgehe, von steigenden Zinsen und einer generellen Verschärfung der Rezession, also vom Gegenteil der zu diesem Zeitpunkt vorherrschenden und im Wesentlichen noch immer vertretenen Auffassung USA, Klotz am Bein.

 Fredmund Malik: "Die Strukturschwächen der US-Wirtschaft werden voll aufbrechen."
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Fredmund Malik: "Die Strukturschwächen der US-Wirtschaft werden voll aufbrechen."
Die bisherigen Hochs waren im Dow Jones Industrials am 19. Februar beziehungsweise 6. April 2004, im S&P 500 am 5. März und im Nasdaq Composite Börsen-Chart zeigen am 5. April 2004. Gold sinkt seit dem 10. April und Silber seit dem 2. April dieses Jahres. Die Treasury Bonds sind seit dem 17. März beziehungsweise 24. März 2004 deutlich gefallen, die Zinsen also gestiegen. Auch die amerikanischen Immobilien haben gedreht, womit die Gefahr gestiegen ist, dass sowohl die Bond-Blase als auch die Real Estate-Bubble zu Ende sind und eine möglicherweise jahrelange Asset-Deflation bevorsteht.

Damit scheint mir die Richtung für die nächste Zeit vorgegeben zu sein. Es hat, wie ich mehrfach darlegte, etwas Geduld gebraucht, bis die Trendwenden in den verschiedenen Märkten vollzogen waren.

Die schlechten Nachrichten werden sich häufen

Am Grundszenario, dass ein lange dauernder Bärenmarkt begonnen hat, hatte ich in den vergangenen zwölf Monaten keine Zweifel. Die Kursanstiege der Aktien seit März 2003 waren Korrekturbewegungen zum Bärenmarkt und nicht der Wiederbeginn des Bullenmarktes der 90er Jahre. Das wird meines Erachtens auch der Charakter weiterer Erholungsphasen sein, die in einem Bärenmarkt heftiger sein können, als die Korrekturen eines Bullenmarktes.

Der Unfug von der "asset-based wealth-driven economy", der von den Mainstream-Ökonomen in den USA vertreten wird, wird in den nächsten zwölf bis 36 Monaten sichtbar werden. Die Strukturschwächen der US-Wirtschaft werden voll aufbrechen. Die schlechten Nachrichten werden sich häufen, und selbst gute Nachrichten werden - für Unkundige überraschend - keine positive Wirkung auf die Märkte mehr haben.

Eine ausführliche Analyse der US-Wirtschaft habe ich andernorts vorgelegt (siehe Management Zentrum St. Gallen, Wirtschaftslage 2004: "Amerika ist keine Wirtschaftslokomotive") sowie Management Zentrum St. Gallen, Wirtschaftslage 2004: "Amerika ist keine Wirtschaftslokomotive, Teil 2").

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