Karriere "Jammern ist tödlich"

Wer Karriere machen will, kann von guten Kontakten nur profitieren. Fast die Hälfte aller Traumjobs werden über persönliche Netzwerke vergeben. Trotzdem ist Vorsicht geboten: Denn die Pflege von Beziehungen erfordert ein hohes Maß an Fingerspitzengefühl.

München/Nürnberg - Studiert, aufgestiegen und plötzlich arbeitslos - für Silke Döring war das wie ein Schlag ins Gesicht. Die Marketingleiterin suchte professionelle Hilfe und holte Angebote von Karriereberatern ein - Kostenfaktor zwischen 2500 und 5000 Euro. Nur einer verweigerte das Angebot und schlug vor, das Geld lieber in einen Urlaub zu investieren: "Sie schaffen das allein."

Heute ist Wolfgang Fritz, ein so genannter Outplacementberater in Wiesbaden, Dörings beruflicher Partner: "Ich sammele solche Kontakte", sagt die Existenzgründerin aus Frankfurt, "auch wenn sie nicht direkt zu einem Ergebnis führen."

Jeder Kontakt bietet eine Chance. Und weil es auf dem Arbeitsmarkt derzeit nicht so viele Chancen gibt, ist das Thema Networking in aller Munde. "Aber das wird oft missverstanden", sagt die Karriereberaterin Madeleine Leitner aus München. Es gehe eben nicht darum, alle Kontakte für die eigenen Jobsuche einzuspannen. "Das ist doch viel zu berechnend. Und das merken die Gesprächspartner." Es geht um gegenseitige Sympathie, um das absichtslose Interesse an einer Person und ihrer Erfahrung.

"Mitleid stoppt jegliche Kreativität"

Der größte Fehler ist nach Silke Dörings Erfahrung zu klagen, dass man den Job verloren hat und zu betteln, die anderen mögen einem bei dem Problem helfen. "Jammern ist tödlich für die Kontaktpflege. Das erzeugt Mitleid, stoppt aber jegliche Kreativität."

Arbeitssuchende sollten sich vielmehr klar machen, was sie wollen und was sie zu bieten haben. Dabei können persönliche Kontakte wertvoll sein: "Das ist mein Ziel, bitte lass mich wissen, was dir dazu einfällt" kann dann eine Aufforderung lauten. Wer so als Experte angesprochen wird, fühlt sich geschmeichelt. Wie wichtig die Kontaktpflege bei der Jobsuche sein kann, bestätigen Outplacementberater: So finden gut 40 Prozent der von Entlassungen bedrohten Beschäftigten über ihr persönliches Netzwerk zum neuen Job, ergab eine Untersuchung des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater in Bonn.

"Was macht mich einzigartig und wertvoll?"

"Was macht mich einzigartig und wertvoll?"

Regelmäßigen Erhebungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg zufolge führt der am häufigsten beschrittene Weg zur Suche nach Mitarbeitern über Inserate und in Ostdeutschland über die Arbeitsagentur. Aber schon an dritter und in Ostdeutschland an zweiter Stelle folgt die Suche über eigene Mitarbeiter. Sie ist effizienter als das Inserat oder das Arbeitsamt. Die beste Erfolgsquote erzielten laut IAB Initiativbewerbungen.

"Mit zunehmend schwacher Arbeitsnachfrage müssen die Betriebe weniger extern suchen und können aus Angeboten wählen, die auf sie zukommen. Das ist im Schnitt kostengünstiger", erklärt IAB-Arbeitsmarktforscher Eugen Spitznagel.

Das gelte aber nur, wenn die Initiativbewerbung gezielt verschickt wird und mit konkreten Vorstellungen gefüllt ist, sagt Rainer Schmidt-Rudloff von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) in Berlin.

Bewerbungen nach dem Motto "Ich bin Diplom-Ingenieur und suche einen Job", womöglich noch online an möglichst viele Adressen verschickt, produzieren nur Datenmüll. "Initiativbewerbungen machen nur Sinn bei Unternehmen, die entsprechendes Personal suchen", so der Referent für betriebliche Personalpolitik.

Das persönliche Gespräch ist der erste Sieg

Für Jobsuchende bedeutet dies, dass sie sich über den Stellenmarkt und die in Frage kommenden Unternehmen informieren müssen - aber erst nachdem die eigene Zielsetzung und Kompetenz geklärt ist, betont Marketingberaterin Döring. Die Kernfragen lauten: "Was macht mich einzigartig und wertvoll? Und wem kann ich das, was ich haben will, geben, wem könnte dies nutzen?"

Neben der Kontaktpflege zu Freunden, Verwandten, Sportverein und Berufsverband steht die Kontaktaufnahme zu potenziellen Arbeitgebern - über Tagungen, Kongresse, Foren. "Es ist fatal, wenn Jobsuchende allein zu Hause vor dem Rechner sitzen und sich bewerben", warnt Diplom-Psychologin Leitner.

Sie sollten vielmehr öffentlich auftreten - aber nicht als Arbeitslose, sondern als Experten, die Ressourcen anzubieten haben und sich über eine Idee austauschen möchten. "Wenn es dann heißt, schicken Sie mal Ihre Unterlagen, ist das schief gelaufen", betont die Karriereberaterin. "Erhalten Sie aber die Chance zu einem persönlichen Gespräch, haben Sie gewonnen."

Deike Uhtenwoldt, dpa