Dirk Christian Möhrle Der Frauenversteher

Baumärkte sind Männerzone, weiß Dirk Christian Möhrle, Chef der Heimwerkerkette Max Bahr. Doch so soll es nicht bleiben. Möhrle poliert angesichts der Konsumflaute am Image des Familienunternehmens. Künftig will er vermehrt weibliche Kundschaft in die grellgelben Filialen locken.

Hamburg - Kleine Jungs gehen zum Spielzeugladen an der Ecke. Wenn sie dann groß sind, wechseln sie in den Baumarkt. Statt für Matchbox und Märklin interessieren sie sich nun für Black & Decker und Bosch. Do it yourself als Playmobil-Ersatz.

So gesehen handelt Dirk Christian Möhrle mit Spielwaren für große Jungs. Dabei wirkt der geschäftsführende Gesellschafter der Baumarktkette Max Bahr mit seinem Kurzhaarschnitt und dem jungenhaften Gesicht selbst zunächst wenig erwachsen.

Bei einem Gespräch mit ihm aber wird klar, dass sich der 40-jährige Hamburger nicht den Hammer aus der Hand nehmen lässt. Möhrle hat Prinzipien: Absolute Ehrlichkeit im Geschäft, Verantwortung für die Mitarbeiter, Selbstständigkeit. Ein typischer Hanseat bis hin zum norddeutschen Akzent.

Männer treffen Männer

Hanseatisches Selbstbewusstsein braucht er im Heimwerkergeschäft. Der Baumarkt ist kein Debattierklub. Männer treffen Männer. Gespräche drehen sich um Spaxschrauben, Glanzlacke und Schlagbohrer. Da bleibt wenig Raum für Feinsinniges. Es kommt auf die Qualität an. Stimmt sie nicht, profitieren die Konkurrenten - und die sind zahlreich.

2003 erwirtschafteten die rund 3600 Max-Bahr-Mitarbeiter in den bundesweit 78 Filialen einen Umsatz von 814 Millionen Euro. Damit liegt die nur in Deutschland aktive Kette weit hinter den international agierenden Branchengiganten Obi (sechs Milliarden Euro Umsatz, 24.000 Mitarbeiter) oder Praktiker (2,8 Milliarden Euro Umsatz, 15.000 Mitarbeiter). Auch andere Anbieter wie Bauhaus oder Hornbach liegen vor Max Bahr.

Allerdings stehen hinter dem Hamburger Unternehmen anders als bei den Wettbewerbern keine Großkonzerne oder Kapitalmärkte. Max Bahr ist ein Familienbetrieb. Dirk Christian Möhrle führt das Unternehmen in zweiter Generation.

Die Do-it-yourself-Pioniere

Die Do-It-Yourself-Pioniere

Sein Vater Peter Möhrle stieg 1956 als Geschäftsführer beim Hamburger Holzhandel von Namensgeber Max Bahr ein. Die Bahr-Erben bilden noch heute neben dem Möhrle-Clan die Gesellschafter. Bei einem Besuch in den USA 1963 entdeckte Möhrle senior die Do-it-yourself-Märkte und war begeistert.

Zurück in Deutschland baute er den Holzhandel zum Baumarkt um und gründete zügig weitere Dependancen. Noch heute sehen sich die Möhrles als deutsche Baumarktpioniere. Den Namen Max Bahr ließ Möhrle indes bestehen. "Peter Möhrle? Damit wäre ich vielleicht in Süddeutschland etwas geworden, aber nicht im Norden", erklärt der Hobbysegler, dessen familiäre Wurzeln im Schwarzwald liegen.

Die Kette wuchs. Dabei bauen die Möhrles ihre grellgelben Baumärkte noch heute am liebsten auf eigenen Grund und Boden. Gemietete Grundstücke sind zweite Wahl.

Reibungsloser Stabwechsel

Nachdem das Wachstum bereits in den 70er und 80er Jahren "rasant" verlaufen war, setzte durch die Wiedervereinigung ein wahrer Baumarktboom ein. Teilweise war der Bedarf nach Gerätschaften derart groß, dass direkt aus dem Container heraus verkauft wurde.

Schließlich schaffte Peter Möhrle auch noch etwas, was nicht vielen mittelständischen Unternehmern vergönnt ist: Der reibungslose Stabwechsel an den eigenen Sohn. Zwar wollte Dirk Christian Möhrle, der sich nach dem BWL-Studium unter anderem als Immobilienunternehmer versucht hatte, eigentlich seinem Vater nur kurz aushelfen. 1998 saß er jedoch selbst auf dem Chefsessel bei Max Bahr, und der Vorgänger verabschiedete sich in den Beirat.

Frauen und Öko

Schwarze Jahre für den Handel

Der junge Möhrle musste nicht lange auf die Gelegenheit zur Bewährung warten. Derzeit erlebt der Einzelhandel die schwärzesten Jahre seit 1945, der grassierende Konsumboykott trifft auch die Baumarktbranche. Zudem rangeln die Wettbewerber auch im Heimwerkersegment um die klammen und knausernden Kunden. Spektakuläre Rabattschlachten kennt man aus der Werbung. Die Konsolidierung ist im vollen Gange. 2003 war die Zahl der Baumärkte im zweiten Jahr in Folge rückläufig.

Zudem tut die Politik einiges, um der mittelständischen Wirtschaft das Leben schwer zu machen. Mit der Diskussion um die Ausbildungsplatzabgabe etwa hat die Bundesregierung "das falsche Klima geschaffen", erklärt Dirk Christian Möhrle, ohne dabei in die übliche Larmoyanz zu verfallen. Für die komplette Misere sei Berlin nicht verantwortlich: "Viele Mittelständler schaffen es nicht, den Strukturwandel zu vollziehen."

Dabei geht es Max Bahr verhältnismäßig gut. Den Umsatz konnte das Unternehmen 2003 um knapp 3 Prozent steigern. Der Jahresüberschuss lag mit 27,5 Millionen Euro auf Vorjahresniveau. Dennoch sieht der Chef Handlungsbedarf.

"Rabattaktionen sind Betrug am Kunden"

Die Pfennigaktionen der Konkurrenten machte er nicht mit: "Rabattaktionen sind Betrug am Kunden. Wir sind ein ehrlicher Discounter." Und so ist Möhrle junior auf der Suche nach der adäquaten Antwort auf die Kaufkrise. Von der Expansion mit dem Brecheisen ließ er ebenfalls die Finger. Neue Gesellschafter oder ein Börsengang als Kapitalbeschaffung kamen nicht in Frage. Familie geht vor.

Ebenso wenig folgt er dem Treck der Wettbewerber in ausländische Märkte. "Da sind wir patriotisch und setzen auf Deutschland", sagt der Chef und ist davon überzeugt, dass es in hier zu Lande nach wie vor Platz für Max-Bahr-Märkte gibt. Obwohl fast jeder Marktflecken mittlerweile ein eigenes Baucenter hat.

Frauen und Öko

Möhrle sucht sein Heil in der Nische und setzt auf zwei Dinge, die so gar nicht zum harten Handwerkerimage passen: Frauen und Öko. Tatsächlich will der Jungunternehmer vermehrt weibliche Kundschaft gewinnen. Und so wird mancher Schlagbohrer-Fan überrascht sein, wenn er bei Max Bahr demnächst in die neue Deko-Abteilung stolpert, die "Inspiration für zu Hause" bieten soll.

Immer konsequenter setzt Möhrle auch auf das Öko-Image. Dass seine Märkte höchsten Umweltansprüchen genügen und die Plastiktüten früher Joghurtbecher waren, will er künftig als Marketinginstrument nutzen, um sich damit ein Profil gegen die mächtige Konkurrenz aufzubauen. Der intellektuelle Baumarkt sozusagen.

Allein, zum reinen Frauentreff wird Max Bahr nicht taugen. Bei aller Innovation weiß Möhrle: "Der Baumarkt bleibt eine Männerzone." Die Jungs mögen sich vieles gefallen lassen. Die Umwandlung ihres Spielwarenladens in eine Puppenstube ginge dann aber doch zu weit.

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