Montag, 17. Juni 2019

Infineon Ziebarts große Stunde

Jetzt ist es offiziell: Conti-Vize Wolfgang Ziebart wird neuer Infineon-Chef. Spätestens am 1. September soll er seinen Posten antreten. Analysten bewerten die Ernennung Ziebarts unterschiedlich.

Hamburg - In München hat der Aufsichtsrat des Halbleiterkonzerns die Ernennung von Wolfgang Ziebart zum Vorstandsvorsitzenden im Laufe des Abends auf einer Sondersitzung abgesegnet. Der 54-Jährige trete spätestens am 1. September die Nachfolge des Ende März abgelösten Vorstandsvorsitzenden Ulrich Schumacher an, teilte Infineon Börsen-Chart zeigen am Montagabend mit.

Neuer Infineon-Chef: Wolfgang Ziebart
"Dr. Ziebart bringt mit seiner Turnaround-Erfahrung, Branchenkenntnis und technischen Expertise hervorragende Voraussetzungen für den Vorstandsvorsitz bei Infineon mit", erklärte der kommissarische Vorstandsvorsitzende Max Dietrich Kley. Der Nachfolger Schumachers werde die Ergebnisorientierung verstärken und die in ihren Eckpunkten unveränderte strategische Ausrichtung von Infineon vorantreiben. Der Halbleiterhersteller hatte in den vergangenen drei Jahren im Gefolge der Branchenkrise hohe Verluste verzeichnet.

Kollegialer Ruf

Auch von Seiten der Gewerkschaft steht der Ernennung Ziebarts nichts im Wege. Die Gewerkschaft sei zu einer Kooperation mit der neuen Führung bereit, sagte Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer heute. Zumindest aus der Ferne sehe er keinen Grund, warum die IG-Metall-Vertreter im Aufsichtsrat die Berufung Ziebarts ablehnen sollten. Ziebart habe sich unter anderem in seiner Zeit als Entwicklungsvorstand bei BMW einen kollegialen Ruf erworben.

Bereits in der Vorwoche war aus Branchenkreisen verlautet, dass Ziebart der aussichstreichste Kandidat für den Infineon-Chefsessel ist. Sein Vorgänger Schumacher hatte ihn im März unerwartet geräumt. Zu den Gründen für die Trennung hielt sich Infineon seinerzeit bedeckt und nannte lediglich "persönliche Gründe" Schumachers.

Dem Vernehmen nach soll es jedoch im Vorstand unterschiedliche Auffassungen über die zukünftige strategische Ausrichtung gegeben haben. Schumacher wurde zudem ein autoritärer Führungstil vorgeworfen. Heftige Kritik erntete er überdies mit seinen Plänen, Konzernteile in das Ausland zu verlagern.

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