Samstag, 21. September 2019

Dieter Schaub Der mysteriöse Medienmogul

3. Teil: Aufstieg und Fall des Jürgen Richter

Aufstieg und Fall des Jürgen Richter

In der Folge zog sich Schaub völlig aus der Öffentlichkeit zurück. Nun führte der gewitzte Jürgen Richter, später Vorstand beim Axel Springer Verlag und bei Bertelsmann, die Geschicke des Konzerns. Nach der Übernahme und Sanierung des Westermann-Verlags wurde Richter 1987 Geschäftsführer der Medien-Union.

 Jürgen Richter: Mit dem Generationswechsel wurde der Topmanager bei der Medien-Union geschasst
Jürgen Richter: Mit dem Generationswechsel wurde der Topmanager bei der Medien-Union geschasst
Die Übernahme der Chemnitzer "Freie Presse" 1991 war Richters letztes Husarenstück für Schaub. Immerhin 100 Millionen Euro zahlte dieser für die Zeitung, die auch andere Verlage gern gekauft hätten. Unter anderem die "Rheinische Post", die vergeblich Ansprüche auf das Filetstück der DDR-Verlagslandschaft bei der Treuhandanstalt angemeldet hatte. Beim Zuschlag für die Medien-Union sollen Schaub, so wurde später kolportiert, die guten Kontakte zu Kohls damaligem Ministerialdirigenten Johannes Ludewig geholfen haben.

In einem Leserbrief an manager-magazin.de bestreitet Ex-Kanzler Kohl jede Nähe zu Dieter Schaub. "Ich lege Wert auf die Feststellung, dass es die angedeutete besondere Beziehung zu den Herren Schaub nicht gab und gibt", so Kohl.

Next Generation

Richters Ende als Geschäftsführer war unschön, aber durchaus klassisch für Familienunternehmen vom Schlage der Medien-Union. Als Schaubs Söhne Thomas und Michael in die Konzernführung nachrücken sollten, ergab sich ein Problem: Die Nachfahren kamen nicht mit Richter klar, er war ihnen zu dominant.

"Ich muss das Problem Richter lösen, bevor der Thomas kommt", soll Schaub senior schon Ende 1992 gesagt haben. Im Dezember 1993 machte er dann kurzen Prozess: Ein Abschiedsessen mit Richter, eine schöne Abfindung und eine Vereinbarung, Stillschweigen zu bewahren - Thomas Schaub trat in die Holding ein, Richter trat ab. Seit 1994 sind Schaubs Söhne offiziell die neuen Herren über die Medien-Union.

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