Donnerstag, 24. Oktober 2019

Kommunikation "Unternehmen brauchen ein Gesicht"

Deutschlands Konzernlenker suchen viel zu selten die Öffentlichkeit, kritisiert Psychotherapeut und Coach Ulrich Sollmann. Im Gespräch mit manager-magazin.de erklärt er die Ursachen für peinliche Managerauftritte und zeigt Wege aus der Misere.

mm.de:

Unsere Spitzenpolitiker sind nahezu täglich in Fernsehen, Radio und Presse vertreten, Deutschlands Unternehmenschefs nicht. Was empfehlen Sie unseren Konzernlenkern: Die Zurückhaltung zu wahren oder mehr Präsenz zu zeigen?

Ulrich Sollmann (56) ist Psychotherapeut und Coach. Er beobachtet seit Jahren die Körpersprache von Politikern und Managern. Unter anderem berät er Vorstände von Dax-Unternehmen.
Sollmann: Ganz eindeutig: mehr Präsenz zu zeigen. Auch Chefs kommen in einer Medienwirklichkeit nicht daran vorbei, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen. Würden sie diesem Bedarf nicht gerecht werden, ihn ignorieren, ihn gar leugnen, produzieren sie ihr eigenes Medienproblem.

mm.de: Welche Vorteile hat es, wenn sich ein Topmanager in der Öffentlichkeit präsent macht?

Sollmann: Er wird wahrgenommen, kann strategische Interessen kundtun und bestenfalls seine Firma und seine Produkte populär machen. Außerdem hat er die Chance, Mitarbeiter zu motivieren, denen er im Unternehmen nicht persönlich begegnet. Das wirksamste Medium für solche Auftritte ist das Fernsehen. Eine Studie von 1995 zeigt: Je mehr ein Chef in Bildern präsent ist, - zunächst ganz unabhängig von der verbalen Botschaft -, desto eher wird er wieder erkannt und ist prominent.

mm.de: Darüber freut sich der Chef persönlich. Was bringen Medienauftritte der Leitenden dem Unternehmen?

Sollmann: Man sagt, dass der CEO etwa 25 Prozent des Firmenwerts verkörpert. Er ist also sehr wichtig, wenn es um das Unternehmen geht. Ferner handelt eine Vielzahl von Medienberichten über Unternehmungen vor allem vom Vorstand, und die Zahl dieser Berichte steigt ständig. Das heißt, ob er will oder nicht, der CEO befindet sich immer an vorderster Front.

Wenn er zwar schlaue Sätze sagt, sich aber gleichzeitig offensichtlich unwohl in seiner Haut fühlt, dann hat auch das Unternehmen ein Problem. Dies zeigt sich bei Präsentationen, wenn ein Vorstand rein auf der Sicherheit gebenden Ebene von Zahlen und Fakten verharrt. Diese Chefs erfüllen zwar ihren Job, so wie es von ihnen verlangt wird, ohne aber ihr Publikum auf einer tieferen Ebene als Menschen zu überzeugen. Unternehmen brauchen aber ein persönliches Gesicht, um in der Öffentlichkeit nachhaltig zu wirken.

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