Swiss Ex-Bahn-Manager soll Fluglinie retten

Die malade Schweizer Fluggesellschaft hat ihr Führungsproblem gelöst. Nachfolger des glücklosen Vorstandschef André Dosé wird Christoph Franz. Franz war wegen des komplizierten neuen Preissystems von der Deutschen Bahn entlassen worden.

Basel/Bern - Die angeschlagene Schweizer Fluggesellschaft Swiss hat den 43-jährigen Deutschen Christoph Franz zum neuen Konzern-Chef ernannt. Franz habe sich gegen sechs Mitbewerber durchgesetzt, teilte die Swiss am Montag mit. Er war an der Sanierung der Lufthansa beteiligt, wurde vor einem Jahr bei der Deutschen Bahn aber fristlos entlassen.

Schneller als erwartet wurde die Swiss damit bei der Suche nach einem Nachfolger von Andre Dose fündig. Franz wurde vom Verwaltungsrat der Airline zum neuen Konzernchef berufen. Verwaltungsratspräsident und Interim-Konzernchef Peter Bouw habe das Auswahlverfahren persönlich geleitet, hieß es in der Mitteilung.

Der Wahlausschuss habe dem Verwaltungsrat Franz einstimmig als neuen Konzernchef vorgeschlagen. Franz sei auf Grund seiner überzeugenden Persönlichkeit, seiner Leistungen als Manager in verschiedensten Bereichen des Transportwesens am Boden und in der Luft sowie seiner spezifischen Kenntnisse als Turn-around-Manager ausgewählt worden.

Der Verwaltungsrat sei überzeugt, dass Franz die Restrukturierung der Swiss erfolgreich abschließen und das Unternehmen richtig im Markt positionieren werde.

Franz war von 1992 bis 1994 an der Sanierung der deutschen Lufthansa  beteiligt gewesen, die nach dem Golfkrieg in eine schwere Krise geschlittert war. Als direkter Untergebener von Lufthansa-Chef Jürgen Weber gehörte er dem Team an, das die Sanierung plante und umsetzte. In der Folge wechselte Franz zur Deutschen Bahn, wo er während neun Jahren verschiedene Posten innehatte.

In seiner letzten Funktion als Chef Personenverkehr scheiterte Franz aber an dem von ihm verantworteten neuen Tarifsystem. Nach einem drastischen Umsatzeinbruch und immer lauter werdenden Kundenprotesten wurde Franz vor elf Monaten zusammen mit Marketingvorstand Hans-Gustav Koch fristlos entlassen.

Bei Swiss wartet auf den mit einer Französin verheirateten, fünffachen Familienvater eine schwierige Aufgabe. In den zwei Jahren seit ihrem Start hat die Fluggesellschaft einen Verlust von fast 1,7 Milliarden Franken (1,1 Milliarden Euro) eingeflogen und trotz diverser Restrukturierungen noch in keinem Quartal schwarze Zahlen geschrieben.

Das dank Milliardenzuschüssen von Bund und Wirtschaft einst üppige Eigenkapitalpolster wurde so weit aufgebraucht, dass bereits zwei Mal ein Kapitalschnitt nötig wurde. Die Banken sperren sich seit Monaten gegen einen neuen Betriebskredit über 300 Millionen Franken.