Skandal-Firma Wabag Strauß verkaufte Luftschlösser

Max Strauß ist wegen Beihilfe zum Betrug zu einer Geldstrafe von 300.000 Euro verurteilt worden. Der CSU-Mann hatte die Skandal-Firma Wabag unterstützt, die Anleger um 125 Millionen Euro erleichtert hat. Vor Gericht sorgte Strauß zeitweise für Heiterkeit.

München - Der Politikersohn Max Strauß ist wegen Beihilfe zum Betrug zu 300.000 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Das Landgericht München sprach ihn am Freitag schuldig, die betrügerische Anlagefirma Wabag AG jahrelang als Justiziar und Berater unterstützt zu haben. Verteidigung und Staatsanwaltschaft hatten sich im Vorfeld des Prozesses auf das Strafmaß geeinigt.

Strauß gestand zum Auftakt des nur zweistündigen Prozesses die Anklagevorwürfe in vollem Umfang. In einer von seinem Anwalt Wolfgang Dingfelder verlesenen Erklärung teilte er mit, er habe den Firmenchefs bei ihrem jahrelangen Betrug geholfen. "Die Schäden, die ich nicht beabsichtigt, aber für möglich gehalten habe, bedauere ich sehr." Laut Anklage hatte Strauß als Rechtsberater des Recyclingkonzerns Wabag geholfen, Aktionäre und Geldgeber um 125 Millionen Euro zu bringen. Unter ihnen war auch Strauß'Schwester, Bayerns Kultusministerin Monika Hohlmeier (CSU).

Als Grund für sein Verhalten nannte Strauß seine fortschreitende Erkrankung. Seine Anwaltszulassung habe er aus diesem Grunde auch im Juni vergangenen Jahres zurückgegeben.

Angeblich wollte die Wabag Recyclinganlagen und Biokraftwerke in Ostdeutschland bauen. In Wirklichkeit diente sie den - inzwischen zu acht Jahren Gefängnis verurteilten - Gründern dazu, sich persönlich zu bereichern. Das meiste Geld floss in deren luxuriösen Lebensstil und in die Verwaltung.

Das Kartenhaus brach 1999 zusammen, die Wabag meldete Insolvenz an. Laut Anklage wusste Strauß, dass alle Projekte "Luftschlösser" waren. Trotzdem habe er Geldgeber belogen und angeworben, Verträge entworfen und sich bei Politikern für Fördergelder eingesetzt. Für Heiterkeit sorgte Strauß, als er seinen Beruf achselzuckend mit "Patient" angab.

Schreibtisch des Vorstandschefs angemietet

Strauß muss sich seit Januar bereits vor dem Landgericht Augsburg wegen Steuerhinterziehung verantworten. Es bestand die Sorge, dass der psychisch erkrankte 44-Jährige zwei lange Prozesse gleichzeitig nicht durchhalten würde.

Die Wabag und ihre Tochterunternehmen waren früheren Strafurteilen zufolge lediglich Fassade. Den Gründern sei es nur darum gegangen, sich persönlich zu bereichern. Mit fingierten Leistungen und unter abenteuerlichen Vorwänden hätten sie die Kassen geplündert. Selbst "der Schreibtisch und Stuhl des Vorstandsvorsitzenden mussten angemietet werden". Als der Vorstandschef der Tochtergesellschaft Trentec AG die Buchhaltung einsehen wollte, wurde er laut Anklage von Strauß gefeuert.

Laut Anklage hatte Strauß die Verträge der Wabag mit Töchtern und Geschäftspartnern entworfen, Prozesse für sie geführt und potenzielle Geldgeber belogen. Als Sohn des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß habe er bei Politikern öffentliche Fördermittel für Wabag-Töchter gefordert.

Die Frau des sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf drängte er 1997 um "Intervention auf der Vorstandsebene" der Landesbank, vom damaligen Bonner Agrarstaatssekretär Wolfgang Gröbl fordert er Bundesmittel - in beiden Fällen vergeblich.

Aktionäre und Investoren hatten rund 105 Millionen Euro in die Wabag-Gruppe eingezahlt, weitere 20 Millionen flossen ihr als Subventionen und Kredite zu. Doch nur ein Fünftel der Gelder wurde tatsächlich investiert. "Die Anlegergelder sind vollständig verloren", sagte Staatsanwalt Klaus Ruhland. "Strauß waren diese Umstände im wesentlichen von Anfang an bekannt", und er habe das "zumindest billigend in Kauf" genommen.