Dienstag, 10. Dezember 2019

Familie von Thurn und Taxis Donner und Gloria

Wild, schrill, sorglos: Einst war Gloria von Thurn und Taxis der Paradiesvogel unter Deutschlands Blaublütern. Dann verschaffte sich Durchlaucht mit unternehmerischem Weitsinn Respekt. Ihre Nachkömmlinge lassen die Sturm- und Drangzeit weitestgehend aus.

Hamburg - Als Gloria von Thurn und Taxis Ende der 80er Jahre in einer Talkshow des Norddeutschen Rundfunks saß, plauderte sie über ihren "Goldie", ließ Sprüche fallen wie "lieber Feste feiern als feste arbeiten" und war alles in allem herrlich erfrischend, dabei allerdings nicht ganz ernst zu nehmen. Ihre Haare strebten dem Himmel entgegen und "Goldie" war nicht etwa ein Hamster, sondern ihr 34 Jahre älterer Ehemann - Johannes Baptista de Jesus Maria Louis Miguel Friedrich Bonifazius Lamoral Fürst von Thurn und Taxis.

Mittlerweile knallharte Geschäftsfrau: Fürstin Gloria von Thurn und Taxis
Die Fürstin, geborene Gräfin von Schönburg zu Glauchau und Waldenburg, war eine Betriebsnudel, eine Mischung aus Punk und Edel-Käthe. Im Fragebogen der "FAZ" gab sie auf die Frage, was sie sein möchte, zur Antwort: "Ein Elefant im Porzellanladen". Markenzeichen: ausgefallene Kleidung, markige Sprüche und herzhaftes Lachen.

Das Lachen blieb ihr erhalten, ansonsten hat sich das Oberhaupt der 500 Jahre alten Dynastie, die in Deutschland das moderne Postsystem erfand, im vergangenen Jahrzehnt um 180 Grad gewandelt. Ein Anlass zur Wende dürfte der Tod ihres Gatten im Jahre 1990 gewesen sein. Der Patriarch hinterließ ihr mit 28.000 Hektar Europas größten Waldbesitz (drei mal so groß wie Sylt), daneben ein Sammelsurium aus 50 mittelständischen Industrieunternehmen wie dem Automobilzulieferer Doduco, Brauereien oder Sägewerken.

Nieten in Nadelstreifen durchschaut

Bis zum Jahr 2001, als der einzige Sohn Fürst Albert Volljährigkeit erlangte, wurde seine Mutter mit der Leitung des Familienkonzerns betraut. Für ihren Filius und sein Vermögen legte sich Gloria mächtig ins Zeug. Denn abgesehen von dem Milliardenbesitz war die Familie nicht sonderlich liquide. Zu 400 Millionen Euro Schulden gesellte sich noch eine saftige Erbschaftsteuer.

[M] DDP; DPA; mm.de
Von Siegern und Verlierern

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Die Fürstin nahm Nachhilfeunterricht in Betriebswirtschaftslehre. Bald durchschaute sie, dass Nieten in Nadelstreifen den Familienbesitz managten. Sie wurden gnadenlos geschasst. In kurzer Zeit mauserte sich die flippige Fürstin zur knallharten Geschäftsfrau mit ganz konkreten Vorstellungen: "Zurück zu den Wurzeln", lautete ihre Devise. Sie wollte das Geschäft wieder auf den konservativen Kern konzentrieren - auf die Verwaltung von Immobilien, Land- und Forstwirtschaft. Alle unsicheren und unrentablen Firmenteile stieß sie ab; verkauft wurden Firmen in Pforzheim, die T&T-Bank und die Brauerei. Zahlreiche Beteiligungen, vor allem im Bereich Finanzdienstleistungen, wurden aufgegeben. Ein Teil des Hofstaats auf Schloss St. Emmeram in Regensburg, dem Stammsitz der Familie, wurde entlassen.

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