Sonntag, 15. September 2019

Familie von Thurn und Taxis Donner und Gloria

2. Teil: Forstverkauf an Pillenbaron Merckle

"Ihre Durchlaucht räumt auf", titelte der SPIEGEL. Gloria von Thurn und Taxis ließ ihr Tafelsilber bei Sotheby's versteigern. Unter anderem wechselte ihr Hochzeitsdiadem den Besitzer. Der Erlös aus Tauf- und Tafelgeschirr, Möbeln und Porzellan betrug 26 Millionen Euro. 2200 Erbstücke verkaufte sie an den bayerischen Staat und beglich damit die Erbschaftsteuer von 22 Millionen Euro. Von allen Seiten hagelte es Kritik für diesen Ausverkauf. Doch sie blieb kühl: Wenn ihr Sohn später einmal Silberterrinen brauche, könne er die ersteigern. "Einen Forst aber kann er dann nicht mehr kaufen."

Adeliges Trio: Fürstin Gloria von Thurn und Taxis und ihre Töchter Elisabeth (m.) und Maria-Theresia (r.)
Ein erstaunliches Zitat. Schließlich mehren sich die Anzeichen, dass ihre Durchlaucht sich von immerhin 3000 Hektar Waldbesitz getrennt hat. Die Fläche im schwäbischen Landkreis Heidenheim soll der Pillenbaron Adolf Merckle gekauft haben. Eine offizielle Bestätigung des Gerüchts gab es bisher nicht.

Nachdem die Sanierung der Finanzen des Schlosses weitestgehend abgeschlossen war, plante Gloria die erweiterte Nutzung von St. Emmeram - mit 37.000 Quadratmetern Deutschlands größter Schlosskomplex - und erschloss weite Teile als Büroräume, in denen nun Anwälte, Steuerberater, eine Schweizer Bank und ein wissenschaftliches Bankeninstitut residieren.

Lässiges Strandhaus an Kenias Küste

Ebenso öffnete ihre Durchlaucht das Schloss für exklusive Veranstaltungen wie für Festspiele, Gartenmöbel-Schauen, Firmenfeiern und Silvesterpartys. Wer möchte, kann sogar in den Gemächern übernachten. Ganz billig ist das königliche Vergnügen nicht: Wer mit Entourage Quartier nehmen will, der muss zwischen 6000 und 30.000 Euro berappen. Dafür lässt es sich dann auf original Seegras-Matratzen und unter einem Baldachin schlafen.

Die Wandlung vom Saulus zum Paulus hat die Fürstin indes nicht vollständig vollzogen. Ein lässiges Strandhaus am pulverigen Strand an Kenias Küste, 470 Quadratmeter groß, genügte gerade ihren Ansprüchen - inklusive repräsentativen Anbauten für die Töchter, den hübschen Prinzessinnen Maria Theresia und Elisabeth sowie Glorias Bruder Graf Alexander, der 2002 Opfer einer Entlassungswelle bei der "FAZ" wurde.

Dass Ihre Durchlaucht ausgerechnet in Kenia einen Palast bauen ließ, kommentieren Mitglieder der Adelsgesellschaft mit dem Motto "Back to the roots". Schließlich wuchs Gloria, in Stuttgart geboren, in Kenias Nachbarland Somalia auf, wo ihr Vater als Entwicklungshelfer und Journalist arbeitete.

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