Dienstag, 19. November 2019

Klaus-Michael Kühne King of the Road

Es gibt nur wenige Unternehmer, die Teile ihres Konzerns zweimal verkaufen und sich dann erneut eines Besseren besinnen. Der gebürtige Bremer Klaus-Michael Kühne ist so ein Fall. Mehrfach musste er sein Logistikunternehmen vor dem Untergang retten. Heute fährt die Spedition Kühne + Nagel Rekordgewinne ein.

Hamburg - Was lösen so wohlklingende Namen wie "Mercedes", "Anauticum", "Turicum", "Mediolanum" oder "Ivory Sun" bei Klaus-Michael Kühne aus? Sicherlich nichts Gutes.

Klaus-Michael Kühne: Frachter brachten ihm kein Glück
Er wird nicht umhin kommen, an Fehlkalkulation, Misswirtschaft, Niedergang und nahen Untergang zu denken. An Desaster und Demütigung, kurz: an die größte geschäftliche Niederlage seines Lebens.

Denn die Namen schmückten die Schiffe seiner Reederei. Die brachte ihm kein Glück. 1981 war das Schicksalsjahr, in dem der heute 66-Jährige wie er rückblickend sagt "durchs Fegefeuer ging".

Anfang der 70er Jahre hatte sich Klaus-Michael Kühne einen Traum erfüllt: Der Chef der Bremer Kühne + Nagel-Gruppe gründete im steuergünstigen Panama die Reederei "Scalottas". Seine hanseatische Familie hatte über Generationen eine erfolgreiche Spedition aufgebaut. August Kühne und Friedrich Nagel hatten den Zweimannbetrieb im Jahr 1890 aus der Taufe gehoben. Klaus-Michael Kühne wollte sie nun mit der hauseigenen Schiffsflotte krönen. Doch das Unternehmen schlug fehl, Kühne wählte für sein Vorhaben den falschen Zeitpunkt.

Ein Traum bringt 100 Millionen Miese

Infolge der ersten Ölkrise brachen die Frachtpreise auf den Weltmeeren zusammen. Seine Dampfer schipperten zehn verlustreiche Jahre um den Erdball. Kühne musste die Schiffe verkaufen und machte damit weitere Verluste. Es häufte sich ein Schuldenberg von 100 Millionen Euro an.

[M] DDP; DPA; mm.de
Von Siegern und Verlierern

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"1981 war die Lage des Unternehmens fünf Monate lang kritisch", sagt er rückblickend. 23 Gläubigerbanken drängten zum Verkauf der Traditionsfirma, die bis dahin fest in Kühnes Hand war. Er musste handeln. "Es gab 70 Offerten, 20 davon waren seriös." Am Ende erhielt die britische Lonrho-Gruppe den Zuschlag. Sie übernahm 50 Prozent, ließ aber wenigstens die unternehmerische Verantwortung bei Kühne. Der Enkel des Unternehmensgründers August Kühne verlor viel, gewann dafür aber jede Menge Erfahrungen fürs Leben.

Die setzte Kühne in den folgenden Jahren gewinnbringend ein. Immer wieder stellte er sein geschärftes unternehmerisches Gespür unter Beweis. Mit Erfolg trieb Kühne den Wandel vom klassischen Spediteur zum Anbieter logistischer Dienstleistungen voran. Er investierte in weltumspannende Verteilerzentren und in die dazugehörige Informationstechnik.

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