BBDO Kreativrevolution im Keim erstickt

Sie galten als Hoffnungsträger des Werbegiganten BBDO: Mit horrenden Summen wurden André Kemper und Hubertus von Lobenstein vor gut einem Jahr als kreatives Duo an den Rhein geholt, um die biedere Agentur aufzumischen. Jetzt fand die Ära Kemper/von Lobenstein ein jähes Ende.
Von Martin Scheele

Düsseldorf - Der Werberiese BBDO kommt seit Jahren nicht zur Ruhe. Seit 1999 hat Allen Rosenshine, Chairman und CEO von BBDO Worldwide, gleich dreimal das deutsche Management ausgewechselt und dabei jeweils die Firmenkultur stark umgeformt.

Auf der Suche nach Identität probierte es Rosenshine erst mit einem Traditionalisten (Anton Hildmann), dann mit einem Berater (Uwe Schmidt) und schließlich mit einem PR-Mann (Rainer Zimmermann). Schließlich befand Rosenshine, junge Radikale seien dran. So wurden André Kemper von Springer & Jacoby und Hubertus von Lobenstein von Saatchi & Saatchi Ende 2002 abgeworben.

Das Duo wurde nach Informationen vom manager magazin mit einem Grundgehalt von etwa 550.000 Euro und einer dividendenstarken Beteiligung an BBDO Deutschland von je 1,5 Prozent ausgestattet .

Kemper und Trautmann wollen Agentur gründen

Zum Aufwärmen sollten sich Kemper und von Lobenstein als Geschäftsführer der BBDO Campaign bewähren. Die Abteilung beeinhaltet das klassische Werbegeschäft. Einst größter Umsatzbringer, trägt BBDO Campaign heute nur noch etwa 18 Prozent zum Umsatz bei. Die gesamte, als bieder und verstaubt geltende Werbegruppe beschäftigt 3500 Angestellte und setzt rund 320 Millionen Euro um. Unter den Kunden finden sich Namen wie Allianz , Dr. Oetker, Henkel , Wrigley  und PepsiCo .

Mit der Doppelspitze wird es nun nichts. Nach Informationen von manager-magazin.de verlassen die prominenten Werbefachleute die BBDO. Diesen Bericht bestätigte BBDO am späten Nachmittag mit einer Pressemitteilung.

Wie manager-magazin.de erfuhr, hat sich von Lobenstein mit den dominanten Chefs der zahlreichen BBDO-Tochterfirmen überworfen. Kemper hingegen geht freiwillig und gründet mit dem bisherigen Audi-Marktingchef Michael Trautmann eine Agentur in Hamburg. Trautmann und Kemper kennen sich aus gemeinsamen Zeiten von Springer & Jacoby.

"Lobenstein hat immer wieder Stress mit den Leitern der Tochtergesellschaften bekommen", so ein Insider. In den vergangenen Tagen sei der Streit eskaliert. Der einflussreiche Michael Raum von der Tochter Sellbytel in Nürnberg galt als einer der schärfsten Kritiker von Lobenstein. "Lobensteins Freiherren-Attitüde ärgerte viele", so der Unternehmenskenner gegenüber manager-magazin.de.

"Göttgens wird wohl Primus inter Pares"

Bei Kemper war es offenkundig nicht nur der Wunsch, sich selbstständig zu machen. Im Vordergrund stand ein anderer Grund - er hatte Heimweh nach Hamburg. "Er ist seiner Heimat immer noch stark verbunden, wollte unbedingt in die Hansestadt wieder zurück", so ein Vertrauter. BBDO war ihm damals schon entgegengekommen und hatte für ihn in Hamburg vorübergehend eine Zweigstelle eingerichtet.

Bei Rosenshine, so der Unternehmensinsider weiter, machten sich schon im Februar Zweifel breit, ob die beiden die Richtigen für die oberste Führungsetage seien. Der Fall Sixt könnte dabei eine ausschlaggebende Rolle für die angestrebte Trennung gespielt haben.

Zum Hintergrund: Die Hamburger Werbeagentur Jung von Matt warf dem Düsseldorfer Wettbewerber BBDO vor, mit sittenwidrigen Mitteln ihren langjährigen Kunden Sixt  abspenstig gemacht zu haben. Kemper habe dem Autovermieter angeboten, drei Jahre umsonst zu arbeiten und darüber hinaus auch die Abfindungskosten für Jung von Matt (JvM) zu übernehmen. JvM und Sixt hatten ihren Werbevertrag gerade bis 2005 verlängert.

Keine disziplinarischen Maßnahmen

Der Ältestenrat des Gesamtverbandes Kommunikationsagenturen (GWA) hatte allerdings keine disziplinarischen Maßnahmen gegen BBDO und Jung von Matt beschlossen.

Jedoch formulierte der GWA eindeutig: "BBDO hat den Etat einer anderen Mitgliedsagentur mit einem die Statuten des GWA verletzenden preisaggressiven Angebot angegriffen". Im Gegenzug wurde Jung von Matt dafür kritisiert, "überzogene Vorwürfe öffentlich gemacht zu haben, anstatt eine interne Lösung anzustreben".

Gesamtchef Allen Rosenshine war heute nach Düsseldorf gereist und hatte mit von Lobenstein und Kemper über Ausstiegsklauseln und Abfindungen beraten. Rosenshine präsentierte am späten Nachmittag mit Olaf Göttgens, Chef der ertragsstarken BBDO Consulting, nun den neuen Deutschlandchef. Wie manager-magazin.de aus informierten Kreisen erfuhrt wird Göttgens wohl Primus inter Pares werden. Ihm zur Seite sollen in Zukunft Holdinggeschäftsführer Udo Klein-Bölting und der Finanzmann Wilfried Hut gestellt werden, heißt es.

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