US-Rekordgehälter Kein Ende der Gier in Sicht

Nach den jüngsten Gehaltsskandalen wollten sich die Chefs der US-Finanzkonzerne eigentlich mäßigen. Tatsächlich aber genehmigten sich die Herren des Geldes die höchsten Gehälter, die jemals gezahlt wurden. Allein Citgroup-Chef Sanford Weill kassierte fast 45 Millionen Dollar.

New York - Sanford Weill, Chairman der Citigroup , erhielt für das vergangene Jahr 30 Millionen Dollar cash und 14 Millionen an Aktienoptionen, zusammen rund 16 Millionen mehr als im Vorjahr.

Sein Kollege Stanley O'Neill, Chef von Merrill Lynch , bekam von seinem Unternehmen 28 Millionen Dollar. Bear Stearns , eine der größten Investmentbanken, überwies ihrem Vorstandsvorsitzenden James Cayne 27 Millionen Dollar - rund drei Mal so viel wie im Jahr 2002.

Die Unternehmen rechtfertigen die satten Zahlungen mit Gewinnsteigerungen. Die Gehaltsaufschläge gingen Hand in Hand mit dem Plus in der Bilanz.

Tatsächlich konnten Citigroup, Merrill Lynch und Bear Stearns 2003 mehr Gewinne einfahren als im Jahr zuvor (siehe Tabelle). Doch andere Konzerne, denen das ebenfalls gelang, gingen einen anderen Weg. American Express  etwa verbuchte ein Plus von 36 Prozent - und kappte das Gehalt seines Vorstands dennoch um 18 Prozent.

"Ich kann bei den Banken keine Veränderung der Bezahlungsphilosophie erkennen", kommentiert der Finanzberater Alan Johnson die Bezüge gegenüber der "New York Times". "An der Wall Street hat schon immer eine Pay-for-Performance-Mentalität geherrscht. Ich war nur überrascht, wie ausgeprägt sie diesmal war."

"Manche essen vom goldenen Teller"

Außerhalb der Finanzbranche sind solche Rekordgehälter tatsächlich nicht üblich. Das beweist eine Studie der Analysten von Pearl Meyer & Partners in Manhattan. Bei einer Untersuchung der 50 größten US-Unternehmen zeigte sich, dass die Vergütung ihrer Vorstände für das vergangene Jahr im Durchschnitt um acht Prozent geringer war als 2002. Und die Gewinnsteigerung der Banken lässt Pearl Meyer als Argument nicht gelten. "Was uns die Firmen als tolle Performance verkaufen, verteidigt noch lange nicht diese übertriebene Bezahlung", so Meyer.

Auch andere Analysten beurteilen die Mega-Gehälter kritisch. "Es gibt reichlich Unternehmen, die die Party auf dem Rücken derer feiern, die zuvor outgesourced, gekündigt oder auf andere Art geschasst wurden", bestätigt Finanzberater Brian Foley. "Manche essen vom goldenen Teller, während für andere nur die kümmerlichen Reste bleiben."

Merrill Lynch etwa hat in den vergangenen Jahren rund 20.000 Leute entlassen. Um einen Kommentar gebeten, wies ein Sprecher des Unternehmens darauf hin, dass es seit Mitte letzten Jahres keine Entlassungen mehr gegeben habe. Und vielleicht würde man in diesem Jahr auch wieder einige Leute einstellen.

Die bestbezahlten Manager der Wall Street

Unternehmen Manager Vergütung 2000* Vergütung 2003* Gewinn 2000** Gewinn 2003**
Citigroup Sanford Weill 28,6 44,7 13,5 17,9
Merrill Lynch Stanley O'Neill 32,5 28 3,8 4,0
Bear Stearns James Cayne 23,0 26,8 0,8 1,2
Goldman Sachs Henry Paulson 21,9 20,0 3,1 3,0
J.P. Morgan Chase Bill Harrison 17,7 20,0 5,7 6,7
*in Millionen US-Dollar, **in Milliarden US-Dollar
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