Montag, 23. September 2019

Friedrich Christian Flick Kunstsammler mit Altlasten

Das ererbte Familienvermögen macht Friedrich Christian Flick nicht nur Freude. Viele Jahre vergingen, bis es "Mick" gelang, seine umfangreiche Kunstsammlung einer breiteren Öffentlichkeit zu zeigen. Die dunkle Vergangenheit der Großvätergeneration ist dabei eine schwere Bürde.

Hamburg - Friedrich Christian (Mick) gilt als kontaktfähiger Antreiber, sein um ein Jahr älterer Bruder Gert-Rudolf (Muck) als stiller Stratege. Gemeinsam haben sie es geschafft, ihrem Onkel Friedrich Karl Flick, dem letzten Lenker des Flick-Konzerns, ein Milliardenvermögen abzuringen. "Gerechtes Erbteil" - so heißt das wohl im Sprachgebrauch der beiden Flicks. Von harter Arbeit zu sprechen, wäre auch gewiss nicht ganz zutreffend.

Kunstsammler und Mäzen: Friedrich Christian Flick
Wie der ältere Muck besucht auch Mick zunächst das Düsseldorfer Comenius-Gymnasium. Nach erfolgreicher Reifeprüfung wendet er sich dem Studium der Rechtswissenschaften zu. Nach acht Semestern an der Universität München geht er als Direktionsassistent zur Münchner Glühlampenfirma Osram. Nach zwei weiteren Semestern an der Universität Hamburg promovierte er mit einer Dissertation über "Auslandsinvestitionen in einem Entwicklungsland - Eine Darstellung am Beispiel des Iran" zum Dr. jur.

1966 - Mick ist 22 Jahre alt - erhalten er und Muck je 12,12 Prozent der Anteile der Friedrich Flick KG. Es ist das Jahr, in dem ihr Vater Otto-Ernst Flick nach langem und heftigem Gerangel mit ihrem Großvater Friedrich, dem Patriarchen und Firmengründer, gegen eine Barabfindung von 80 Millionen Mark aus dem Unternehmen scheidet.

Im Flick-Konzern nichts zu melden

Ins Konzerngeschehen wollen - und dürfen - die Brüder aber noch nicht eingreifen. Ihr Startschuss fällt erst zu Beginn der 70er Jahre. Ein Jahr nach Muck rückt auch Mick im September 1972 in die Geschäftsleitung ein - und hat sogleich mit denselben Schwierigkeiten zu kämpfen wie sein Bruder Gert-Rudolf.

[M] DDP; DPA; mm.de
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Seinen Onkel und neuen Chef bekommt auch Friedrich Christian fast nie zu Gesicht. Stattdessen sehen sich beide Jungmanager erfahrenen Strategen wie Konrad Kaletsch und später Eberhard von Brauchitsch gegenüber. Mit Entscheidungen von Tragweite werden weder Muck noch Mick betraut. Tief gekränkt nutzen sie die erstbeste Gelegenheit, sich mit dem "Goldenen Handschlag" zu verabschieden.

Die kaum 30-jährigen Multimillionäre FCF und GRF - solche Abkürzungen sind in der Familie durchaus gebräuchlich - knüpfen bei der Anlage ihres Vermögens dort an, wo schon der Vater eigenes Geld investiert hatte. Sie kaufen Farm- und Weideland in den USA, darunter mehr als 10.000 Hektar im Bundesstaat Kansas. Dort lassen die Brüder auf den riesigen Ländereien unter anderem Öl fördern.

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