Samstag, 21. September 2019

Friedrich Christian Flick Kunstsammler mit Altlasten

2. Teil: Dolce Vita statt unternehmerisches Engagement

Darüber hinaus beteiligen sich die jungen Flicks an fünf kleineren Industriefirmen, etwa der Foredom Electric Company (Zahnarztzubehör) in Connecticut. Größere unternehmerische Engagements scheuen sie, High-Society-Partys hingegen lassen sie sehr zur Freude der Boulevard-Presse selten aus.

Kein Cent für Zwangsarbeiter: Friedrich Karl Flick
1978 gibt Friedrich Christian das bewegte Junggesellenleben auf und heiratet ein spanisches Topmodel. Die Verbindung währt nur kurz, 1985 unternimmt Mick einen zweiten Anlauf. Auf der Hochzeit von Thurn und Taxis - Gloria ehelichte ihren "Goldie", den inzwischen verstorbenen Fürsten Johannes - hatte er eine Gräfin kennen und lieben gelernt. Doch auch diese Ehe zerbricht.

Mit großen Geschäften ist Mick seit dem Feldmühle-Nobel-Deal vor rund 15 Jahren - 40 Prozent der Anteile verkauften die Flick-Brüder für 150 Millionen Euro an die damalige Veba - nicht mehr in Erscheinung getreten. Dafür hat sich der milliardenschwere Privatier, dem das Jetset-Leben gut vertraut ist, inzwischen einen Ruf als großer Kunstsammler erworben. Der Auslöser zu dieser Leidenschaft soll das Bild "Kleiner Akt" von Gerhard Richter gewesen sein. "Es war die Frau, die ihn interessierte", plauderte ein Schweizer Galerist, der Flick das Original verkaufte, einst aus.

"An verschlüsselten Werken interessiert"

Micks persönliches Auswahlkriterium für seine exorbitante Kollektion ist komplexer Natur: "Ich bin an verschlüsselten Werken interessiert, solchen, die sich nicht sogleich von der Oberfläche her erschließen, wo es fürs Denken Knackpunkte gibt."

Wie besessen kauft Mick Meister der Gegenwartskunst, Werke von Twombly, Kippenberger oder seinem Lieblingskünstler Bruce Naumann. Die Beschäftigung mit Kunst sei ihm inzwischen eine der Grundlagen seines Seins geworden, verkündete der Sammler vor einiger Zeit.

Entstanden ist im Laufe der Jahre eine 2000 Werke umfassende Sammlung, die Flick jahrelang Museen in Europa und USA anbot. Doch die Herkunft von Teilen seines Erbes aus Nazi-Geschäften und Zwangsarbeit ließ die meisten Partner auf Distanz gehen. Besonders schrill fiel der Protest in Zürich aus, als bekannt wurde, dass Flick ein Museum für seine Sammlung plane.

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