Mittwoch, 26. Juni 2019

Management Das Geheimnis des Aldi-Erfolgs

So mythenumwoben wie seine Gründer sind auch Strategie und Struktur des Aldi-Imperiums. Nur wenige wissen, wie der Discounter im Innersten tickt. Aldi-Insider Dieter Brandes legt offen, welchen Managementprinzipien Theo und Karl Albrecht ihren Erfolg verdanken.

Aldis Erfolgsstory ist eine Lehre von der Einfachheit. Alles wird in diesem Unternehmen davon bestimmt. Einfach machen bedeutet: Man muss so lange streichen, bis man nichts mehr weglassen kann, ohne das Wesen zu verändern.

Dieter Brandes war als Geschäftsführer und Mitglied des Verwaltungsrates Aldi Nord verantwortlich für Unternehmensentwicklung. Heute ist er Berater für Strategie und Organisation.
Aldi hat zu seinen Mitarbeitern ein gutes Vertrauensverhältnis aufgebaut. Vertrauen reduziert die Komplexität. Mitarbeiter und Manager verfügen über klar umrissene Entscheidungsbefugnisse.

Ziele wurden nie schriftlich formuliert. Die Ziele sind: niedrigster Preis, beste Qualität, geringste Kosten. Der Kern der Einfachheit liegt in den einfachen und klar verständlichen Zielen.

Einfachheit ist nicht leicht. Das ist kein Kratzen an der Oberfläche, sondern mit der Einfachheit dringt man tief ein ins Fleisch. Zwei entscheidende Komponenten machen die Einfachheit aus: Klarheit und Verzicht.

Erst wenn man sich darüber klar geworden ist, was man wirklich will und warum man es will, kann man den einfachen Weg gehen. Nur der Verzicht ermöglicht die Einfachheit. Nur die Klarheit sagt mir, worauf ich verzichten kann.

Im Aldi-Alltag liefern praktische Detailregelungen den Beweis für die Einfachheit. Sie sind in der folgenden Übersicht aufgelistet:

  • Es gibt keine starken Zentralbereiche wie Marketing, Controlling, Information Systems, Public Relations, Werbung, Rechtsabteilung und keine Stabsstellen.
  • Es gelten klare Ziele und Kompetenzen für alle, die auch strikt eingehalten werden.
  • Die Unternehmensorganisation ist durch eine flache Hierarchie gekennzeichnet sowie durch die Prinzipien der Dezentralisation und Delegation.
  • Es werden wenige Statistiken erstellt, hinzu kommt ein bewusster Verzicht auf regelmäßige Erhebung und Auswertung aller denkbaren Daten.
  • Es gibt keine komplexen Einkaufskonditionen.
  • Die Neuaufnahme von Artikeln erfolgt erst nach einem Test in drei Läden. Damit wird die Belastung der gesamten Organisation mit einem eventuellen Flop vermieden.
  • Der Verkauf erfolgt aus dem Karton, die Belieferung ausschließlich auf Paletten.
  • Die Waren werden im Laden grundsätzlich nach logistischen Überlegungen platziert, um die Arbeit zu erleichtern und die Produktivität zu steigern.

© manager magazin 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung