EM.TV Klatten scheidet als Eigentümer aus

Werner Klatten hat seinen kompletten Anteil an dem angeschlagenen Münchener Medienunternehmen abgegeben. Sein Aktienpaket von 24,8 Prozent ging an eine Luxemburger Risikokapitalgesellschaft.

München - Das Aktienpaket von 24,8 Prozent ging am Dienstag an die Luxemburger Risikokapitalgesellschaft Constant Ventures über, die Klattens Einstieg bei EM.TV  vor zwei Jahren mit einem Wandeldarlehen finanziert hatte.

Die Gesellschaft habe nun den Kredit vereinbarungsgemäß in eine eigene Beteiligung an EM.TV umgewandelt, nachdem der Kurs des Medienunternehmens sich nicht wie von Klatten erhofft entwickelt habe. Die Bekanntgabe der Anteilsübertragung erfolgte einen Tag vor dem Ende der letzten Kulanzfrist für die Gläubiger der 469 Millionen Euro hohen Wandelanleihe von EM.TV, die einst der frühere Firmenchef Thomas Haffa aufnehmen ließ.

Nachdem EM.TV die Anleihe nicht zurückzahlen konnte, hatten rund 95 Prozent der Gläubiger einem Rettungsplan zugestimmt, mit dem sie auf gut die Hälfte ihrer Ansprüche verzichten, dafür aber 60 Prozent von EM.TV erhalten. Andernfalls hätte dem Unternehmen die Insolvenz gedroht.

Das Klatten-Paket wird verkauft

Im Zuge der Anleihenvereinbarung sinkt damit auch das bisher von Klatten gehaltene Paket von 36,2 Millionen Aktien auf einen Unternehmensanteil von knapp 10 Prozent. Klattens Kreditgeber Constant Ventures erklärte, mit "der damit einhergehenden Verwässerung" des Klatten-Anteils "wollen wir unser Engagement beenden". Die Kapitalfinanzierungsgesellschaft will deshalb die EM.TV-Aktien mittelfristig mit Hilfe einer deutschen Großbank "kursschonend" weiterveräußern.

Klatten versicherte, sein Engagement als Vorstandschef sei von der Anteilsübertragung nicht berührt. "Ich habe dem Aufsichtsrat zugesichert, EM.TV nach der erfolgreichen Sanierung in meiner jetzigen Position auf dem Weg zu einem profitablen Medienunternehmen weiter anzugehören", sagte Klatten.

"Mein Investment war von Beginn an vollständig mittels eines Wandeldarlehens fremdfinanziert", fügte er hinzu. Er habe seine persönliche Gewinnerwartung jedoch wegen nicht vorhersehbarer hoher Sonderabschreibungen nicht erreichen können. Klatten verwies insbesondere auf die Pleite des Kirch-Konzerns, die zu Einbußen beim Verkauf der Formel-1-Beteiligung geführt habe und ebenso zu Mindereinnahmen im Geschäft mit dem Digitalfernsehsender Premiere, dem EM.TV Kinderprogramme zuliefert.

Klatten hatte vor einem Monat auf der Hauptversammlung erfolgreich für die Zustimmung zu seinem Sanierungsplan gekämpft. Er hatte dabei betont, dass EM.TV ohne das Anleiheproblem ein komplett saniertes Unternehmen mit attraktiven Perspektiven sei. Die Vermarktung der Fußball-WM 2006 lasse satte Erträge erwarten, das Deutsche Sportfernsehen (DSF), an dem EM.TV mit über einem Drittel beteiligt ist, schreibe schwarze Zahlen. Im Jahr 2005 will auch EM.TV die Gewinnzone erreichen.

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