Stadionaffäre Der "König der Löwen" geht

Karl-Heinz Wildmoser senior ist über die Schmiergeldaffäre um den Münchener Stadionbau gestolpert. Er tritt vom Amt des Präsidenten des TSV 1860 München zurück. Die Fans feiern den Abschied auf ihre Weise.

München - Nach der Schmiergeldaffäre um den Münchener Stadionbau hat der unter Korruptionsverdacht stehende Präsident des TSV 1860 seinen Rücktritt erklärt. Die Trennung vom bisherigen "Löwen"-Chef ist am Montagabend einvernehmlich auf der Aufsichtsratssitzung des Fußballvereins beschlossen worden. Die bisherigen Vize-Präsidenten Kurt Sieber und Paul Wonhas traten ebenfalls zurück.

Der Salzburger Baukonzern Alpine soll an eine Dresdner Wildmoser-Firma und zwei weitere Tatverdächtige insgesamt Schmiergelder in Höhe von 2,8 Millionen Euro im Zusammenhang mit der Auftragsvergabe für die neue Fußballarena von FC Bayern und TSV 1860 gezahlt haben.

Nachfolger wird nach Angaben der bayerischen Kultusministerin Monika Hohlmeier, die ebenfalls dem Gremium angehört, der Fleischwaren-Fabrikant Karl Auer. Auch dieser zählte bereits bisher wie sein künftiger "Vize", der ehemalige Kultusminister Hans Zehetmair, zum Aufsichtsrat.

Zwischen Zweifel und Kampfeslust

Wildmoser, der am Wochenende noch selbstbewusst durch die Fernsehstudios getingelt war, hatte vor der alles entscheidenden Konferenz verlauten lassen, er wolle seinen Verbleib als Präsident von der Atmosphäre bei der Aufsichtsratssitzung abhängig machen. "Ich bin im Zweifel, was ich tun soll", sagte der "Löwen"-Präsident. Dann jedoch wieder gewohnt kämpferisch: "Wenn mir einer blöd kommt, stehe ich auf und gehe. In so einem Amt bist du letztlich eine Marionette."

Mit seinen medialen Verbal-Attacken gegen Franz Beckenbauer und Karl-Heinz Rummenigge vom Wochenende hatte er auch den FC Bayern, mit dem die "Löwen" gemeinsam das neue Münchner Stadion bauen, gegen sich aufgebracht.

FC Bayern will gegen Wildmoser junior klagen

Bayern-Präsident Beckenbauer, dem Wildmoser "Steuergeschichten" vorwarf, sagte als Reaktion den geplanten gemeinsamen Auftritt im Bayerischen Fernsehen ab. "Solange die Vorwürfe gegen Herrn Wildmoser bestehen, werden wir uns mit ihm nicht mehr an einen Tisch setzen, dafür ist zu viel vorgefallen", sagte Manager Uli Hoeneß.

Gegen Karl-Heinz Wildmoser junior wollen die Bayern in der Schmiergeldaffäre um das Münchner WM-Stadion gerichtlich vorgehen, kündigte Hoeneß an. Auch dem Senior droht eine Zivilklage, wenn sich die Vorwürfe gegen ihn bestätigen.

Wildmoser junior, der als Hauptbeschuldigter in der Schmiergeld-Affäre gilt, war am vergangenen Freitag von den Gesellschaftern der Stadion GmbH als Geschäftsführer abgesetzt worden. Die Stadion GmbH ist Bauherrin der neuen "Allianz Arena". Die beiden Münchner Bundesliga-Vereine FC Bayern und TSV 1860 sind zu je 50 Prozent an der Stadion GmbH beteiligt.

"Wildmoser ist als Präsident nicht mehr tragbar"

Oberbürgermeister Christian Ude hatte sich bereits vor der Sitzung klar für einen Sturz Wildmosers ausgesprochen: "Er ist als Präsident nicht mehr tragbar", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". In der "Abendzeitung" legte er nach: "Die Zeit des Monarchen ist vorbei."

Seit der Verhaftung des 64 Jahre alten "Löwen"-Chefs am vorigen Dienstag hat Ude seine harte Haltung nicht geändert. "Der Fluss von Schmiergeldmillionen ist erwiesen. Entweder wird ein Trennungsstrich gezogen oder eine Kumpanei betrieben", erklärte das Münchner Stadtoberhaupt.

Die Fans des TSV 1860 München feierten den Rausschmiss ihres Präsidenten auf ihre Weise. "So ein Tag, so wunderschön wie heute", sangen sie für den alten "Löwen"-Chef, der kommentarlos das Vereinsgelände mit dem Auto verließ.