STM Ende einer Ära

17 Jahre lang regierte Pasquale Pistorio Europas größten Halbleiterhersteller wie ein Patriarch. Nun hat der Visionär seinen Rücktritt angekündigt. Pistorios Nachfolger ist ein Zahlenmensch - ein Vorteil angesichts der umfangreichen hausinternen Probleme.

Amsterdam - Europas größter Halbleiterhersteller STMicroelectronic  hat den Chef seiner defizitären Speicherchip-Sparte, Carlo Bozotti, zum Nachfolger von Konzernchef Pasquale Pistorio ernannt.

Pistorios Amtszeit endet erst mit der Hauptversammlung im kommenden Jahr. Die Aktionäre müssen Bozotti als neuen Mann an der Konzernspitze dann auch noch bestätigen. Der 51-jährige Italiener wurde von Pistorio selbst ausgewählt.

Analysten zufolge wird es Bozottis vornehmliche Aufgabe sein, die Gewinnmargen des französisch-italienischen Konzerns mit Sitz im Schweizerischen Genf zu verbessern, die unter denen der Konkurrenten Texas Instruments , Infineon  und Intel  liegen.

Bislang führt Bozotti die STM-Speicherchip-Sparte, die 2003 einen Verlust verzeichnete. Im Schlussquartal endete allerdings allerdings mit einem geringen operativen Gewinn. Der Spartenumsatz machte 22 Prozent der Konzernerlöse aus. Die Speicherchipindustrie leidet weiterhin unter Überkapazitäten und einem heftigen Preiswettbewerb.

Der amtierende Konzernchef Pistorio, der bei seinem geplanten Ruhestand im kommenden Jahr 69 Jahre alt sein wird, war der Architekt der Fusion des einzigen italienischen Chipherstellers SGS Group mit der französischen Thomson Semiconducteurs im Jahr 1987. Seither haben die Konzernumsätze fast doppelt so stark zugelegt wie der Branchenschnitt.

Die heutige STMicro, die den weltgrößten Handy-Hersteller Nokia als größten Kunden hat, führt die Halbleiterbranche in Europa mit einem Jahresumsatz von 7,2 Milliarden Dollar 2003 deutlich vor Konkurrenten wie der deutschen Infineon und der niederländischen Philips an und gehört zu den fünf führenden Produzenten der Welt.

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