Stadionaffäre FC Bayern meidet Wildmoser

Vor der "Löwen"-Aufsichtsratsitzung, die heute Abend über die Zukunft von Karl-Heinz Wildmoser senior entscheidet, hat sich Lokalrivale FC Bayern vom 1860-Präsidenten distanziert. Franz Beckenbauer sagte einen gemeinsamen TV-Auftritt mit Wildmoser ab.

München - "Ich bin im Zweifel, was ich tun soll", sagte Wildmoser der dpa und machte seinen Verbleib von der Atmosphäre bei der Aufsichtsratssitzung in der 1860-Geschäftsstelle abhängig.

"Wenn mir einer blöd kommt, stehe ich auf und gehe. In so einem Amt bist du letztlich eine Marionette", sagte Wildmoser, der mit seinen medialen Verbal-Attacken gegen Franz Beckenbauer und Karl-Heinz Rummenigge vom Wochenende auch den FC Bayern gegen sich aufgebracht hat.

Bayern-Präsident Beckenbauer, dem Wildmoser "Steuergeschichten" vorwarf, sagte als Reaktion den geplanten gemeinsamen Auftritt heute Abend im Bayerischen Fernsehen ab. "Solange die Vorwürfe gegen Herrn Wildmoser bestehen, werden wir uns mit ihm nicht mehr an einen Tisch setzen, dafür ist zu viel vorgefallen", sagte Manager Uli Hoeneß.

Showdown mit Lokalkolorit

Ob er als 1860-Präsident noch eine Zukunft hat, entscheidet heute ab 18 Uhr der "Löwen-Aufsichtsrat". Entscheiden sich die Räte gegen Wildmoser, müssten sie eine außerordentliche Delegiertenversammlung einberufen, in der 239 Vereinsrepräsentanten über eine Abberufung des Präsidenten entscheiden.

Der Showdown im Aufsichtsrat könnte leicht zu einem Polit-Thriller verkommen: Mit Oberbürgermeister Christian Ude, dem Aufsichtsrat-Vorsitzenden Alfred Lehner (beide SPD), dem dritten Münchner Bürgermeister Hep Monatzeder (Grüne), Hans Zehetmair, Monika Hohlmeier, Ralph Burkei und Manfred Probst (alle CSU) sind sieben von neun Mitgliedern in der Münchner Politik aktiv. Komplettiert wird das Feld von Wurst- und Fleischfabrikant Karl Auer. Herbert Auer, Vorstand der Dresdner Bank, ist aus beruflichen Gründen verhindert.

"Als Präsident nicht mehr tragbar"

"Wildmoser ist als Präsident nicht mehr tragbar"

Oberbürgermeister Christian Ude hat sich bereits vor der Sitzung klar für einen Sturz Wildmosers ausgesprochen: "Er ist als Präsident nicht mehr tragbar", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". In der "Abendzeitung" legte er nach: "Die Zeit des Monarchen ist vorbei. Ich wünsche mir, dass er nach einer gründlichen Aussprache die Konsequenzen zieht. Wenn Wildmoser von sich aus nicht zurücktritt, muss der Aufsichtsrat Position einnehmen, weil Wildmoser sonst eine Belastung für den Verein wird."

Seit der Verhaftung des 64 Jahre alten "Löwen"-Chefs am vorigen Dienstag hat Ude seine harte Haltung nicht geändert. "Der Fluss von Schmiergeldmillionen ist erwiesen. Entweder wird ein Trennungsstrich gezogen oder eine Kumpanei betrieben", erklärte das Münchner Stadtoberhaupt, das einen Neuanfang für absolut erforderlich hält und mit dem früheren bayerischen Kultus- und Wissenschaftsminister Hans Zehetmair (CSU) einen Nachfolger aufgestellt hat.

Wildmoser, gegen den nach der Freilassung am vergangenen Freitag weiterhin Tatverdacht besteht, solle "nach diesem Schlamassel einen Schlussstrich ziehen. Es geht auch um den Erhalt seines Lebenswerks", sagte Ude, dem es aber "nicht um strafrechtliche Konsequenzen" geht, "sondern um die Folgen für den Verein. Als Aufsichtsrat bin ich in erster Linie verpflichtet, Schaden vom Verein abzuwehren."

"Verhältnis zu 1860 extrem kritisch prüfen"

Die Unschuldsbeteuerung des Großgastronomen kann Ude nicht ganz nachvollziehen. "Ich kann mir vorstellen, dass er nicht gehandelt hat. Aber wenn Millionen auf ein Konto gehen, ist das ein auffälliger Vorgang. Darum hätte er sich kümmern müssen", sagte der Oberbürgermeister, der die Kritik an ihm wegen einer Vorverurteilung Wildmosers zurückwies: "Es ist eine groteske Umkehrung, wenn für einen der größten Schmiergeldskandale in der Bundesliga der Oberbürgermeister angegriffen und er allein zum Ventil genommen wird."

In der "Bild"-Zeitung drohte Ude sogar mit seinem Rückzug aus dem Aufsichtsrat, sollte Wildmoser Präsident bei 1860 bleiben: "Die Stadt müsste ihr Verhältnis zu 1860 extrem kritisch überprüfen. Die Frage lautet: Kann die Stadt mit ihren obersten Repräsentanten im Aufsichtsrat eines Vereins vertreten sein, der aus einer Korruptions-Affäre diesen Ausmaßes keine Konsequenzen zieht?"

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