Konfliktmanagement Piep, piep, piep

Wenn zwei sich streiten, gibt es mehrere Möglichkeiten, dem Disput ein Ende zu machen: Die Kontrahenten vertragen sich, einer räumt das Feld, der Chef spricht ein Machtwort. Wenn all das nichts nützt, hilft vielleicht der Mediator.

Stuttgart/Köln - Bei ohnehin gereizter Stimmung eskaliert Zoff mit dem Chef oder unter Kollegen umso schneller. Das gilt besonders in Zeiten wie jetzt, in denen die Belastungen für Arbeitnehmer nach Einschätzung von Experten insgesamt wachsen.

"In wirtschaftlich schwierigen Zeiten wird der Druck größer", sagt Werner Schienle, Experte für Konfliktmanagement aus Stuttgart. "Wenn Arbeitnehmer Angst vor Entlassung haben, steigt auch der Spannungspegel." Dann ist das richtige Konfliktmanagement gefragt.

Wenn schon Stellen gestrichen wurden, setzt oft ein verhängnisvoller Mechanismus ein: Auf die Arbeitnehmer, denen nicht gekündigt wurde, kommen zusätzliche Aufgaben zu. Wenn Abteilungen zusammengelegt werden, müssen sich außerdem Kollegen zusammenraufen, die bisher unter Umständen gar nichts miteinander zu tun hatten.

"Konflikte verschärfen sich, Intrigen nehmen zu"

Eine brisante Situation: "Die Gefahr ist groß, dass sich die Konflikte verschärfen, Intrigen zunehmen, Informationen gezielt vorenthalten werden", warnt Schienle. Konflikte können dann schnell eskalieren - gerade wenn der Arbeitsdruck weiter steigt. "Eine solche vergiftete Stimmung ist eindeutig schlecht fürs Betriebsergebnis."

Bei Fusionen oder Umstrukturierungen, bei denen Arbeitsplätze abgebaut werden, sind Reibungen so gut wie sicher: "Das geht kaum konfliktfrei", sagt Andrea Budde, promovierte Fachanwältin für Arbeitsrecht und Mediatorin aus Köln. "Bei Umstrukturierungen gibt es zunächst oft Ängste davor, dass sich vieles ändert", so die Expertin. "Streit über Zuständigkeiten ist in einer späteren Phase der Klassiker. Wenn nicht sauber abgesprochen wurde, wer für was verantwortlich ist, sind Konflikte programmiert. Das wird dann oft auch persönlich."

"Für Mediation ist es nie zu spät"

"Für Mediation ist es nie zu spät"

Viele größere, mittlerweile aber auch etliche mittelständische Unternehmen setzen nach Buddes Erfahrung in solchen Fällen auf so genannte Konfliktlotsen.

Das sind Ansprechpartner im Betrieb, bei denen sich Mitarbeiter im Streitfall melden können. "Die überlegen dann gemeinsam, was getan werden könnte."

Hilft auch das nicht, ist unter Umständen ein Mediator gefragt, ein Experte also, der von außen kommt und zwischen den Konfliktparteien vermittelt. Dadurch lässt sich möglicherweise vermeiden, dass der Streit vor Gericht endet: "Für Mediation ist es nie zu spät", sagt Heinz-Jürgen Kalb, Geschäftsführer des Deutschen Arbeitsgerichtsverbandes in Köln. "Mediation beruht allerdings auf Freiwilligkeit. Beide Parteien müssen zustimmen."

Die Wahrscheinlichkeit einer Lösung ist groß

Ist das so, kann für die Mediation sogar ein bereits angelaufenes Gerichtsverfahren ausgesetzt werden. "Das Gericht soll sogar in jeder Phase des Verfahrens auf eine gütliche Lösung hinwirken", sagt Kalb. Aus Sicht der Gerichte sei Mediation daher grundsätzlich immer eine gute Sache.

"Der Mediator kann die Arbeitsbedingungen nicht ändern", betont Andrea Budde, die als Professorin an einer Fachhochschule in Berlin auch über Mediation lehrt. "Aber er kann den Dschungel lichten helfen, beispielsweise indem er deutlich persönliche Konflikte von arbeitsorganisatorischen trennt."

Der wichtigste Schritt sei bereits getan, wenn die Konfliktparteien an einem Tisch sitzen. Meist geschieht dies auf Wunsch der Geschäftsführung oder der Personalabteilung, zum Teil aber auch auf Anregung des Betriebsrates. Die Gespräche seien oft sehr zäh - und es gibt keine Erfolgsgarantie. Dennoch ist die Mediations-Expertin eher zuversichtlich: "Wenn erst ein Mediator gerufen wird, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es zu einer Lösung kommt."

Von Andreas Heimann, dpa

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