Stadionaffäre Wildmoser junior gefeuert

Der Präsident des TSV 1860 München, Karl-Heinz Wildmoser, ist gegen eine Kaution aus der U-Haft entlassen worden. Er hatte sich in einem Verhör erstmals zur Korruptionsaffäre geäußert. Sein Sohn wurde derweil als Firmenchef der Bauherrin entlassen.

München - Der 64-Jährige werde um 13.30 Uhr aus der Justizvollzugsanstalt Stadelheim bei München entlassen, sagte sein Anwalt Steffen Ufer. Dort saß der Präsident von 1860 München seit vergangenem Dienstag in Untersuchungshaft.

Ufer sagte, zunächst handle es sich um eine Haftverschonung. Wildmoser erhielt als Auflage, keinen Kontakt mit den Beteiligten aufzunehmen, gegen die in der Schmiergeldaffäre ermittelt wird.

Die Kaution beträgt 200.000 Euro in Form einer Bankbürgschaft. Wildmosers Rechtsanwalt zeigte sich zuversichtlich, dass der Haftbefehl in Kürze ganz aufgehoben werde. Wildmoser habe in seiner Aussage deutlich gemacht, dass er von den Aktionen seines Sohnes nicht mitbekommen habe.

Für die Entlassung aus der Untersuchungshaft hatte die Staatsanwaltschaft eine glaubhafte Aussage Wildmosers zur Bedingung gemacht. Die Staatsanwaltschaft will um 14.00 Uhr nähere Informationen bekannt geben.

"Sehr unglücklich" über das Vorgehen seines Sohnes

In der dreistündigen Vernehmung habe Wildmoser "nochmal deutlich gemacht, dass er von den Aktionen seines Sohns nichts mitbekommen hat", sagte Anwalt Ufer. "Der Tatverdacht hat sich nicht so verstärkt, wie es sich die Staatsanwaltschaft erhofft hat."

Wildmoser junior gilt als Hauptverdächtiger in der Bestechungsaffäre. Der 40-Jährige soll gemeinsam mit seinem Vater von der Stadion-Baufirma Alpine 2,8 Millionen Euro Schmiergelder für geheime Informationen kassiert haben. Nach umfangreichen Durchsuchungen in drei Ländern waren die Wildmosers und weitere Verdächtige am Dienstag verhaftet worden. Wildmoser junior und ein weiterer Beschuldigter entlasteten den 64-Jährigen mit ihren Aussagen.

Anwalt Ufer ging davon aus, dass auch die Vorwürfe gegen Wildmosers Sohn "tiefer gehängt" werden müssten. Bei den Zahlungen des österreichischen Bauunternehmens Alpine habe es sich möglicherweise um eine "ganz normale Lobbyarbeit gehandelt, wie sie bei solchen Großprojekten üblich ist". Wildmoser senior sei jedoch "sehr unglücklich" über das Vorgehen seines Sohnes und über die ganze Situation deprimiert.

Karl-Heinz Wildmoser junior hatte bereits am Mittwoch angegeben, alle Zahlungen ohne Wissen seines Vaters arrangiert zu haben. Der Leiter der Staatsanwaltschaft München I, Christian Schmidt-Sommerfeld, hatte sich dennoch zurückhaltend zu einer Entlassung geäußert: "Wildmoser senior und junior sind persönlich und geschäftlich eng verknüpft. Ich würde mich wundern, wenn der Vater nicht weiß, was der Sohn tut."

Vorteilsname im Amt?

Vorteilsname im Amt?

Wildmoser junior bestreitet, Ausschreibungsdetails für die Fußballarena von FC Bayern und TSV 1860 weitergeben zu haben. Laut Staatsanwaltschaft sollen die Wildmosers, dem Bauträger angeblich die vertrauliche Schmerzgrenze beider Vereine von höchstens 280 Millionen Euro Baukosten mitgeteilt haben.

Nach Darstellung des jungen Wildmosers habe sein - ebenfalls festgenommener - Schulfreund bereits vor längerer Zeit eine Provisionsvereinbarung mit Alpine für die Vermittlung von Bauobjekten geschlossen. Dabei habe er offenbar seine Bekanntschaft zu Wildmoser junior als Entscheidungsträger bei dem Stadion-Neubau ausgenutzt. Zudem habe der Schulfreund Schulden beim Sohn des Präsidenten von TSV 1860 München gehabt.

Der alte Wildmoser sei bis zu seiner Festnahme in keiner Weise über den Geldfluss informiert gewesen, betonte der Anwalt. Der Junior habe das Geld für die Familienfirma "Weißer Hirsch Immobilien, W.H.I" in Dresden gebraucht, weil ihm dort als Geschäftsführer die Probleme über den Kopf gewachsen seien und er in Zahlungsschwierigkeiten geraten sei. "Da ist ihm dieses Geld recht gekommen", sagte Ziegert. "Er wollte diese wirtschaftlichen Probleme in keiner Weise seinem Vater offenbaren", fügte der Anwalt hinzu. "Er hat sich geniert."

"Ich denke, dass er nicht aufgeben will"

Nach seiner Entlassung aus der Justizvollzugsanstalt Stadelheim will Wildmoser heute ein Statement zu seinen persönlichen Plänen abgeben. Anwalt Ufer rechnete damit, dass Wildmoser Präsident des TSV 1860 bleibe: "Ich denke schon, dass er nicht aufgeben will." Der Anwalt erwartete, dass der Aufsichtsrat des TSV 1860 Wildmoser zur Fortführung seines Amtes drängen werde.

Sein sohn kommt nicht so glimpflich davon. Karl-Heinz Wildmoser junior ist als Firmenchef der Stadion-Bauherrin gefeuert worden. Der 40-Jährige "wurde als Geschäftsführer der Allianz Arena München Stadion GmbH abberufen, sein Anstellungsvertrag mit sofortiger Wirkung beendet", teilten der FC Bayern und TSV 1860 München am Freitag nach einer außerordentlichen Gesellschafterversammlung mit. Die beiden Vereine sind zu je 50 Prozent an der Stadion-Gesellschaft beteiligt.

Wie es in der Mitteilung weiter heißt, beauftragen die Vereine Wirtschaftsprüfer mit einer Sonderprüfung bei der Stadion-Gesellschaft. Nachfolger für Wildmoser und den zweiten Geschäftsführer, der aus persönlichen Gründen ausscheidet, wurden noch nicht bestimmt.

Die steile Karriere des jungen Wildmoser

Die steile Karriere des jungen Wildmoser

Wildmoser junior trat in der Öffentlichkeit vor allem im "Doppel-Pack" mit seinem Vater auf. Nicht nur den Vornamen haben sie gemeinsam. Karl-Heinz Wildmoser junior galt bisher als loyaler Gefolgsmann des Vereinspräsidenten Karl-Heinz Wildmoser senior, beim TSV 1860 München und auch bei den Geschäften in der Gastronomie. Er stand meist im Schatten des Vaters, hielt sich oft im Hintergrund.

Karl-Heinz Wildmoser junior ist seit längerem Geschäftsführer der Fußball-Abteilung bei den "Löwen"; nach der Gründung der Allianz Arena München Stadion GmbH wurde er auch dort einer von zwei Geschäftsführern. Die Öffentlichkeit weiß wenig von dem 40-jährigen Vater zweier Kinder. Doch seit rund einem Jahr trat er in den Medien etwas in den Vordergrund, absolvierte auch TV-Auftritte und fiel mit Sachverstand auf.

"Mein Vater ist der emotionale Typ, ich bin eher fürs Sachliche zuständig", sagte der Mann mit dem Spitznamen "Heinzi" der "Süddeutschen Zeitung" über die Rollenverteilung. Er nennt den Vater seinen besten Freund und "die absolute Persönlichkeit". Vater und Sohn wirkten wie ein unzertrennliches Duo.

Die beiden seien als "enge Einheit" aufgetreten, hat auch Oberbürgermeister und Aufsichtsratsmitglied Christian Ude festgestellt. Er könne sich nicht vorstellen, dass der eine nicht wisse, was der andere mache. Wildmoser junior war von Kindesbeinen an mit der Gastronomie vertraut. Er machte eine Ausbildung zum Hotelkaufmann und übernahm bereits mit 19 Jahren einen der Betriebe des Vaters.

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