Stadionaffäre Käfig öffnet sich für einen Löwen

Karl-Heinz Wildmoser senior kommt möglicherweise am Freitag auf freien Fuß. Unterdessen werden neue Einzelheiten aus dem Teilgeständnis seines Sohnes bekannt, der seinen Vater nicht mit Finanzsorgen belasten wollte.

München - "Löwen"-Präsident Karl-Heinz Wildmoser kommt nach dem Teilgeständnis seines Sohnes im Schmiergeldskandal um das neue Münchner Fußballstadion möglicherweise noch am Freitag auf freien Fuß. Der leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld machte am Donnerstag eine Entlassung aus der Untersuchungshaft von einer Aussage des Fußballclub-Präsidenten abhängig.

Die Rechtsanwaltskanzlei, die beide Wildmosers vertritt, kündigte eine Aussage von Wildmoser senior für Freitag an: "Wir sind sicher, dass wir anschließend eine Haftverschonung erreichen werden", betonte Rechtsanwalt Ulrich Ziegert.

Die Staatsanwaltschaft wollte sich zu einem konkreten Haftentlassungstermin nicht äußern. Theoretisch sei dies auch am Wochenende möglich, Voraussetzung sei jedoch, dass keinerlei Verdunkelungsgefahr mehr bestehe, betonte Schmidt-Sommerfeld. Eine Entlassung noch am Donnerstag schloss er jedoch definitiv aus. Die beiden Wildmosers waren am Dienstag in Zusammenhang mit einer groß angelegten Durchsuchungsaktion vorläufig festgenommen worden.

Zum inhaltlichen Stand der Ermittlungen wollte sich Schmidt-Sommerfeld nicht äußern: "Wir haben heute Arbeitstag", betonte er. Die Ermittler würden die neu gewonnen Aussagen und Ermittlungsergebnisse mit bisherigen Erkenntnissen und beschlagnahmten Unterlagen abgleichen. Die Staatsanwaltschaft in Salzburg habe zudem erste Mitarbeiter der im Korruptionsverdacht stehenden Baufirma Alpina vernommen.

Geld für "Weißer Hirsch" benötigt

Unterdessen wurden auch neue Einzelheiten aus dem Teilgeständnis von Wildmoser junior bekannt. Laut Ziegert bestreitet sein Mandant jede Gegenleistung für die rund zwei Millionen Euro, die er aus Alpine-Geldern über einen Schulfreund erhalten habe. "Er sagt, es gab keine Gegenleistung von seiner Seite."

Insbesondere bestreite Wildmoser junior, Ausschreibungsdetails für die Fußballarena von FC Bayern und TSV 1860 weitergeben zu haben. Laut Staatsanwaltschaft sollen die Wildmosers, dem Bauträger angeblich die vertrauliche Schmerzgrenze beider Vereine von höchstens 280 Millionen Euro Baukosten mitgeteilt haben.

Nach Darstellung des jungen Wildmosers habe sein - ebenfalls festgenommener - Schulfreund bereits vor längerer Zeit eine Provisionsvereinbarung mit Alpine für die Vermittlung von Bauobjekten geschlossen. Dabei habe er offenbar seine Bekanntschaft zu Wildmoser junior als Entscheidungsträger bei dem Stadion-Neubau ausgenutzt. Zudem habe der Schulfreund Schulden beim Sohn des Präsidenten von TSV 1860 München gehabt.

Der alte Wildmoser sei bis zu seiner Festnahme in keiner Weise über den Geldfluss informiert gewesen, betonte der Anwalt. Der Junior habe das Geld für die Familienfirma "Weißer Hirsch Immobilien, W.H.I" in Dresden gebraucht, weil ihm dort als Geschäftsführer die Probleme über den Kopf gewachsen seien und er in Zahlungsschwierigkeiten geraten sei. "Da ist ihm dieses Geld recht gekommen", sagte Ziegert. "Er wollte diese wirtschaftlichen Probleme in keiner Weise seinem Vater offenbaren", fügte der Anwalt hinzu. "Er hat sich geniert."

Die Karriere des Wildmoser junior

Er ist der Öffentlichkeit vor allem im "Doppel-Pack" mit seinem Vater bekannt. Nicht nur den Vornamen haben sie gemeinsam. Karl-Heinz Wildmoser junior galt bisher als loyaler Gefolgsmann des Vereinspräsidenten Karl-Heinz Wildmoser senior, beim TSV 1860 München und auch bei den Geschäften in der Gastronomie. Er stand meist im Schatten des Vaters, hielt sich oft im Hintergrund.

Karl-Heinz Wildmoser junior ist seit längerem Geschäftsführer der Fußball-Abteilung bei den "Löwen"; nach der Gründung der Allianz Arena München Stadion GmbH wurde er auch dort einer von zwei Geschäftsführern. Die Öffentlichkeit weiß wenig von dem 40-jährigen Vater zweier Kinder. Doch seit rund einem Jahr trat er in den Medien etwas in den Vordergrund, absolvierte auch TV-Auftritte und fiel mit Sachverstand auf.

"Mein Vater ist der emotionale Typ, ich bin eher fürs Sachliche zuständig", sagte der Mann mit dem Spitznamen "Heinzi" der "Süddeutschen Zeitung" über die Rollenverteilung. Er nennt den Vater seinen besten Freund und "die absolute Persönlichkeit". Vater und Sohn wirkten wie ein unzertrennliches Duo.

Die beiden seien als "enge Einheit" aufgetreten, hat auch Oberbürgermeister und Aufsichtsratsmitglied Christian Ude festgestellt. Er könne sich nicht vorstellen, dass der eine nicht wisse, was der andere mache. Wildmoser junior war von Kindesbeinen an mit der Gastronomie vertraut. Er machte eine Ausbildung zum Hotelkaufmann und übernahm bereits mit 19 Jahren einen der Betriebe des Vaters.

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