Hartmann In Watte gepackte Abrechnung

Der blitzartige Rauswurf von Vorstandschef Ulrich Hemel sorgt bei einigen Anteilseignern der Paul Hartmann AG für Unmut. Wie die Belegschaft über den plötzlichen Abgang Hemels denkt, wurde bei seiner Abschiedsfeier schnell klar.
Von Martin Scheele

Heidenheim - Menschen in festlicher Kleidung, übergroße Blumengestecke auf den Tischen und ein mächtiges Logo der Paul Hartmann AG  an der Wand. Beim Pflege- und Medizinproduktehersteller fand gestern die Abschiedsfeier des geschassten Vorstandschefs Ulrich Hemel statt. Dieser wurde Mitte Februar in einer Blitzaktion aus seinem Amt gejagt.

Eigentlich sollte die Feier in einem größeren Rahmen stattfinden. Geplant war, die gesamte Belegschaft und Pressevertreter einzuladen. Dann wurde der Plan geändert. Nur ausgewählte Angestellte erhielten ein Einladungsschreiben. Außer ihnen erschienen Anteilseigner, der Aufsichtsrat sowie lokale Größen wie der Oberbürgermeister der Stadt Heidenheim.

Auch die Rednerliste wurde stark zusammengestrichen. Beabsichtigt war eigentlich, Leiter der Auslandstöchter und den Betriebsrat zu Wort kommen zu lassen. Am Ende lief es auf einen "Zweikampf" hinaus. In einer gespannten Atmosphäre sprachen Ulrich Hemel und sein Widersacher, der Aufsichtsratsvorsitzende der Paul Hartmann AG, Karl-Heinz Weiss. Zwei Männer, zwei Reden, zwei Reaktionen.

Rechtsanwalt Weiss sprach Hemel das Verdienst zu, "die gesamte Mannschaft motiviert und in China die Fertigung sowie Tochtergesellschaften stürmisch vorangebracht zu haben." Spätestens zu diesem Zeitpunkt der zehnminütigen Rede mehrten sich die kritischen Töne von Weiss.

Die Zukäufe der Firma Sanimed und der Kneipp-Werke beurteilt der AR-Chef offenbar kritisch. "Hier gilt die Hoffnung auf einen positiven Ertrag", so Weiss. "Warum trennen wir uns jetzt von Herrn Hemel", fragte er anschließend rhetorisch in die Runde, um auch gleich selbst seine Antwort zu geben: "Über die Zukunft des Unternehmens haben wir uns entfremdet". Der dürftige Applaus ebbte schnell ab.

"Was macht bloß unsere Cousine da"

"Was macht bloß unsere Cousine da"

Hemel hat offenbar immer noch viele Anhänger in der Belegschaft. Nicht anders ist zu erklären, dass nach seiner Rede die eingeladenen Angestellten aufstanden und ihm stark applaudierten.

Der scheidende Chef hatte es sich nicht nehmen lassen, über seine Sicht der Trennungsgründe zu sprechen. "Warum muss man gehen, wenn man gut gearbeitet hat und Rückhalt in der Belegschaft hat", fragte er seinerseits rhetorisch in die Runde. "Die offizielle Darstellung - Differenzen über Strategien - stimmt so nicht, persönliche Gründe waren der tatsächliche Grund".

Der abschließende Satz des selbstbewussten Managers sorgte bei einigen der Anwesenden für Nachdenklichkeit. "Manche werden feststellen, dass die vermeintliche Morgenluft von heute der alte Brenznebel von gestern ist." (Der Unternehmenssitz Heidenheim liegt am Fluss Brenz, Anm. d. Red.).

Nach einer Stunde war die Veranstaltung beendet. Nicht beendet dagegen ist die Suche nach einem Nachfolger für Hemel. "Von hektischer Betriebsamkeit" wird dabei unternehmensintern gesprochen.

Die Entscheidung, die dem Vernehmen nach Aufsichtsratschef Weiss im Alleingang getroffen hat, sorgt unterdessen bei einigen der Anteilseigner für Unmut. So fühlen sich zum Beispiel Kleinaktionäre über die Vorgänge nicht ausreichend informiert.

Dem Vernehmen nach gärt es auch bei den Nachfahren von Firmengründer Paul Hartmann, die das größte Aktienpaket halten. "Was macht bloß unsere Cousine da", stellen Familienmitglieder das Tun von Anna Maria Gräfin von Pocci in Frage. Nach Meinung von Unternehmenskennern stimmte die Gräfin bisher den Vorschlägen von AR-Chef Weiss praktisch bedingungslos zu.

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