Fraspa "Kalaschnikow-Kolb" gefeuert

Personalchaos bei der fünftgrößten deutschen Sparkasse: Nur einen Monat lang amtierte Alexander Kolb, Ex-HVB-Bereichsvorstand, als Chef der Frankfurter Sparkasse. Auch Vorstandsmitglied Winkelmann hat seinen Rückzug bekannt gegeben.

Frankfurt/Main - Bei der fünftgrößten deutschen Sparkasse geht es wieder einmal drunter und drüber. Nachdem Vorstandschef Alexander Kolb erst im Februar dieses Jahres sein Amt bei der Frankfurter Sparkasse von 1822 (Fraspa) angetreten hatte - legt er es jetzt schon wieder nieder. Damit nicht genug: Auch Vorstandskollege Michael Winkelmann kündigte seinen Rückzug aus der Führungsetage an.

Dem Vorstand gehören außerdem Roland Hemmerich und Andreas Goßmann an. Auffällig ist allein schon die Gliederung der Pressemitteilung, die die Sparkasse herausgegeben hat. Während der Abgang von Kolb der Sparkasse nur dreieinhalb Zeilen wert ist, wird das Bedauern über Winkelmanns Rückzug auf 45 Zeilen ausgebreitet.

"Mangels Einigung über Zukunftsaussichten" - so wird offiziell von der Fraspa die Trennung von Kolb beschrieben. Weitere Auskünfte gibt es nicht, auch zu den möglichen Nachfolgern von Kolb und Winkelmann gibt sich die Sparkasse wortkarg. Wie die Nachrichtenagentur Reuters aus Fraspa-Kreisen unterdessen erfahren hat, hat Andreas Goßmann derzeit die besten Karten für die Nachfolge von Kolb. "Viele in der Bank wären einverstanden, Goßmann zum neuen Vorstandssprecher zu machen", heißt es.

Schwierige Eigentümerstruktur bei der Fraspa

Für Kenner der Sparkassenlandschaft sind zwei Motive für die plötzliche Personal-Krise bei der Fraspa denkbar. Zum einen könnte Kolb sich gegen das Lager der Stadt-Vertreter zu weit aus dem Fenster gelehnt und zu radikale Forderungen gestellt haben. Andererseits sei es auch denkbar, so ein früherer Arbeitskollege von Kolb, dass dieser mit seinem zuweilen zu forschem Auftreten mächtige Verwaltungsräte verprellt habe.

Die Fraspa ist anders als die meisten Sparkassen kein öffentlich-rechtliches Institut, sondern gehört zu 60 Prozent der Polytechnischen Gesellschaft, einem wirtschaftlichen Verein, und zu 40 Prozent der Stadt Frankfurt.

Der passionierte Oldtimer-Fahrer Kolb kam von der HVB Group zur Fraspa. Über 16 Jahre gehörte er der Großbank an, beziehungsweise dem Vorläuferinstitut Bayerische Vereinsbank. Zuletzt hatte er sich in den Bereichsvorstand Privatkunden bei der HVB hochgearbeitet. Der Grund seines Ausscheidens bei der HVB soll weniger mit seinen fachlichen Qualitäten zu tun gehabt haben, als mehr mit seinem "nicht überall wohlgelittenen Auftreten", wie die "Financial Times Deutschland" es formuliert. So erwarb Kolb sich bei der HVB den zweifelhaften Spitznamen "Kalaschnikow-Kolb".

Streit mit Gutachten und Gegengutachten

Kolbs Wechsel aus dem Großbankenlager zur Fraspa wurde bei oberflächlichen Betrachtern als hoffnungsvolles Zeichen gewertet, dass der Einfluss der Politik begrenzt werden konnte. Nachdrücklich bleiben allerdings die Querelen in Erinnerung, die es mit der Berufung von Kolb gegeben hatte. Die Suche nach einem Nachfolger für den langjährigen Fraspa-Chef, Klaus Wächter, hatte sich elf Monate hingezogen

Die vier Vertreter der Stadt im 15-köpfigen Verwaltungsrat hatten ein Vorschlagsrecht für die Wächter-Nachfolge für sich beansprucht, obwohl dies die Satzung nicht vorsieht. In der Folge brach ein offener Streit zwischen den zwei Lagern aus, der mit Gutachten und Gegengutachten ausgefochten wurde.

Auch Kolbs Kollege Andreas Goßmann hatte sich kurzzeitig Hoffnung machen dürfen, zum Vorstandsprecher aufzusteigen. Doch gegen den Vorschlag der Polytechnischen Gesellschaft sperrten sich die Vertreter der Kommune. Kolb war somit kaum mehr als ein Kompromisskandidat.

Massives Sparprogramm aufgelegt

Der Nachfolger von Kolb muss nun vor allem das Ertragsproblem der Fraspa lösen. Allein das gewerbliche Kreditgeschäft schrumpfte 2003 um 17,9 Prozent auf zwei Milliarden Euro. Auf Grund der wirtschaftlichen Krise hatte die Bank 2003 ein umfangreiches Kostensenkungsprogramm aufgelegt und einen massiven Arbeitsplatzabbau angekündigt. In 2003 wurden 322 von 2679 Stellen abgebaut. Außerdem sank die Zahl der Geschäftstellen innerhalb eines Jahres von 91 auf 78. Sieben weitere sollen kurzfristig noch geschlossen werden.

Um sich in der Sparkassenlandschaft behaupten zu können, wurde 2002 eine Fusion mit der Nassauischen Sparkasse (Naspa) in Wiesbaden angestrebt. Der Plan scheiterte allerdings. Immer wahrscheinlicher wird dagegen die Verwirklichung des Vorschlags des hessischen Wirtschaftsministers Alois Rhiel (CDU), der die Fraspa über ein Holding-Modell enger mit der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) verzahnen will.

Holding-Modell mit Helaba immer wahrscheinlicher

Wie die Nachrichtenagentur Reuters erfahren hat, werden sich die Sparkasseneigner bis zum Sommer auf ein Holding-Modell verständigen. Damit wappnen sich die beiden Finanzinstitute für die Zeit nach Mitte 2005, wenn die staatlichen Haftungsgarantien wegfallen.

"Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem alle Beteiligten ihre prinzipielle Bereitschaft signalisiert haben, den Weg zu einer Holding zwischen der Helaba und der Frankfurter Sparkasse zu gehen", erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag aus dem Umfeld der Sparkasseneigner. Die Holding gehe über das jüngst beschlossene Verbundkonzept zwischen der Landesbank und den Sparkassen in Hessen und Thüringen hinaus. Die Holding solle bis zum Sommer in trockenen Tüchern sein, hieß es.