Gründer-Kolumne Drum prüfe, wer sich (ewig) bindet ...

Wer eine gute Idee, aber kein Geld für die Umsetzung hat, ist auf externe Investoren angewiesen. Doch bevor diese ihr Geld überweisen, unterziehen sie das junge Unternehmen einer intensiven Prüfung. Welche Aspekte werden dabei begutachtet, und wie sieht eine gute Vorbereitung aus?

Die Aufnahme eines externen Investors geschieht in der Regel nach einem bestimmten Muster: Zunächst erfolgt die Kontaktaufnahme, bei der das grundsätzliche Interesse von Investoren an einer Finanzierung der Geschäftsidee abgetastet wird. Ist dieses Interesse vorhanden, so wird dem potenziellen Kapitalgeber der Businessplan zugesandt, der diesen einer ersten Grobprüfung unterzieht. Im Mittelpunkt stehen hierbei die Idee, das Management und die Finanzen.

Erste Gespräche zwischen Unternehmer und Investoren, eine Unternehmenspräsentation, gegebenenfalls Unternehmensbesichtigungen und das Einholen externer Meinungen von Experten aus der betreffenden Branche runden diese Phase ab. Ein Letter of Intent unterstreicht das Investitionsinteresse des externen Investors nach der erfolgreichen Grobprüfung - das heißt der Investor gibt eine Absichtserklärung für eine Beteiligung und damit die Bereitschaft zum Investment ab und ermöglicht eine tiefergehende Untersuchung des Unternehmens in Form der Feinprüfung. Diese Feinprüfung wird auch Due Diligence genannt.

  • Product Due Diligence

    Bei neuen, innovativen Produkten und Dienstleistungen ist eine Aussage im Hinblick auf die Umsetzungsmöglichkeit beziehungsweise die technische Realisierbarkeit zwingend erforderlich (zum Beispiel Materialien, Design, Technik und Geschäftsmodell). Entsprechend wird geprüft, ob und wie die Leistung erstellt werden kann, und wo der besondere Vorteil des Angebotes liegt. Ein weiterer Aspekt sind mögliche Schutzrechte wie Patente oder Lizenzen.


  • Management Due Diligence

    Im Rahmen dieser Prüfung werden die handelnden Personen und deren Qualifikationen begutachtet. Dies geschieht insbesondere im Hinblick auf die Bereiche Unternehmensführung, Marketing, Technik/Produktion und Finanzen. Neben den harten Faktoren (zum Beispiel Ausbildung und Berufserfahrung) spielen aber auch weiche Faktoren eine Rolle (Motivation, Kreativität, Ziele, Durchsetzungsfähigkeit et cetera).


  • Market Due Diligence

    Im Rahmen dieser Prüfung werden Aspekte begutachtet, die für den Absatzerfolg eine Rolle spielen (zum Beispiel Mehrwert, Alleinstellungsmerkmal, Zielgruppe, Kundennutzen, Marktgröße). So soll es insbesondere zu einer Einschätzung der Kundenbedürfnisse, des Wettbewerbs und der Marktentwicklung kommen. Ferner gilt es zu klären, mit welcher Strategie der Markt bearbeitet werden soll.

Finanzielle und rechtliche Prüfung

  • Financial Due Diligence

    Die finanzielle Feinprüfung betrachtet die Ertragsquellen und Kostentreiber des Unternehmens. Die Klärung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage erfolgt entsprechend anhand der Analyse der (Plan-)Bilanz, der Liquiditätsrechnung sowie der Gewinn- und Verlustrechnung. Insbesondere diese Teilprüfung liefert wesentliche Anhaltspunkte zur Bestimmung des Unternehmenswertes.


  • Tax Due Diligence

    Das Procedere der steuerlichen Due Diligence kommt weitestgehend einer Betriebsprüfung durch die Finanzbehörden gleich. Ziel der Investoren ist es, Steuernachzahlungen im Anschluss an den Unternehmenskauf zu vermeiden, indem Risiken aufgedeckt werden, die zu solchen Verbindlichkeiten gegenüber Finanzbehörden führen könnten.


  • Legal Due Diligence

    Die rechtliche Prüfung (zum Beispiel gesellschaftsrechtliche Grundlagen, Satzung, Gesellschafterverträge, Geschäftsordnung oder aber auch bereits bestehende Vertragsbeziehungen zu Kunden und Lieferanten) ist als abschließende Teilprüfung zu betrachten. Es werden Bestands- und Haftungsrisiken ermittelt und die aktuelle wettbewerbsrechtliche Situation geklärt.

Gegeben diesen Inhalten einer Investmentprüfung sollte der oder die Gründer alle benötigten Information bereithalten und auf die Vollständigkeit der Unterlagen achten. Hilfreich ist auch, wenn die Aussagen zu den einzelnen Bereichen solide begründet werden, so zum Beispiel auf Basis von Studien, Statistiken oder auch Experteninterviews. Ferner muss man sich bewusst sein, dass der Prüfungsprozess bis zu sechs teilweise sogar bis zu neun Monaten andauern kann. Mancher Investor verlängert sogar künstlich den Prüfungszeitraum, um so Hinweise auf Durchsetzungsfähigkeit und Durchhaltevermögen des Gründerteams zu erhalten.

Der erfolgreiche Beteiligungsvertrag

Am Ende der Prüfung steht entweder im negativen Fall der Abbruch der Beteiligungsgespräche auf Grund der Identifikation eines so genannten "deal breakers" oder im positiven Fall die Formulierung eines Investment Proposals, das als Grundlage der eigentlichen Verhandlungen über den Beteiligungsvertrag dienen kann. Damit bildet die Erarbeitung eines konkreten Beteiligungsvertrages, mit sich daran anschließender Vertragsunterzeichnung, den Abschluss des Beteiligungsprozesses. Dieser Vertrag spezifiziert die Bedingungen der Beteiligung und des Kapitalinvestments.

Allgemein lässt sich festhalten, dass besonders erfolgreich in der Einwerbung von externen Investoren gerade diejenigen Unternehmer sind, denen es gelingt, die Güte des Managementteams während des Prüfprozesses und der Beteiligungsverhandlung herauszustreichen. Das heißt Kompetenz im Umgang mit Risiken, Durchhaltevermögen, Kommunikationsfähigkeit und genaue Kenntnis des Zielmarktes sollten glaubhaft gemacht werden können. Damit ist ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zum erfolgreichen Beteiligungsvertrag getan.

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