ABB Dormann wird abgelöst

Er galt als einer der erfolgreichsten Sanierer der Republik: Jürgen Dormann formte erst Hoechst zu Aventis um und ging dann zu ABB. Heute kämpft Aventis gegen die Übernahme durch Sanofi und ABB gegen horrende Verluste. Jetzt steht ein Nachfolger für Dormann fest.

Zürich - Der Technologiekonzern ABB  erhält einen neuen Konzernchef: Fred Kindle, gegenwärtige Präsident der Konzernleitung von Sulzer, übernimmt Anfang 2005 von Jürgen Dormann die Leitung des operativen ABB-Geschäfts. Dormann wird sich dann auf den Posten des Verwaltungsratspräsidenten bei ABB beschränken.

Wie die beiden Unternehmen weiter mitteilten, wechselt der 44-jährige Kindle zum 1. September von der Leitung des Technologiekonzerns Sulzer in Winterthur zur ABB-Zentrale in Zürich. Anfang 2005 wird der liechtensteinisch-schweizerische Doppelbürger Dormanns Funktion als operativer Chef bei ABB voll übernehmen.

Er freue sich auf seine Aufgabe bei ABB, wird Kindle in der Mitteilung zitiert. Die Reputation des Konzerns und seine starke globale Marktposition seien eine hervorragende Grundlage für eine dynamische und erfolgreiche Zukunft, sagte er. Sulzer hofft, die Nachfolge Kindles bis im kommenden April regeln zu können.

Krisenerprobtes Duo

Dormann macht mit seinem Rückzug auf das ABB-Präsidium seine frühere Ankündigung wahr, Ende 2004 die Doppelfunktion an der Konzernspitze aufzugeben.

Er und seine Kollegen im Verwaltungsrat seien überzeugt, dass Kindle die entsprechenden Führungsqualitäten einbringen werde, wird der 64-jährige deutsche Manager zitiert.

Der Hoechst-Sanierer und Aventis -Verwaltungsratspräsident Dormann hatte im September 2002 überraschend den Schweden Jörgen Centerman als operativen Chef abgelöst, weil ihm Umsetzung der Fokussierungsstrategie nicht schnell genug vonstatten ging. Seither zog Dormann den Turn-around kompromisslos und mit hohem Tribut an Arbeitsplätzen durch.

Kein Ende der Verluste in Sicht

Kein Ende der Verluste in Sicht

Seine hehren Ziele konnte Dormann aber nicht immer erreichen. Der ABB-Chef hatte noch im vergangenen Sommer für das Geschäftsjahr 2003 schwarze Zahlen angekündigt, sich aber bereits im Herbst von diesem Ziel verabschieden müssen.

Bereits nach dem dritten Quartal des abgelaufenen Geschäftsjahres war ein Fehlbetrag von 379 Millionen Dollar aufgelaufen. ABB-Finanzchef Peter Voser sagte damals, es sei "äußerst unwahrscheinlich", in diesem Jahr (2003) aus der Verlustzone herauszukommen.

Zudem habe das Unternehmen bei den Verkäufen des schwedischen Rückversicherungsgeschäfts Sirius, Teilen der Gebäudetechnik und großen Teilen der Division Öl, Gas und Petrochemie (OGP) Buchverluste erlitten, sagte ABB-Sprecher Thomas Schmidt.

Ebenso wie Dormann ist auch der designierte ABB-Chef Kindle krisenerprobt: Seit seinem Antritt als Konzernchef des Winterthurer Traditionsunternehmens erfolgte ein umfassender Konzernumbau, der im vergangenen Jahr abgeschlossen worden war. Zudem wehrte Kindle im Sommer 2001 einen Übernahme-Versuch des Financiers Rene Braginsky erfolgreich ab und zog die Abspaltung der damaligen Medizintochter Sulzer Medica durch.

Kindle trat bereits 1992 bei Sulzer ein und wurde 2001 Konzernchef. Vor seiner Laufbahn bei Sulzer arbeitete Kindle als Unternehmensberater bei McKinsey und beim Werkzeugbauer Hilti.