Mittwoch, 21. August 2019

Heinz-Horst Deichmann So weit die Schuhe tragen

3. Teil: Was Sohn Heinrich ändern will

Zum Beweis seiner Integrität öffnet er verdutzten Reportern gerne seine Privatschatulle: Im riesigen Schuhschrank lagern die Schätze der Vergangenheit, durcheinander, aber vorhanden. Von seinen Gebrauchten würde er sich schon trennen, aber wer könne die schon tragen, bei seiner speziellen Fußform? Deichmann lächelt verschmitzt, fast freut er sich, weil er einen guten Grund gefunden hat, etwas Unvernünftiges getan zu haben.

Großer Bahnhof für den Schuhhändler: Bundespräsident Johannes Rau (l.) ehrte Heinz-Horst Deichmann (r.) mit dem Deutschen Gründerpreis für sein Lebenswerk. Maybrit Illner moderierte den Abend
Gute Gründe für sein Tun braucht er generell nicht mehr, der weise Herr Deichmann. Denn die Last des Alltags ist weitestgehend von ihm genommen. Seit 1999 ist sein Sohn Heinrich offiziell Vorsitzender der Geschäftsführung. Der hat seinem Vater versprechen müssen, dass Deichmann ein Familienunternehmen bleibt. Für den Junior kein Problem, glaubt er doch fest an die Kraft von familiengeführten Mittelständlern. "Wir wollen Wachstum weiter ohne Kredite und Börsengang finanzieren", sagt der 41-Jährige, der ebenso wie andere Mitglieder von Händlerfamilien - zum Beispiel den Albrechts und Haubs - das öffentliche Rampenlicht meidet.

"Der bricht aus wie ein Vulkan"

Im Gegensatz zu seinen drei Schwestern hat sich Heinrich frühzeitig für Aufgaben in der Handelsgruppe erwärmen können. Der studierte Betriebswirt, Geschichtswissenschaftler und Philosophie trat 1989 als geschäftsführender Gesellschafter in das elterliche Unternehmen ein.

Dem Vernehmen nach klappt die Zusammenarbeit zwischen Sohn und Vater prächtig. Dennoch legt Heinrich Wert auf seine Eigenständigkeit. Abgesehen vom Alter spürt man den deutlichsten Unterschied zwischen dem unternehmerischem Tandem schnell. Heinrich erklärt: "Mein Vater hat noch mehr Temperament als ich, der bricht aus wie ein Vulkan, ist ein Mensch, der stark von Spontaneität lebt." Heinrich selber bezeichnet sich dagegen als der Analytiker in der Familie.

Während in anderen Familienunternehmen oft ein Vater-Sohn-Konflikt das Erbe in den Ruin treibt, harmonieren die beiden auf scheinbar ideale Weise. Den Grundstein hat der Patriarch dafür gelegt: "Er hat loslassen können", sagt der Junior anerkennend über seinen Vater. Der denkt trotz seines hohen Alters aber noch nicht ans endgültige Aufhören. Denn "die Arbeit macht mir immer noch viel Freude", so Deichmann.

Kürzer getreten ist er vor allem, um mehr Zeit für seine Familie und sein Hobby, das Bergwandern, zu finden. Und für den Bibelkreis, zu dem er die freikirchlich-evangelische Gemeinde einmal pro Woche in sein Haus nach Velbert bei Düsseldorf einlädt. An einen völligen beruflichen Verzicht denkt der Grandseigneur aber nicht. "Was ist Rückzug", fragt er versonnen und reist weiterhin quer durch Deutschland, Europa und die Welt, um Filialen zu besuchen und um mit Mitarbeitern zu sprechen.

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