Sonntag, 18. August 2019

Heinz-Horst Deichmann So weit die Schuhe tragen

2. Teil: Erfolgsgeschichte der Wirtschaftswunderjahre

Als der Vater starb, führte die Mutter das Geschäft weiter. Heinz-Horst befand sich als Soldat an der Front und nur dem Zufall - oder Gottes Fügung, wie es Deichmann nennt - verdankt er sein Leben. Nach einem Halsdurchschuss entging er nur knapp dem Tod. Das war Heinz-Horst Deichmanns persönliches Damaskus.

"Mein Vater konnte loslassen": Heinrich Deichmann
Durch glückliche Umstände der russischen Gefangenschaft entkommen, studierte Deichmann Theologie und Medizin, half aber weiter im elterlichen Geschäft. In Düsseldorf wurde 1949 die erste Filiale eröffnet. Student Deichmann belieferte sie bei seinen Fahrten zur Universität mit Schuhen, beendete seine Ausbildung mit Approbation und Promotion und arbeitete in der Chirurgie und Orthopädie. 1956 entschied er sich, nur noch Unternehmer zu sein.

Was folgt, ist eine Erfolgsgeschichte der Wirtschaftswunderjahre. Eine Filiale nach der anderen wurde eröffnet, 1973 begann die internationale Expansion mit der Übernahme der Schweizer Schuhkette Dosenbach. Später schaute Deichmann über den großen Teich, wurde fündig und schluckte den Schuhdiscounter "Rack Room Shoes".

"Brioni - weil die Anzüge so gut sitzen"

Aus Amerika importierte er die amerikanische Art des Schuhverkaufens. Dort standen die Schuhe paarweise im Laden, die Verkäuferinnen mussten nicht ständig ins Lager laufen. Heute verkaufen die 22.000 Mitarbeiter 90 Millionen Paar Deichmann-Schuhe im Jahr und setzen dabei in 2000 Filialen und zwölf Ländern weltweit 2,2 Milliarden Euro um.

Deichmann-Schuh: Das Geheimnis des Erfolges
So wie Heinz-Horst Deichmann, so sind auch die Schuhe, die er verkauft: ehrlich, solide, schnörkellos. "Immer das bestmögliche Produkt zum bestmöglichen Preis" lautet die erfolgreiche Maxime des deutschen Schuhkönigs. Überflüssiges hat der Westfale aus seinem Leben ausgeklammert. Das Attribut "schnörkellos" indes passt nicht zwingend auf die modischen Gepflogenheiten des christlichen Gutmenschen. Immerhin ist er in der Bekleidungsbranche tätig, und da muss man ein gewisses Maß an Stilsicherheit beweisen.

Deichmann trägt - so wie der Kanzler - Brioni. "Weil die Anzüge so gut sitzen", wie er schelmisch betont. Seine maßgefertigten und handgenähten Schuhe, Marke Allen Edmonds, lässt er sich aus Amerika einfliegen. Er habe einen sehr schmalen Fuß, ihm passe keine Konfektionsware, fügt Deichmann, diesmal spitzbübisch, an.

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