Richard Weber Exotischer Bierbrauer

Richard Weber ist ein Mann des Wortes. Und ein Mann der Tat. Deswegen pfeift der Karlsberg-Erbe auf alte Traditionen und gibt lieber den Trendsetter. Erfolg hat der Vorsitzende des Deutschen Brauer-Bundes trotzdem – oder gerade deswegen.
Von Karsten Langer

Hamburg - "Heute tun, was andere morgen denken" ist einer der Wahlsprüche von Richard Weber. Davon hat der Karlsberg-Chef immer einige in petto, so dass zuweilen der Eindruck entsteht, er werfe mit Platitüden nur so um sich.

Mitnichten aber ist das der Fall. Die klaren, knappen Sätze sind Folge einer offensiven Unternehmenspolitik. Denn entgegen der vielfach muffigen Tradition der Brauereibranche hat Weber schon früh angefangen, sich vom schwankungsanfälligen Biermarkt zu verabschieden.

"Wir müssen aufhören, unser Bier zu verramschen", predigt Weber ein ums andere Mal, wenn es in Diskussionen um die Bierwüste Deutschland geht. Stattdessen müsse das deutsche Bier als begehrenswerte Spezialität international vermarktet werden. Dann hätte die "ruinöse Vernichtungsschlacht" der Anbieter ein Ende, und der Markt würde sich endlich wieder konsolidieren.

"Heute muss ein Schluck Imagination hinzukommen"

Für seine Karlsberg-Gruppe hat Weber schon früh einen anderen Weg gewählt. "Früher war Bier Wasser, Hopfen und Malz. Heute muss ein Schluck Imagination hinzukommen", sagt Weber, wenn man ihn nach dem Schlüssel seines Erfolges fragt.

Die Imagination hat bei der Karlsberg Gruppe längst zahlreiche Namen. Die wohl bekanntesten und gleichzeitig lukrativsten Produkte des Hauses sind die Bier-Mischgetränke "Mixery" und "Desperado". "Einen Volltreffer" nennt Weber 1996 stolz seine Kreationen und fügt vier Jahr später anlässlich des rasanten Umsatzwachstums an: "Wir sind stolz wie Wutz mit eenem Ohr". Derlei unzensierte Äußerungen sind anderen Unternehmenslenkern dieser Republik schwerlich zu entlocken.

Aber nicht nur die Bierkreationen, auch "Deutschlands feinster Saftladen", die Fruchtsaft-Tochter Merzinger, bereitet dem humorigen Bierbrauer Spaß. Die 1998 zugekaufte Marke Klindworth floriert, und auch die knapp 43 Prozent an der Mineralbrunnen Überkingen-Teinach-AG zahlen sich aus. Unter deren Dach sind die Marken Überkinger, Teinacher, Staatlich Fachinger oder Hirschquelle zusammengefasst.

"Wer keine Marken hat, verdient kein Geld"

"Wer keine Marken hat, verdient kein Geld", weiß Richard Weber. Also kreiert er sich neue oder kauft gut eingeführte auf. Damit ist zum jetzigen Zeitpunkt nach Webers Willen noch lange nicht Schluss.

Krone seiner Innovationsfreude ist seit seiner Gründung 2001 das "Karlsberg Institute of Bioscience", das sich der Flüssigkeits- und Durstforschung widmet. Weber will die gewonnenen Erkenntnisse in den so genannten "Functional Drinks" umsetzen, die nach dem Willen des experimentierfreudigen Brauers die Gesundheit fördern, ohne das Image von Miederwarenläden und Apotheken zu haben. Erste Getränke sind bereits am Markt. Die Zielgruppe: Sportler und Kinder.

Nicht immer war die Karlsberg-Gruppe so omnipotent wie unter Webers Ägide. Die Ursprünge der Brauerei gehen auf das Jahr 1878 zurück. Da gründete der Homburger Kaufmann Christian Weber die "Bayerische Bierbrauerei zum Karlsberg". Schon sechs Jahre später zog die Brauerei wegen Kapazitätsproblemen an den Stadtrand. 1910 übernimmt Richard Weber die Brauerei von seinem Vater. Nach dem Ersten Weltkrieg verschlechtern sich die Bedingungen der Brauerei. Durch den Friedensschluss von Versailles fallen die Märkte in Luxemburg, Lothringen und in der Pfalz weg.

"Fusion tötet Innovation"

Paul Weber, der 1942 als Prokurist bei Karlsberg eintritt, hat nach dem Zweiten Weltkrieg einiges zu tun. Die Brauerei liegt in Schutt und Asche und die politischen Verhältnisse haben sich geändert. Das Saarland ist wirtschaftlich an Frankreich angegliedert, erst im Sommer 1959 fallen die Schlagbäume und das Saarland wird wieder an Deutschland angeschlossen.

Richard Weber steigt 1974 bei Karlsberg ein. Als er 1983 die Brauerei als geschäftsführender Gesellschafter übernimmt, leitet er als Erstes eine Stärkung des Exportgeschäftes ein. Mit der Gründung des Coca-Cola-Konzessionärs Okko Getränke GmbH sucht sich die Brauerei ein neues Standbein.

Heute führt Weber den Karlsberg-Verbund in der vierten Generation. Erfolgreich trotzt er der Bierbrandung des rauen Getränkemarktes. Im abgelaufenen Geschäftsjahr setzte die Karlsberg-Gruppe knapp 650 Millionen Euro um. Trotzdem stiegen Anfang vergangenen Jahres Heineken und Stefan Schörghuber über ihre Brauholding International (BHI) mit 45 Prozent bei Karlsberg ein. 130 Millionen Euro sollen nach Informationen von Brancheninsidern über den Tisch gegangen sein.

Eine Übernahme durch die BHI sei aber nicht vorgesehen, sagt Weber. Denn: "Fusion tötet Innovation". Die Zusammenarbeit dagegen sei "ein auf Ewigkeit gerichteter Vertrag, eine auf unbestimmte Zeit geschlossene Lebensgemeinschaft, in der die Partner weitgehend gleichberechtigt miteinander umgehen und voneinander lernen." Starke Worte.

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