Kvaerner Mein Jet, meine Yacht, meine Villa

Aus einer nahezu beispiellosen Übernahmeschlacht ging er als Sieger hervor: Kjell Inge Rökke fusionierte den Mischkonzern Aker mit dem Schiffbauer Kvaerner. Um Schulden abzutragen, verkauft der Mann mit dem Raubtier-Image nun sein Lieblingsspielzeug.

Hamburg - Kjell Inge Rökke, Eigentümer der Aker-Kvaerner-Gruppe, muss sich an einen neuen Lebensstil gewöhnen. Um einen Schuldenberg in Höhe von 371 Millionen Euro abzubauen, trennte sich der norwegische Milliardär sich von seiner Boeing 737 (Spitzname: "Rebel's Tool".

Jetzt verkaufte der Herr über 30.000 Beschäftigte in 30 Ländern auch seine 70 Meter lange Luxusyacht "Reverie", die in der Marina von Monaco vor Anker liegt. Verkaufserlös: 57 Millionen Euro. Für die ihm nun noch übrig bleibende Almhütte, mit einer Größe von mehr als 800 Quadratmetern die größte Norwegens, hat Rökke dem Vernehmen nach noch keine Anzeige aufgegeben.

Der Eigner des Mischkonzerns Aker Maritime hatte Ende 2001 auch die Kontrolle des angeschlagenen Schiff- und Anlagenbauers Kvaerner übernommen. Kvaerner hatte sich zuvor beim Kauf des britischen Mischkonzerns Trafalgar House übernommen und enorme Verbindlichkeiten angehäuft. Die gesamte Gruppe schiebt heute einen Schuldenberg von 371 Millionen Euro vor sich her.

Rökke bekam damals keine gute Presse. Nach Darstellung norwegischer Medien führte der heute 42-Jährige den Machtkampf um seinen Hauptkonkurrenten Kvaerner wie ein "brutales Raubtier", das die Beute erst am Boden ausbluten lässt, ehe es sie verschlingt. Tatsächlich hat der Industriemagnat einen zermürbenden Kleinkrieg gegen Kvaerner geführt, bevor er das größere Unternehmen in eine Teilfusion gedrängt hat.

Schon davor erarbeitete sich Rökke einen zweifelhaften Ruf. So erwarb er hoch verschuldete Unternehmen, baute sie radikal um und verscherbelte, was keine hohen Gewinne versprach. Nach dieser Machart nahm er sich unter anderm eine Zementfabrik, eine Sportartikelkette und ein Kartonhersteller vor.

Was Gerhard Schröder von Rökke wollte

Der Mann aus der Kleinstadt Molde wird sich in Zukunft für sein fragwürdiges Handeln vor Gericht verantworten müssen. In Norwegen sind drei Prozesse gegen ihn anhängig. Ein Grund für die Klageflut sind Forderungen von unzufriedenen Aktionäre in Höhe von 500 Millionen Kronen. Außerdem wird wegen Beamtenbestechung in Schweden gegen Rökke ermittelt. Der Kvaerner-Chef hat bereits reumütig zugegeben, dass er sich einen fehlenden Bootsführerschein im Nachbarland erkaufen wollte.

Rökkes Konzern hatte im dritten Quartal einen operativen Verlust von 48 Millionen Norwegischen Kronen (5,83 Millionen Euro) vorgelegt, gegenüber einem Gewinn von 155 Millionen Kronen im Vorjahreszeitraum. Für 2004 gab Konzernchef Helge Lund allerdings einen positiven Ausblick. Der Auftragsbestand sei im dritten Quartal zu Ende September um 12,6 Milliarden Kronen auf 39,4 Milliarden Kronen gestiegen, das sind rund 5 Milliarden Kronen mehr als zu Jahresbeginn. "Wir gewinnen in allen Sparten weltweit Aufträge", gab sich Lund optimistisch.

Die Aker-Kvaerner-Gruppe betreibt auch drei Werften in Deutschland, in Rostock-Warnemünde und Wismar. Nicht zuletzt ausgelöst durch die Dumping-Politik Südkoreas befinden sich die deutschen Schiffbauer seit Jahren in der Krise. Um Arbeitsplätze zu retten, traf sich auch schon Bundeskanzler Gerhard Schröder mit dem Industriemagnaten zum Dinieren in einem norwegischen Spitzenrestaurant. Viel gebracht hat es wohl nicht: Die Gruppe plant insgesamt 550 von 2600 Stellen abzubauen.

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