Motivation Null Bock im Büro

Die typisch deutschen Tugenden Fleiß und Ordnung gehören der Vergangenheit an. Fast 90 Prozent aller Arbeitnehmer in dieser Republik haben keinen Spaß mehr an ihrem Job. Schuld daran sind ignorante Manager und mangelnde Anerkennung, sagen Experten. Es gibt aber auch andere Erklärungsansätze.

Potsdam/München - Lustlose Arbeitnehmer scheinen in den deutschen Betrieben inzwischen die Mehrheit zu stellen. Darauf deuten zumindest die Daten einer jüngst veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup in Potsdam hin.

Nur 12 Prozent der Befragten gaben an, im Job engagiert ans Werk zu gehen, 70 Prozent dagegen machen Dienst nach Vorschrift, 18 Prozent haben innerlich bereits gekündigt.

Mangelnde Motivation hat ihre Gründe - oft genug sind die Führungskräfte maßgeblich dafür verantwortlich. Mit ein paar Wochenendseminaren, bei denen die Chefs Motivationstricks lernen sollen, ist es dann nicht getan.

"Durch die Arbeitsmarktsituation sind Angst und Unsicherheit in vielen Unternehmen weit verbreitet", sagt Jürgen Goldfuss. Etliche Arbeitnehmer handelten nach der Devise "Bevor ich was falsch mache, mache ich lieber keinen Schlag zu viel", so der Coaching-Experte aus Spaichingen (Baden-Württemberg). Ignoranz der Führungskräfte verschärfe die Probleme häufig noch: "Viele schieben die Entwicklung auf äußere Faktoren und sagen sich 'Das ist halt so'."

"Es ist schon immer zu wenig gelobt worden"

Andere versuchten, die Null-Bock-Haltung ihrer Mitarbeiter durch verschärfte Kontrollen und Druck von oben zu korrigieren - beides nach Einschätzung des Experten keine langfristig Erfolg versprechenden Strategien.

Dass die Mitarbeiter Anerkennung bekommen, hält die Diplom-Psychologin Larissa Degen für entscheidend. "Es ist schon immer zu wenig gelobt worden", so die Personaltrainerin aus München. "Aber die Anerkennung für Arbeitnehmer hat noch weiter abgenommen. Dabei wäre das gerade in wirtschaftlich schwierigen Phasen umso wichtiger."

Wer zu wenig positives Feedback bekommt, fühle sich leicht zurückgesetzt, sei deshalb weniger leistungsbereit und arbeite dann auch weniger sorgfältig. Funktionierende Kommunikation hält Goldfuss für das A und O der Mitarbeiter-Motivation: "Gerade in kritischen Phasen ist es wichtig, mit den Mitarbeitern zu sprechen - und zwar nicht in Worthülsen."

Ein bisschen Frieden, ein bisschen Sonne

Ein bisschen Frieden, ein bisschen Sonne

Ausgesprochen demotivierend wirke, wenn den Arbeitnehmern nicht klar wird, warum welche Entscheidungen fallen. Dem stimmt auch Larissa Degen zu: "Bei Veränderungen im Betrieb muss erkennbar sein, was das für den Einzelnen bedeutet."

Vorgesetzte sollten deshalb Teambesprechungen einführen und auch regelmäßig Einzelgespräche anbieten. "Das führt zu einem Motivationsschub," so die Psychologin. Den Mitarbeitern müsse außerdem gezeigt werden, dass sie wichtig sind," sagt Hans-Jürgen Kratz, Trainer und Dozent aus Nordholz (Niedersachsen). Oft werde ihnen allerdings vermittelt, schlicht ersetzbar zu sein.

Gerade direkte Vorgesetzte können nach Erfahrung des Experten einiges für die Motivation tun - etwa, indem sie Mitarbeitern nicht nur Vorschriften machen, sondern auch Verantwortung übertragen. "Die meisten Arbeitnehmer identifizieren sich durchaus noch mit ihren Aufgaben, aber nicht mehr mit ihrem Arbeitgeber", sagt der Publizist Reinhard K. Sprenger aus Essen.

"Warum arbeiten wir hier?"

Die Ursachen dafür sind nach Einschätzung des Sachbuchautors und Führungskräfte-Coaches grundlegender Natur: "In etlichen Unternehmen geht es nur noch um Bilanzzahlen, nicht mehr um Produkte für Menschen", kritisiert Sprenger. "Die Frage "Warum arbeiten wir hier?" ist für viele nicht mehr zu beantworten."

Auch im Hinblick auf Gerechtigkeit und Fairness gebe es Mängel: "Die Belastungen, die Arbeitnehmern zugemutet werden, und ihre Einkommensmöglichkeiten beispielsweise klaffen auseinander", kritisiert Sprenger. Angesichts solcher Entwicklungen sei Motivationstraining für Führungskräfte allenfalls ein Placebo: "Die demotivierenden Rahmenbedingungen ändern sich dadurch nicht."

Andreas Heimann, dpa

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