Mobilcom Und noch zwei Verfahren

Die Staatsanwaltschaft Kiel weitet die Anklage gegen Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid aus. Schmid muss sich nun auch wegen Bankrotthandlung und Vereitelung der Zwangsvollstreckung verantworten. Selbiger gibt sich gelassen.

Büdelsdorf - Die Staatsanwaltschaft Kiel hat die Anklage wegen Untreue gegen den Gründer von Mobilcom , Gerhard Schmid, ausgeweitet. Schmid muss sich nun auch wegen Bankrotthandlung und Vereitelung der Zwangsvollstreckung verantworten, wie die Staatsanwaltschaft am Freitag mitteilte.

Schmid wird vorgeworfen, dass er Firmenanteile aus einem Immobilienprojekt nach dem November 2002 an eine Gesellschaft in Liechtenstein veräußert haben soll, obwohl die Landesbank Sachsen die Anteile pfänden wollte, weil Schmid Schulden im Wert von 200 Millionen Mark (102.000 Euro) dort hatte.

Die Pfändung scheiterte den Angaben zufolge, weil Schmid die Anteile verkauft hatte. Vorher hatte die Bank vor Gericht ein Urteil zur Rückzahlung eines Teils des Darlehens von 20 Millionen Mark erstritten.

Schon im August 2003 hatte die Staatsanwaltschaft Kiel Anklage wegen Untreue gegen Schmid erhoben. Hintergrund ist ein umstrittenes Aktienoptionsgeschäft, bei dem der damalige Mobilcom-Chef Schmid zwischen Juli 2001 und Januar 2002 rund 70 Millionen Euro an die Millennium GmbH seiner Ehefrau Sybille Schmid-Sindran gezahlt hatte. Schmid wird Untreue in 22 Fällen vorgeworfen.

Laut Anklage soll Schmid seine Sorgfaltspflichten als Vorstandsvorsitzender bei dem Geschäft verletzt haben. Die Zahlungen seien ohne vertragliche Grundlage veranlasst worden, hieß es. Ihnen habe zudem eine unzureichende Sicherung des Vermögens gegenüber gestanden. Außerdem wird Schmid vorgeworfen, für ein nicht ausgeglichenes Verhältnis von Leistung und Gegenleistung gesorgt zu haben, da seine Ehefrau Geschäftsführerin bei Millennium gewesen sei.

Schmid will derweil die gegen ihn erhobene Anklage als unbegründet zurückweisen. Die Staatsanwaltschaft Kiel bestätige in ihrer Anklageschrift, so Schmid, dass kein Entzug von Werten stattgefunden habe. Der Zeitpunkt der Erklärung der Staatsanwaltschaft sei so ungewöhnlich, dass von einer "Retourkutsche der Staatsanwaltschaft" für den vor wenigen Tagen von ihm eingereichten Antrag auf Zurückweisung der Anklage wegen Untreue ausgegangen werde, hieß es in einer Erklärung am Freitag.

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