Heidi Horten Weiblich, ledig, reich

Es war mehr oder weniger ein Zufall, der Heidi Horten ein sorgenfreies Leben bescherte: Sie lernte in einer Bar am Wörthersee einen der einflussreichsten Wirtschaftskapitäne der Nachkriegszeit kennen. Diesem Umstand verdankt sie ein stattliches Vermögen und eine der größten Yachten der Welt.
Von Katy Weber und Karsten Langer

Hamburg - Wenn eine gut aussehende, junge und dazu noch blonde Frau an einer Hotelbar sitzt, kann es durchaus passieren, dass sie von dem ein oder anderen Herrn angesprochen wird.

Von einem Reisenden vielleicht, der zwischen Ankunft und Abfahrt etwas Zerstreuung sucht, oder einem Geschäftsmann, der - unterwegs nach Hause - kurz einkehrt, um den gröbsten Ärger des Tages mit ein paar Gläsern Scotch hinunterzuspülen.

Im Fall von Heidi Jelinek war es Helmut Horten, mit dem sie in einer Hotelbar in Velden am Wörthersee ins Gespräch kam. Wie sich diese Begegnung genau zugetragen hat, ist allgemein nicht bekannt, fest steht aber, dass die Wienerin zu diesem Zeitpunkt jung (etwa 19 Jahre alt) und schön und Helmut Horten rund 30 Jahre älter und reich war.

1966 heirateten sie, und aus Heidi Jelinek wurde Heidi Horten, eine der reichsten Frauen der Bundesrepublik. Zu diesem Reichtum hat sie - vor der Ehe als Sekretärin tätig - wenig beigetragen. Er geht vor allem auf die Geschäfte ihres damaligen Gatten zurück. Helmut Horten, Jahrgang 1909 und gebürtiger Bonner, baute im Laufe seines Lebens den gleichnamigen Kaufhaus-Konzern auf.

"Reichsverteiler für Textilien"

Nach seiner Ausbildung zum Textilkaufmann übernahm er 1936 das Warenhaus Gebrüder Alsberg, dessen jüdischer Inhaber zur Emigration gezwungen worden war. Im gleichen Jahr eröffnete er ein zweites Kaufhaus in Wattenscheid. Bis 1939 kamen sechs weitere Neugründungen hinzu.

Länge läuft: Knapp 100 Meter Schiff, elegant verpackt

Länge läuft: Knapp 100 Meter Schiff, elegant verpackt

Foto: christo303
Bulliger Bug: Carinthia VII am Kai

Bulliger Bug: Carinthia VII am Kai

Foto: christo303
Porta Maxima: Freitreppen am Heck

Porta Maxima: Freitreppen am Heck

Foto: christo303
Spitznase: Stand Nofretete Modell?

Spitznase: Stand Nofretete Modell?

Foto: christo303
Prächtiger Achtersteven: Heck mit Festbeleuchtung

Prächtiger Achtersteven: Heck mit Festbeleuchtung

Foto: christo303
Daycruiser: Die Carinthia VII im Hafen von Antibes

Daycruiser: Die Carinthia VII im Hafen von Antibes

Foto: christo303




Heidi Hortens Mega-Yacht Carinthia VII:
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Während des Kriegs war Helmut Horten "Reichsverteiler für Textilien". Seine engen Kontakte zum Nazi-Regime brachten ihn 1947/48 für 17 Monate ins Internierungslager Recklinghausen. Kaum wieder auf freiem Fuß, nahm er seine Geschäfte erneut auf.

Die Horten-Kette entwickelte sich zum viertgrößten Warenhauskonzern in der Bundesrepublik hinter Karstadt, Hertie und Kaufhof. Aber anders als bei der Konkurrenz gehörte die Kette nur einem Einzelnen - Helmut Horten. Im November 1987 starb Horten und vermachte Ehefrau Heidi sein Vermögen.

"Reichsverteiler für Textilien"

Schon zu Lebzeiten war Herr Horten seiner Frau gegenüber nicht geizig gewesen. Er überhäufte sie mit Schmuck, Samt und Seide.

Trotzdem verlief die Ehe offensichtlich alles andere als harmonisch. Nach ihrer zweiten Hochzeit 1994 reagierte Heidi, auf den Namen Horten angesprochen, regelrecht allergisch.

Wer sie "Horten" statt "Charmat" nannte - denn so hieß ihr neuer Ehemann, ein französischer Blumengroßhändler - lief sogar Gefahr, Post von ihrem Anwalt zu bekommen. Doch das Glück war ihr nicht hold, die zweite Ehe zerbrach.

Heute wieder Horten

Heute nennt sich Heidi in der Öffentlichkeit wieder Horten. Mit der Scheidung vom Herrn Charmat ist sie um einen Namen ärmer, aber an weltlichen Gütern ein bisschen reicher geworden. Dieser Umstand ist auch guten Anwälten und guten Finanzberatern geschuldet. Von Einsamkeit geplagt ist Heidi Horten nicht.

Ihre neue Liaison, den britischen Exbanker Jonathan Bevan (63), der sein Vermögen als Finanzberater des legendären Medientycoons Robert Maxwell machte, lernte sie dem Vernehmen nach in St. Tropez kennen; der Urlaub im Millionärsclub "Lyford Cay" auf den Bahamas schloss sich an. Dort hatte sie schon ihren verflossenen Gatten, den Herrn Charmat, geheiratet.

Heute pendelt Heidi Horten zwischen den Welten. Am Wörthersee genießt sie die gesellschaftlichen Events mit ihren Nachbarn, den Flicks, den Porsches und den Piëchs. Auf den Bahamas hat sie einen Wohnsitz und in Wien ein Luxuspenthouse.

Am liebsten aber schippert Heidi Horten mit ihrer knapp 100 Meter langen Yacht "Carinthia VII" über die Weltmeere. Das Schiff gehört zu den zehn größten Privatyachten der Welt und ist Nachgfolgerin der "Carinthia VI", die ebenso wie die "Carinthia VII" 1973 bei der Lürssen-Werft in Bremen gebaut wurde.

Bei dem Entwurf der Mega-Yacht soll Heidi Horten angeblich selbt Hand angelegt haben. Planung und Gestaltung stammen aus ihrer Feder, so Insider. Das Ergebnis, vom Londoner Designer Tim Heywood umgesetzt, ist imposant. Die Motoryacht ist, wiewohl viergeschossig, schlank und elegant. Sie hat einen klassischen atlantikblauen Rumpf und schneeweiße Aufbauten - genau wie ihre kleine Schwester, die weiland Helmut Horten in Auftrag gegeben hatte. Geschichte wiederholt sich.

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