Sonntag, 18. August 2019

Jürgen Heraeus Der Mann im Mond

3. Teil: Vorbild China

Familienunternehmen scheitern nicht an hohen Steuern

Über die Nachfolgefrage im eigenen Haus will sich der Patriarch nicht konkret äußern. "Wir beobachten, wer in der Lage ist, den Aufsichtsrat zu führen", erklärt Heraeus.

Aufbruch nach Fernost: Baukräne in Shanghai
Den Fehler vieler Wirtschaftskapitäne, allzu lange am Steuerrad zu stehen, wolle er vermeiden. "Familienunternehmen gehen nicht wegen hoher Steuern oder Löhne kaputt, sondern wegen Familienstreitigkeiten, schlechten Managements und des Nichtabtretens der Senioren", betont er.

Auch deswegen gehört zum guten Ton in der Familie, finanziell auf eigenen Beinen zu stehen und sich sein Geld selbst zu verdienen. Heraeus, Vater von fünf Töchtern, verweist gerne darauf, dass er ein Betriebswirtschaftsstudium als Zweitbester seines Jahrgangs abgeschlossen hat. Niemand soll behaupten, er sei allein durch seine Herkunft so weit gekommen. Teilweise hatten Familiengesellschafter auch auf Gewinnausschüttungen verzichtet, um das Unternehmen finanziell zu stärken.

Vorbild China

Überhaupt stehen Tugenden wie Selbstdisziplin, Fleiß und Verantwortung bei der Familie Heraeus hoch im Kurs. Eine Reihe von Stiftungen kümmert sich um wohltätige Zwecke wie den Unterhalt von Kindergärten oder die Förderung der Wissenschaft.

Kein Wunder, dass Jürgen Heraeus immer wieder als neuer Präsident beim Bundesverband der Deutschen Industrie gehandelt wurde. Doch der heute 67-Jährige hielt sich in den Diskussionen um die Nachfolge von Olaf Henkel auffällig zurück. Auch Bescheidenheit gehört zu den Tugenden der Hanauer.

Dass Jürgen Heraeus deswegen nicht langweilig werden muss, zeigt allein der Umstand, dass er in diversen Aufsichtsräten und Stiftungen Mitglied ist. Dazu kommt sein Amt als Vorsitzender des Arbeitskreises China im Asien-Pazifik-Ausschuss der deutschen Wirtschaft.

Heraeus gerät fast ins Schwärmen, wenn er von der Aufbruchstimmung in China berichtet. Der Konzern hat in dem boomenden Land acht Werke mit inzwischen 1100 Beschäftigten. "In sieben Monaten haben wir für unser Werk in Shanghai die Baugenehmigung erhalten - durchaus auch mit Auflagen- es gebaut und sind eingezogen", berichtet er. "In dieser Zeit schafft man es in Deutschland höchstens, dass die Untere Wasserbehörde einen Bauantrag prüft."

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